«Carlos von Schmerikon»

31. Juli 2015 06:14; Akt: 31.07.2015 10:51 Print

Kesb verhindert Klumpfuss-Untersuchung

Der 15-jährige Marco ist seit über einem Jahr auf einem Schiff mit renitenten Jugendlichen. Eigentlich sollte er regelmässig seinen Klumpfuss vom Arzt kontrollieren lassen. Doch die Kesb verhindere das, klagt die Mutter.

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Der 15-jährige Marco H.* segelt seit über einem Jahr um die Welt. Aber nicht zum Spass. Der Jugendliche, der auch unter dem Pseudonym Carlos von Schmerikon bekannt ist, wurde von der Kinder und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) auf das Jugendschiff Salomon verbannt.

Die Mutter Annemarie H* hat ihren Sohn seit 14 Monaten nicht mehr gesehen. Das hat auch sein Arzt nicht. Doch das wäre laut der Mutter dringend nötig. Denn Marco hat einen Klumpfuss und benötigt Spezialschuhe, die regelmässig dem Wachstum angepasst werden müssen. Die zuständige Kesb Linth habe Marco den Arztbesuch vor einem Jahr untersagt, da die zuständige Beiständin den Besuch ablehnte, der für August 2014 vorgesehen war, wie die Obersee Nachrichten am Donnerstag schreiben.

Auf Granit gebissen

Begründung: Es liege kein medizinischer Notfall vor, die Mutter könne ja nach dem Aufenthalt auf dem Schiff mit ihrem Sohn zum Arzt gehen. Auch ein Schreiben des behandelnden Arztes und eine Intervention der Mutter beim Präsidenten der zuständnigen Kesb Linth nützte nichts.

Beim Leiter des Jugendschiffs biss die Mutter laut Obersee Nachrichten ebenfalls auf Granit. Es bestehe keine Dringlichkeit, da Marco nur selten über Schmerzen klage und wohl niemand gesundheitliche Folgeschäden wirklich einschätzen könne, beschied man der Mutter am Telefon. Auch erfuhr sie in diesem Telefonat, dass ihr Sohn barfuss oder in Flip-Flops rumlaufe. Das sei schädlich für Marco, ist die Mutter überzeugt.

CT-Bilder nach St. Gallen geschickt

Zu 20 Minuten sagte Mario Schmidli, Co-Geschäfsleiter der Stiftung Jugendschiffe Schweiz, , dass man die Gesundheit der Zöglinge ernst nähme. Es wurden schon mehrere CTs vom Fuss gemacht und dem behandelnden Arzt im St. Galler Kinderspital zugestellt. Auch laufe Marco nicht nur in Flipflops rum, sondern meistens mit an den Aktivitäten angepassten Schuhen.

Die Betreuer vom Jugendschiff hatten die Reise ins Kinderspital St. Gallen bereits geplant gehabt. Da aber die zuständige Behörde in Rapperswil-Jona den Antrag ablehnte, wurde die Reise nicht durchgeführt. Gesundheitlich gehe es Marco aber gut, betont Schmidli.

Schmerzen nach Fussballspiel

Die Mutter ist sich da nicht so sicher. Ihr Sohn klage beim wöchentlichen Telefonat oft, dass ihn sein Fuss schmerze. Marco sei bereits als viermonatiges Baby operiert worden und habe bis heute nur minmale Beinfreiheit. Wenn er während einem Landgang Fussball spielt, habe er danach Schmerzen.

Für die Mutter ist klar: Marco sollte baldmöglichst von seinem Arzt im St. Galler Kinderspital untersucht werden. «Es reicht nicht, wenn der Arzt nur Röntgenaufnahmen sieht. Dieser muss den Fuss fühlen, da auf den Bilder nicht alles sichtbar ist.» Das bestätigt auch der behandelnde Arzt: Eine periodische Kontrolle von Klumpfussdeformitäten im Wachstum sei wichtig, so der Kinderorthopäde von St. Galler Kinderspital. Eine mögliche langsame und zunehmende Deformität könne am besten in der Klinik beurteilt werden, in der es schon Vorbefunde gibt und am objektivsten gehe das mit einer Bewegungsanalyse, weshalb der Arzt einen Untersuch vor Ort empfiehlt.

Schwarzen Peter rumgereicht

Walter Grob, Präsident der Kesb Linth, hält dagegen. Der Beistand habe mit dem Spital abgemacht, dass die Kontrolle nach Marcos Rückkehr in die Schweiz durchgeführt werde, da keine Dringlichkeit bestehe.

