Frauen ohne Erfolg

20. Oktober 2019 18:12; Akt: 20.10.2019 19:08 Print

Regierungsrätin Fässler verpasst historische Wahl

Antonia Fässler (CVP) hat in Appenzell Innerrhoden die Wahl in den Nationalrat nicht geschafft. Sie scheitert an Parteikollege Thomas Rechsteiner.

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Es wäre eine historische Wahl gewesen. Die aktuelle Innerrhoder Gesundheitsdirektorin wollte als erste Frau aus dem Kanton ins Parlament nach Bern. Das hat sie nicht geschafft. Entsprechend sagt die Politikerin: «Ich bin enttäuscht, aber muss das Ergebnis akzeptieren.» Schlussendlich landete sie nicht nur hinter Parteikollege Thomas Rechsteiner, sondern auch hinter Ruedi Eberle von der SVP.

Besonderheiten im Kanton

Fässler sagt zum Ausgang der Wahlen im Kanton Appenzell Innerrhoden: «Es war alles offen. Ich hätte vor Sonntag keine Prognose gewagt.» Die 50-Jährige war die offizielle Kandidatin der CVP, dennoch verlor sie gegen den Sprengkandidaten und ehemaligen Innerrhoder Regierungsrat Rechsteiner. Somit bleiben Appenzell Innerrhoden und Glarus die einzigen beiden Kantone, die noch nie eine Frau im Stände- oder Nationalrat hatten. Denn in Obwalden und Zug wurden am Sonntag erstmals Frauen nach Bundesbern gewählt.

Der Präsident der kantonalen CVP in Innerrhoden, Stefan Ledergerber, gibt zu, dass er lieber Fässler als Gewinnerin gesehen hätte. Doch er sagt auch: «Ich bin erleichtert, dass wir den Sitz halten konnten. Es ist eine seltene Situation, dass es gleich vier Kandidaten gibt für den einen Sitz.» Frei wurde der Sitz von Daniel Fässler, der bereits im Frühjahr an der Landsgemeinde in den Ständerat gewählt wurde.

Zeit reif oder doch nicht?

Ledergerber meint weiter, die Zeit wäre reif gewesen für die erste Frau aus Innerrhoden in Bundesbern. Die unterlegene Kandidatin sagt dazu: «Offenbar war der Kanton nicht reif dafür. Ich wäre bereit gewesen dazu.» Als möglichen Grund sieht sie die Umstände in ihrer Heimat. Es sei alles ländlich und die Männer seien stärker vertreten, schlicht präsenter im Alltag. «Es ist nicht einfach als Frau», sagt sie weiter Fässler.

Für den Ostschweizer Polit-Kenner Reto Antenen liegen die Gründe auch anderswo. Er sagt: «Fässler ist als Gesundheitsdirektorin gescheitert. Die Spitäler haben zu grosse Verluste geschrieben.» Aber er meint auch, in Innerrhoden hätten es die Frauen schwerer als in anderen Kantonen. Der Wahlkampf funktioniere anders. So können beispielsweise Kandidaten mit der Unterstützung des Gewerbeverbandes in den Nationalrat kommen, auch wenn die eigene Partei auf eine andere Kandidatin setze, wie Thomas Rechsteiner bewiesen hat.

SVP-Zuberbühler knapp wiedergewählt.

Im Nachbarkanton, in Appenzell Ausserrhoden, behält die SVP ihren Sitz im Nationalrat knapp. Der Bisherige, David Zuberbühler, setzt sich gegen die FDP-Kandidatin Jennifer Abderhalden durch. Er hatte aber lediglich einen Vorsprung von 119 Stimmen auf seine grösste Herausforderin. Im Ständerat kommt es ebenfalls zu keinen Änderungen. Andrea Caroni von der FDP hat seinen Sitz souverän verteidigt.

(mig)

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