Drogen-Tod

03. Juli 2014 15:43; Akt: 04.07.2014 12:03 Print

Kantonsgericht spricht Ärztin frei

Das Kantonsgericht St.Gallen hat eine 63-jährige Ärztin vom Vorwurf freigesprochen, die Methadon-Vergiftung ihrer Patientin nicht bemerkt und keine Nothilfe geleistet zu haben.

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Die freigesprochene Ärztin kümmerte sich intensiver um die Drogenabhängige als um ihre anderen Patienten (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler).

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Das Gericht veröffentlichte sein Urteil am Donnerstag. Als zweite Instanz stützte es die wichtigsten Entscheide des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland. Damit bleiben die Freisprüche in den Anklagepunkten der fahrlässigen Tötung und Unterlassung der Nothilfe bestehen.

Die drogenabhängige Patientin war am 1. Mai 2010 an einer Vergiftung mit Drogen und Medikamenten gestorben. Sie war zu diesem Zeitpunkt rund drei Jahre bei der Ärztin in Behandlung gewesen.

«Abtauchen» verhindern

Die Beschuldigte kümmerte sich laut eigener Aussage intensiver um die Drogenabhängige als um ihre anderen Patienten. Dazu geführt habe die Hoffnung, dass die Frau von den Drogen loskomme. Sie verwaltete das Geld ihrer Patientin und nahm sie zeitweise in ihrer Wohnung auf.

Gemäss den Schilderungen der Beschuldigten war die Patientin in Begleitung ihrer Mutter zu ihr in die Praxis gekommen. Sie sei sehr aufgeregt gewesen und habe nach St.Gallen fahren wollen, um Drogen zu kaufen. Weil die Frau nicht davon abzubringen gewesen sei, habe sie ihr 150 Franken gegeben, erklärte die Ärztin.

Dafür habe sie ihr das Versprechen abgenommen, dass sie nicht in der Stadt bleibe, sondern bei ihr in der Wohnung übernachten werde. Ziel war offenbar, zu verhindern, dass die Drogensüchtige abtaucht.

Als die Ärztin in der Nacht aufwachte, bemerkte sie, dass die Frau tatsächlich zurückgekehrt war. Sie fand sie auf einem Stuhl schlafend vor. Später entdeckte sie sie auf dem Boden des Badezimmers. Sie sei nur schwer zu wecken gewesen und habe über Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt, betonte die Beschuldigte.

Bevor sie die Wohnung verlassen habe, sei sie kurz zur Patientin gegangen. Diese habe ruhig geschlafen. Als der Freund der Drogenabhängigen später nach seiner Freundin sehen wollte, fand er sie leblos vor. Die Frau war verstorben.

Einsprachen von Anklage und Verteidigung

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland sprach die Ärztin im Juli 2013 von der Anklage der fahrlässigen Tötung und der Unterlassung der Nothilfe frei.

Es erklärte sie hingegen des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen für schuldig und verurteilte sie zu einer Busse. Die Frau hatte trotz entsprechender schriftlicher Aufforderung des Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen den Nachweis über die Absolvierung der nötigen Weiterbildung nicht fristgerecht erbracht. Die von den Privatklägern geforderten Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen wurden abgewiesen.

Gegen diesen Entscheid erklärten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Privatkläger Berufung. Sie verlangten, die Beschuldigte sei der fahrlässigen Tötung und der Unterlassung der Nothilfe schuldig zu sprechen. Die Verteidigung plädierte auf Abweisung der Berufung.

(eli)