Für Annemarie H. ist das Ganze ein Schwarzpeterspiel. «Jeder schiebt die Verantwortung auf den anderen ab. Der Leidtragende ist Marco.» Und sie als Mutter leide, weil sie nichts dagegen unternehmen könne.

* Namen geändert

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wohne zuhause am 31.07.2015 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch 

    Meine ich nur oder hat die KESB gar keinen guten Ruf?

  • Dani am 31.07.2015 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kesb ist für nichts

    Es wundert mich überhaupt nicht das die Kesb schon wieder in den Medien ist. Mein Bruder hat mit dieser Behörde zu tun. Die sind für nichts! Da sollte mal interveniert werden.

  • Bg am 31.07.2015 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Unglaublich, später hat er noch mehr probleme wegen mangelnder untersuchungen. Dann heissts, tschuldigung. Nur was nützt diesem jungen dann dies?!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf am 31.07.2015 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nochmals....

    ich bin definitiv kein Fan von der Kesb. Aber bevor wir wieder voreilig urteilen, sollten wir sämtliche Fakten haben. Und dies ist mit diesem Artikel nicht möglich. Was mir aber viel mehr zu denken gibt ist, wie viele Eltern nicht in der Lage sind ihre Kinder so zu erziehen, dass sie einigermassen in die richtige Bahn kommen....Vielleicht sollte man anstatt für Hündeler oder Zierfischhalter auch mal eine Prüfung für werdene Eltern einführen...

  • Martin am 31.07.2015 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder etwa nicht?

    Viele Kommentare bemängeln die Fähigkeiten einer KESB aus dem Büro, dem ÖV oder sonst woher, also auch aus Distanz und die nötigen Sachkenntnisse. Für die einen kann es nicht teuer genug sein und für die anderen darf es nichts kosten. Bei letzteren sind zudem immer die Eltern Schuld, wer den sonst. Das Thema Kinder wegnehmen hatten wir doch schon und die damit verbundenen Entschädigungszahlungen. Ich kann das alles nur feststellen, habe aber keine Vorschläge wie man es besser machen könnte. Dafür etwas Aufwand zu betreiben, wäre doch Sache der richtigen Behörden oder Fachstellen.

  • PascalK2015 am 31.07.2015 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da fehlen ein die Wort 

    Da sieht man wieder was so ein Behördenunfug ist. Aber keiner, wirklich keiner ist sich seiner Schuld bewusst. Das dieses Konzept nicht aufgeht sollte mittlerweile bei jedem angekommen sein. Aber dazu zu stehen dass diese Behörde angepasst werden muss, ja liebe Leute, dann wären wir auf dem ruchtigen Weg. Dafür bräuchte man halt Mut und das Eingestäntniss das es falsch war

  • Ruth am 31.07.2015 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschaffen

    Wann wird die KESB endlich abgeschafft?Sie ist nicht professionell und fügt den Menschen nur Leid zu.

    • Peter Berger am 31.07.2015 10:07 Report Diesen Beitrag melden

      Abschaffen

      Ich denke es wird nie so heiss gegessen, wie gekocht. Zudem hat der Bursche Mühe sich im Umfeld zu integrieren, so wird die heutige KESB als Täter projiziert. Wäre der Jüngling kooperativ gewesen, wäre er nicht auf dem Schiff. Die Betreuung dort ist gut, aber konsequent. Das mit dem Fuss ist unterschwellig, d.h. Auch ein anderer AZ kann Ihn untersuchen (Betreuen) Spätfolge ist der junge Mensch lernt Verantwortung für sich und andere übernehmen.

    • L.S. am 31.07.2015 10:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ja es braucht die KESB Leider

      Aber fragen Sie sich doch mal warum es überhaupt eine KESB geben muss. Weil viele Eltern unfähig sind auf Ihre Kinder zu sehen. Verwahrlosung, Säufer, überforderte usw,

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  • Pilot am 31.07.2015 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helikopter-Mutter? 

    Wenn ich mit einer solchen Fehlstellung Fussball spielen kann, ist's a) also nicht so schlimm und b) aber nicht verwunderlich, dass es danach schmerzt.

    • DaDude am 31.07.2015 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      sehe ich auch so

      was mich mehr interessiert: wieviele Eltern bezahlen für ihr Kind diese Segelausflüge? Andersherum: schaut die KESB das die Eltern der Matrosen von der Sozialhilfe leben damit das Geld auch auf sicher überwiesen wird?

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