Innerrhoden

15. Januar 2019 15:36; Akt: 15.01.2019 15:36 Print

Kanton will Jugendliche von Suizid abhalten

Jedes Jahr sterben in der Schweiz dreimal mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle. Appenzell Innerrhoden möchte mit einer Kampagne gefährdete Jugendliche ansprechen.

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Niedergelegte Blumen nach einem Selbstmord: Eine neue Kampagne soll jugendlichen Appenzellern einen Ausweg aufzeigen. (Bild: Keystone)

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Brücken haben eine Anziehungskraft auf Menschen, die suizidgefährdet sind. Eine solche Brücke ist etwa die Taminabrücke, die 2017 in Betrieb genommen wurde. Als präventive Massnahme wurden deshalb Netze unter die Brücke gespannt.

«Wir haben in Appenzell Innerrhoden keinen solchen Hotspot», sagte Antonia Fässler, Vorsteherin des Innerrhoder Gesundheits- und Sozialdepartements am Dienstag an der Medienorientierung in Appenzell. Von einem Hotspot spricht man dann, wenn an einem Ort mehr als fünf Suizide während zehn Jahren stattfanden.

Jeder zehnte hat Suizidgedanken

In Appenzell Innerrhoden nehmen sich jährlich zwei bis drei Menschen das Leben. Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Jugendlichen ist Selbstmord eine der häufigsten Todesursachen. Jeder zehnte Jugendliche habe Suizidgedanken, so die Statthalterin.

In Appenzell Innerrhoden lancieren nun der Kanton, die Kirche, die Schule und die Sozialberatung gemeinsam eine Kampagne zur Suizidprävention. Verschiedene Veranstaltungen sollen für das Thema sensibilisieren und Hemmungen abbauen. «Die Kampagne ist eine Einladung zum Reden und zum Zuhören», sagte Landammann Roland Inauen.

Schlüsselpersonen aufklären

Die Kampagne «Chomm, vezöll doch!» richtet sich sowohl an gefährdete Menschen wie auch an deren Umfeld. Schlüsselpersonen wie Lehrer und Eltern sollen angesprochen und aufgeklärt werden. Zum Auftakt werden in der Real- und der Sekundarschule mit allen dritten Klassen Workshops zum Thema durchgeführt.

In der Gesellschaft stehe heute der Fun im Vordergrund, sagte Standespfarrer Lukas Hidber. Die Jugendseelsorge begleite gefährdete Jugendliche so gut als möglich. «Es gibt kein Betty-Bossi-Rezept», erklärte Hidber. Es seien kleine Schritte, um den Mut zu finden, zu erzählen. «Hilfe anzunehmen, ist keine Schwäche, sondern eine Stärke», sagte der Pfarrer. Hidber hat in zwei Jahrzehnten in Appenzell viele Menschen begleitet, die Angehörige durch Suizid verloren haben.

(sda)