Urnäsch AR

20. November 2019 16:32; Akt: 20.11.2019 16:32 Print

Kanton zerstört wertvolle archäologische Funde

Auf dem ehemaligen Urnäscher Friedhof wurde archäolgisch Wertvolles gefunden. Aus wissenschaftlicher Sicht müsste es ausgegraben werden – stattdessen wird es zerstört.

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Auf dem ehemaligen Friedhof bei der reformierten Kirche in Urnäsch wurde anfangs August vom Amt für Archäologie Thurgau eine Sondiergrabung durchgeführt, die vom Kanton Appenzell Ausserrhoden angeordnet wurde. Dies, um im Hinblick auf den geplanten Neubau des Urnäscher Gemeindehauses das archäologische Potenzial der vom Bau betroffenen Parzellen abzuklären.

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Wie es am Mittwoch in einer Mitteilung heisst, sind bei der Grabung 12 Gräber dokumentiert und geborgen worden, rund 107 Kilogramm Knochenmaterial herausgelesen und mindestens sieben Individuen in einem Massengrab gefunden worden. Die archäologisch wertvollen Ausgrabungen stammen aus dem 15./16. Jahrhundert.

Rettungsgrabung notwendig

Aus rein wissenschaftlicher Sicht sei eine Rettungsgrabung notwendig. Die Sondiergrabung habe gezeigt, dass im vorgesehenen Baugebiet zahlreiche Überreste des historischen Friedhofs vorhanden seien. «Nach heutigem Kenntnisstand ist klar, dass es sich um ein aussergwöhnlich dicht belegtes Gräberfeld handelt», heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Trotzdem wird es keine Rettungsgrabung geben. Der Grund: die Kosten. «Angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons ist bei allen Ausgaben grösstmögliche Zurückhaltung zu üben. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Sparbemühungen wäre es nicht zu verantworten, für eine isolierte Rettungsgrabung mit unsicherem Erkenntnisgewinn mehrere hunderttausend Franken auszugeben», heisst es im Schreiben.

Archäologischen Funde und Schichten zerstört

Die archäologischen Funde und Schichten im Bereich des Neubaus werden zerstört. Gebeine, die bei den Bautätigkeiten zu Tage kommen, werden voraussichtlich im Gemeinschaftsgrab auf den neuen Friedhof in Urnäsch gebracht. Die Funde und Schichten auf der angrenzenden Parzelle zwischen Kirche und Gemeindehaus könnten durch die Bautätigkeit voraussichtlich auch geschädigt werden. «Um die Belastungen zu reduzieren, wird mit schweren Maschinen aufgepasst, dass der Boden möglichst nicht verdichtet wird, weil das die Knochen schädigt», erklärt Georg Amstutz, Leiter des Kommunikationsdienstes.

«Klar ist Bedauern vorhanden und es wäre schön gewesen, wenn man genügend Geld dafür gehabt hätte. In diesem Fall musste aber abgewogen werden, was wichtiger ist», so Amstutz. Zudem seien nicht alle Knochen verloren: «Es kann sein, dass ein Teil der Knochen zu einem späteren Zeitpunkt ausgegraben wird.»

Wie Martin Schindler, Leiter der Kantonsarchäologie St. Gallen, auf Anfrage sagt, ist es in St. Gallen in den 20 Jahren, in denen er dort arbeitete, nie zu einem ähnlichen Fall gekommen. «Generell ist es immer schade, wenn solche Funde nicht geborgen werden können», so Schindler.

(del)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jane am 20.11.2019 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch und schade!!

    Moment mal, wurde nicht gerade erst kürzlich ein Mann verurteilt weil er eine archäologische Stätte beschädigt hat? Wieso gelten die für den Kanton nicht die gleichen Regeln??

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  • Stef am 20.11.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    ne klar

    ma ja kein Geld aber nen neuen Verwaltungssitz reicht es mit unnötig teuren Inneneinrichtung und Einzelbüros. Wenn die sich die paar 100k nicht leisten können sollen sie sich auch der neue Komplex abschminken weil ja dann gewiss die Milionen auch ned vorhanden sind.

  • Manu Appenzeller am 20.11.2019 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar.....

    Das das nötige Kleingeld angesichts der überrissenen Strassenbauten sowie des überdimensionierten Verwaltungsapparates fehlt ist für den kleinen Steuerzahler natürlich selbstverständlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Respect History am 21.11.2019 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fremdschämen und unterirdisch

    Toll, weil man nicht weiss ob's was bringt (analog Suchtprävention, Musikkonzert, Jugendarbeit etc. ?), nimmt man das Geldargument. Ein Totschläger. Der Staat, also wir alle, muss anders funktionieren als eine Einzelnase. Er hat eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Gewählte politische Exponenten müssen das mitdenken. Unsäglich! - denn: weg ist weg, unwiederbringlich. Übrigens: Es ist gesetzeswidrig. Erwartet werden darf, dass beides geht: Bauen und Dokumentieren. Die Interessenabwägung bleibt bei dieser kleinkantonkarierten Hauruckpolitik auf der Strecke. Steinzeit.

  • Mike am 21.11.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Privat vs. Staat

    Wäre dies das Bauprojekt eines Privaten, würde der gesamte Platz archäologisch untersucht. Auf den Mehrkosten bleibt dann der Bauherr sitzen. Der Kanton kann aber als Bauherr selbst entscheiden, ob er eine Grabung zulässt oder nicht. Stinkt irgendwie!!!

  • Schweizerin am 21.11.2019 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für uns reicht es nicht mehr

    Unsere Gäste kosten halt immer mehr und da bleibt für andere Dinge nichts mehr übrig, obwohl bald die Gemeinden die Gäste betreuen müssen

  • Roland Triet am 21.11.2019 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Andere nötige Ausgrabungen

    Die alten mit Sicherheit sanierungsbedürftigen Mühldeponien würden so einiges an den Tag bringen. Dies wäre meines Erachtens von grösserer Wichtigkeit für unser Trinkwasser! Das Geld liegt bereit, da für die Renaturierungen vorgesehen, die Prioritäten sind dringend zu verschieben.

  • Roland Triet am 21.11.2019 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung notwendig!

    Hmm man weiss ja dass dort ein ehemaliger Friedhof ist, was will man denn dort noch mehr finden als menschliche Überreste?