Rheintal

13. Juni 2019 16:44; Akt: 13.06.2019 17:06 Print

Hochwasser-Touristen sorgen für Verkehrschaos

Gaffer als Hindernis: Nachdem der Rhein über das Ufer in die Rheinvorländer trat, kamen zahlreiche Schaulustige zu den Brücken und sorgten für Verkehrschaos.

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«Die alte Brücke in Diepoldsau umfährt man derzeit am besten», empfahl eine Userin am Mittwochabend auf Facebook. «Hat einen halben Stau und man kann die Brücke kaum passieren vor lauter Schaulustigen.» Grund dafür: Der Rhein war zuvor wegen Hochwasser auf beiden Seiten über die inneren Dämme getreten und in die Vorländer gelangt, also quasi auf drei Spuren Richtung Bodensee geflossen.

Das Hochwasserereignis zog zahlreiche Schaulustige an. Auf Drohnenbildern ist zu sehen, wie sie auf die Wassermassen gaffen. Auf den beiden Brücken in Diepoldsau SG sowie der Zollbrücke in Au SG kam es zu stockendem Kolonnenverkehr. Zum einen, weil bei der alten Brücke in Diepoldsau die Platzverhältnisse sehr eng sind und Fussgänger sowie Velofahrer Platz beanspruchten, zum anderen, weil Autofahrer langsam fuhren, um den hochgehenden Rhein anzuschauen. Auf der Zollbrücke in Au SG beobachtete ein Leser-Reporter, wie Beifahrer die Autos verliessen, um von der Brücke aus Bilder mit ihren Smartphones zu machen.


Video mit Material von Leser-Reportern

Auch Mitarbeiter des Rheinunternehmens, das für Unterhalt der Dämme und Hochwasserschutz am Rhein zuständig ist, beobachteten Mehrverkehr. So seien einige Autofahrer mehrmals langsam über Brücken gefahren. Dass bei Grossereignissen wie Hochwasser viele Personen zum Rhein kommen sei normal. «Wir müssen dann jeweils dafür sorgen, dass die Zufahrt zu unserem Werkhof frei bleibt und nicht zugeparkt wird», sagt Rheinbauleiter Daniel Dietsche. Unvergessen bleibe der Menschenauflauf, als sich im Sommer 2014 bei Chur eine 40 Tonnen schwere Bauplattform im Rhein löste und ungesichert den Rhein Richtung Bodensee trieb. Damals seien sogar Autos aus Konstanz am Rheinufer gesichtet worden.

Katastrophentouristen wie Gaffer

Gaffer auf Autobahnen, die zu stockendem Verkehr oder gar Stau führen, können bestraft werden. Doch wie sieht es bei Katastrophentouristen aus?

«Das geht in den selben Bereich», sagt Bertrand Hug, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Es sei gefährlich, wenn man sich ablenken lasse. «Es gilt klar: Augen auf den Verkehr, nicht auf ein Ereignis.» Wie hoch eine Busse ausfallen würde, kann Hug nicht sagen, da dafür keine Ordnungsbussen, sondern Verzeigungen bei der Staatsanwaltschaft vorgesehen sind. Am Mittwoch kam es zu keinen Verzeigungen. Man handle in solchen Fällen mit Augenmass.

Als Beifahrer auf der Brücke auszusteigen sei nicht verboten, da es sich um eine Hauptstrasse und nicht um eine Autobahn handle. Doch grundsätzlich gelte es zu überlegen, wie sinnvoll das sei und die Gefahren gut abzuschätzen.

Würste und Campingstühle

Nicht alle Kommentatoren auf Facebook stören sich ob den Schaulustigen. «Sollen die Leute doch schauen, das sieht man nicht alle Tage», schreibt eine Rheintalerin. Ein anderer meint, es wäre doch toll, wenn man einen Grill aufstellen würde, um Würste zu braten. Dann würde er selbst schauen gehen und gleich den Campingstuhl mitnehmen.


Drohnenvideo alte Rheinbrücke Diepolsau SG. Video: Leser-Reporter

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FASANO am 13.06.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Interessierte sind nicht immer Gaffer!!!

    Ich war selbst dort. Es waren weder Velofahrer noch Fussgänger, welche den Stau verursachten, sondern die Autofahrer selbst. Auch sie wollten das Hochwasser sehen und fuhren langsam oder hielten teils an, um ein Foto zu machen. Daher kam der Stau. Ich finde es nicht verwerflich, wenn der Mensch Hochwasser anschauen geht. Als Kinder gingen wir oft an den Untersee nach Steckborn, oder nach Stein am Rhein oder nach Schaffhausen oder in die Thurauen. Es war interessant und eindrücklich, wenn man sich statt auf den Strassen, auf Laufstegen bewegen musste. Kinder sollen sowas hautnah erleben dürfen

  • Blanca am 13.06.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Ich finde es schöne, wenn der Rhein viel Wasser hat.

    einklappen einklappen
  • roman am 13.06.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser

    Ist ja nicht so schlimm, hat ja nicht jeden Tag Hochwasser.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Däfu am 13.06.2019 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wortwahl

    Solange weder Personen noch Dinge vor Ort durch das Hochwasser zu Schaden gekommen sind, kann man meiner Meinung nach nicht von Katastrophentouristen und Gaffern sprechen. Der Rhein hat hier bis jetzt wegen der grossen Wassermengen nur der ihm zugedachte Raum überflutet.

  • sofern die Neugier sich im Rahmen hält.. am 13.06.2019 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    ..hinschauen und zügig weiterfahren

    Wenn Leute meinen, es sei zur Volksbelustigung und wollen grillen etc. finde ich das daneben - derweil die Sicherheitskräfte und Helfer mit den Fluten kämpfen.

  • Glii am 13.06.2019 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Das grössere Verkehrsaufkommen ist der Grenzschliessung in Kriessern geschuldet.

  • Neee am 13.06.2019 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lästig

    Auf der alten Rheinbrücke hat kein Fussgänger etwas zu suchen, es sei denn er muss sie wirklich überqueren. Wer die Überschwemmung von der Brücke aus ansehen will, ist mit der neuen Brücke bei Diepoldsau besser bedient, weil es dort auf beiden Richtungen Trottoire hat. Am Mittwoch ist mir eine Gafferin vors Auto gefallen, weil sie auf dem ganz schmalen Bord das Gleichgewicht verlor. Übrigens bin ich im Schritttempo gefahren. Dasselbe wie vor 3 Jahren.

  • v.baumgartner am 13.06.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rheintal Hochwasser

    Der Stau war nicht wegen Hochwasser. Zu Feierabendzeiten ist der Stau täglich Richtung Grenze. Da die Grenze Oberriet und Kriessern gesperrt ist das Chao nach Diepoldsau ohne Hochwasser.