Energiewende

01. November 2019 04:50; Akt: 01.11.2019 04:50 Print

Der Bodensee könnte bald deine Heizung ersetzen

Seen speichern viel Energie: Diese kann man zum Beispiel zum Heizen nutzen. Teilweise wird das bereits getan, doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Bodensee, der Walensee und der Zürichsee speichern enorme Energiemengen. Der Kanton St. Gallen will nun zusammen mit den Gemeinden Projekte zur Wärmegewinnung aus Seewasser vorantreiben, um die CO2-Emissionen der Gebäude weiter zu senken. Die grossen Seen im Kanton sind eine grosse, bisher wenig genutzte Energiequelle, wie die St. Galler Staatskanzlei am Donnerstag schrieb. Beim Boden- und Walensee übersteige das Potenzial zur Wärmenutzung den Bedarf der seenahen Gemeinden bei weitem. Die notwendige Technik sei seit Jahrzehnten erprobt. Sie bewähre sich bei der Nutzung von Erd- und Grundwasserwärme oder bei Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Umfrage
Wussten Sie, dass Seen auch für Heizwärme genutzt werden können?

Und so funktionierts: Die Wärme wird den Seen mittels Wärmepumpen entzogen, worauf die Energie über thermische Netze in Quartiere und Areale verteilt werden kann. Wärmetauscher entziehen dem Wasser in 20 Meter Seetiefe die Energie. Später wird das abgekühlte Wasser wieder in den See zurückgeleitet. Zudem lässt sich die Energie auch zur Kühlung nutzen. Dabei entsteht Abwärme, mit der andere Gebäude geheizt werden können.

Seegemeinden könnten mit Seewasser geheizt werden

Am Schweizer Bodenseeufer sind bereits 16 Anlagen in Betrieb, wie das «St. Galler Tagblatt» schreibt. Diese erzeugen einem Wärmeumsatz von 34 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. Doch das Potenzial wäre um ein Vielfaches grösser: Aufgrund von Modellrechnungen liege laut Mitteilung vom Kanton Thurgau das nutzbare Potenzial für die Schweizer Seite des Bodensees bei 2800 GWh Wärmenutzung und 1400 GWh Kältenutzung pro Jahr.

«Der Wärmebedarf aller Gemeinden mit Seeanstoss in den Kantonen St. Gallen und Thurgau bewegt sich in der Grössenordnung von 1200 GWh pro Jahr», heisst es in der Mitteilung weiter. Für seenahe Gemeinden besteht also grosses Potenzial. Sie könnten ihren Wärmebedarf mit thermischer Seewassernutzung decken.

Die Kantonsschule in Romanshorn TG nutzt seit 30 Jahren mit einer Wärmepumpe die Energie aus dem Bodensee und kann damit ihre Räume heizen. Auch über 150 Wohnungen in der Nähe werden mit Seewasser erwärmt. Dadurch benötigen sie keine Öl- oder Gasheizungen.


(jeb/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mann im Mond am 01.11.2019 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz schlaue Technik

    aha. und was passiert wenn die Seetemperatur sich deswegen verändert?

    einklappen einklappen
  • Piz am 01.11.2019 05:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Und wieder greift der Mensch in ein sensibles Ökosystem ein, wer weiß was das für langzeitige Auswirkungen haben wird?

    einklappen einklappen
  • Dan Wesson am 01.11.2019 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Wenn das abgekühlte Wasser wieder in den See geleitet wird, dann verändert der Mensch auch hier die Natur. Es kann zu Veränderungen kommen, welche im ersten Moment nicht absehbar sind. Das verbrauchte abgekühlte Wasser wäre besser in den Haushaltkreislauf einzuspeisen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Müller am 02.11.2019 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wärmepumpe

    Aber habt ihr auch an dieDreikantMuschel gedacht die denWärmetauscher zumacht die Muschel wachsen imFliesendem wasser und dieLeitungen ebenfalls spreche aus erfahrung hatten dieses system schon gehappt und wieder umgestellt auf Herkömmliches heizen

  • Nerv121 am 02.11.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel

    Ohne CO2 gäbe es bald keine Pflanzen mehr, ohne Pflanzen kein O2 also hört auf zu jammern . Ihr Umweltaktivisten mal sehen über wen ihr jammert wenn die Seen,Flüsse und Luft fast steril sind. Es wird heissen wer ist schuld ????? Und übrigens dank dem Klimawandel sind die Dinosaurier ausgestorben, wo wart ihr den da die grünen und Umweltaktivisten.??????

  • duesi am 01.11.2019 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Längst bekannt

    Theoretisch liesse sich mit allen CH Gewässern die ganze Schweiz heizen und die Temperatur würde nur ca 1 Grad sinken. Neben der gesetzlichen Auflagen brauchen Wärmepumpen aber enorme Mengen an zusätzlichem Strom. Der wird bald mal knapp weil die Energiewende nicht durchdacht ist.

  • fuchs am 01.11.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Heizen ja, aber zum Kühlen???

    Im Winter sicher nicht allzu schlimm, wenn das Wasser zusätzlich abgekühlt wird, es gab ja schon länger keinen zugefrorenen Bodensee mehr. Schlimmer finde ich es, wenn das bereits jetzt im Sommer rekordverdächtig warme Wasser im Sommer zur Kühlung von Wohnhäuser verwendet wird.

    • Einhornjäger am 01.11.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fuchs

      Ein See hat unterschiedliche Schichten, das Wasser an der Oberfläche wärmt sich im Sommer stark auf, das Wasser für solche Anlagen wird aber aus einer Tiefe von 30 - 40 Meter entnommen, dort beträgt die Temperaturen immer etwa 5 Grad Sommer und Winter.

    einklappen einklappen
  • Andreas B (D) am 01.11.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Genügend Wärme für den gesamten Kanton

    Im Bodensee steckt so viel gespeicherte Wärme, daß es für den ganzen Kanton St. Gallen reichen würde, ohne daß der Bodensee auskühlt. Schade, daß diese Zahlen nicht aus dem Artikel erkennbar sind. - Habe für mein Haus einmal eine Modellrechnung gemacht. War erstaunt, wie viel Energie in einem Wasserbassin gespeichert ist. Die warmen Sommertage regenerieren die Wärme wieder. Außerdem werden die Wärmeverluste von einem Haus der Natur wieder zurückgegeben.