Güttingen TG

02. Juli 2019 13:42; Akt: 02.07.2019 15:23 Print

Jugendliche fackeln Turnhalle ab

Am Montagabend brannte in Güttingen eine Turnhalle. Rund 100 Einsatzkräfte waren vor Ort. Laut Kapo TG haben Jugendliche das Feuer verursacht.

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Mehrere Personen meldeten der Kantonalen Notrufzentrale kurz nach 16.45 Uhr, dass in der alten Turnhalle an der Bahnhofstrasse in Güttingen TG ein Brand ausgebrochen sei. Die Feuerwehr Altnau-Güttingen und die Stützpunktfeuerwehren Kreuzlingen und Amriswil rückten mit über 100 Einsatzkräften aus. Wie die Kantonspolizei Thurgau mitteilt, konnte der Brand rasch unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Verletzt wurde niemand, es entstand Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken.

Während den Löscharbeiten mussten die Bahnhofstrasse und die Hauptstrasse für den Verkehr gesperrt werden. Die Feuerwehr erstellte eine Umleitung. Zur Spurensicherung und Klärung der Brandursache wurde der Brandermittlungsdienst und der Kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei Thurgau aufgeboten. Ein Funktionär des Amtes für Umwelt begleitete die Löscharbeiten.

Hier sieht man, wie gross der Brand war. (Video: Leser-Reporter)

Jugendliche gestanden, Brand verursacht zu haben

Die Kantonspolizei Thurgau konnte am Abend mehrere Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren ermitteln. Sie gaben zu, den Brand verursacht zu haben. «Ob sie fahrlässig handelten oder vorsätzlich ist Gegenstand der Ermittlungen, genauso wie die genauen Umstände», so Kapo-Sprecher Matthias Graf auf Anfrage. Die Jugendanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung eröffnet.

Wer kommt für Schaden auf?

Es ist nicht das erste Mal, dass Jugendliche grosse Brände auslösten. Im Zusammenhang mit dem Grossbrand vom 16. März 2018 auf dem Firmengelände der Tobi Seeobst AG in Egnach, hatte die Jugendanwaltschaft des Kantons Thurgau gegen vier Jugendliche eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst eröffnet. Das Strafverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Beim Grossbrand entstand ein Schaden von rund 15 Millionen Franken.

Da die Tobi Seeobst AG über eine Sachversicherung verfügt, deckte diese die durch den Brand verursachten Schäden. Zudem sei das Betriebsgebäude über die kantonale Gebäudeversicherung versichert. Der Versicherungsanbieter könnte sich aber offen halten, die Leistungen von den Jugendlichen beziehungsweise deren Privathaftpflichtversicherung zurückzufordern.

Stillschweigende Einigung getroffen

Auch in Züberwangen geriet das Feuerspiel von zwei Jugendlichen im September 2013 ausser Kontrolle. Sie hatten auf dem Areal der Gärtnerei Rutishauser gezündelt und damit einen Grossbrand verursacht. Die Jugendlichen mussten sich ein Jahr später vor dem Kreisgericht Wil verantworten. Das Gericht kam zum Schluss, dass die beiden den Brand nicht absichtlich gelegt, sich jedoch pflichtwidrig und unvorsichtig verhalten hätten. Der Besitzer der Gärtnerei, bei der ein Schaden von rund 30 Millionen Franken entstand, machte damals lediglich den Selbstbehalt von 300 Franken geltend.

Die Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) des Kantons St. Gallen verklagte daraufhin die Eltern der Jugendlichen und forderte 10 Millionen Franken. Die Eltern hatten laut den Verteidigern eine Haftpflichtversicherung mit einer Schadensdeckung von je fünf Mio. Franken. Da sie für die restlichen Forderungen nicht belangt werden könnten, müssten die Versicherungen das Geld bei den Jugendlichen holen, sagte GVA-Direktor Renato Resegatti damals. Doch ein Zivilprozess blieb aus. Die Beschuldigten erzielten mit den Geschädigten und den involvierten Versicherungen eine stille Einigung. Die beiden Jugendlichen selbst mussten acht Tage persönliche Leistung, sprich einen gemeinnützigen Arbeitseinsatz, erbringen.

(juu)