Ostschweiz

03. Juli 2014 06:00; Akt: 03.07.2014 10:22 Print

Kirchgänger im Visier von Bettlerbanden

Die einen fahren mit dem Mercedes vor, andere stehen vom Rollstuhl auf, wenn sie sich unbeobachtet fühlen: Dreiste Bettler haben es auf Kirchgänger abgesehen.

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Bettler passen oft Kirchgänger ab. (Symbolbild Keystone/ Salvatore di Nolfi)

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«Im Juni hatten wir 15 Meldungen wegen Bettlern im Kanton», so Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der St. Galler Kapo. Die Meldungen verteilen sich über den ganzen Kanton. Darunter sind auch solche von bereits polizeibekannten Personen. Hinter den Bettlern auf öffentlichen Plätzen stehen laut Rezzoli vielfach organisierte Banden aus Osteuropa. «Die Bettler werden mit schicken Autos punktuell an einen Ort gebracht und am Abend wieder eingesammelt. Das Geld müssen sie abgeben», so Rezzoli.

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Auch im Kanton Thurgau sind derzeit angeblich Bedürftige unterwegs. Diese versuchen mit abenteuerlichen Geschichten, Mitleid zu erwecken und dadurch an Geld zu kommen, wie die Kantonspolizei Thurgau bestätigt.

Vor Kirche an Barmherzigkeit appellieren

Besonders beliebt sind Plätze vor Kirchen. «Eine Zeit lang war es fast wie eine Seuche», so Erich Guntli, Pfarrer der Seelsorgeeinheit Werdenberg gegenüber dem «Werdenberger & Obertoggenburger». Heute kämen pro Tag immer noch vier bis sechs Bettelnde. Dabei seien die Zeiten, an denen die Bettler vor der Kirche stehen, nicht zufällig gewählt, sondern an die Termine der Gottesdienste angepasst. Das bestätigt auch Kurt Schawalder, Pfarreibeauftragter der Pfarrei St. Martin/Bruggen in St. Gallen. «Einmal kam sogar einer nach dem Gottesdienst in die Sakristei und wollte Geld», so Schawalder. Dabei wird vor allem an die Barmherzigkeit der Kirchgänger appelliert. Einmal sagte einer zu Guntli, dass er von seinem Boss verprügelt werde, wenn er bis zum Abend nicht eine gewisse Summe Geld abliefere.

In Sevelen habe sich die Situation etwas gebessert, wie Anita Gemperli vom Sekretariat der Evangelischen Kirchgemeinde sagt. Sie habe aber auch schon einen «gelähmten» Bettler einkaufen sehen, der dann plötzlich aufstand und mit dem Rollstuhl an der Hand davonlief.

Mit Mercedes davongefahren

Osteuropäische Bettelbanden sind derzeit auch im Fürstentum Liechtenstein aktiv. Wie das «Liechtensteiner Vaterland» schreibt, werden die angeblich Bedürftigen dabei immer dreister.

Urs Vogt, Mesmer der Pfarrkirche Balzers, erzählt: «Einmal kam ein Bettler eine halbe Stunde vor Messbeginn mit einer Sporttasche zur Kirche. Er ging in die Toilette, tauschte seine normale Kleidung gegen ein paar Lumpen und setzte sich vor die Kirchentür zum Betteln. Danach zog er sich wieder um und fuhr mit dem Bus davon.» Ein anderes Mal sei eine Familie vor der Kirche gesessen und habe die Gläubigen belästigt. Vogt: «Nach der Messe stiegen sie in den vor dem Pfarrhaus parkierten Mercedes ein und fuhren davon.»

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adriano Maffioretti am 03.07.2014 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Polizei melden

    Im Tessin hat die Kantonspolizei die Bevölkerung aufgeordert alle Bettler, vor allem mit Kindern, sofort zu melden.

  • C. Putzer am 03.07.2014 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist

    halt der Preis für Personenfreizügigkeit und Schengen.

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  • Karl Albin am 03.07.2014 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schengen

    Schengener Abkommen. So was tolles aber auch!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Uriah Heep am 03.07.2014 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    So geht's auch

    Mich hat kürzlich eine Bettlerin mit Akzent um Fr. 5.00 erleichtern wollen. Auf meine Frage wofür, meinte sie, sie hätte schon lange nichts mehr gegessen, worauf ich entgegnete, dann gehen wir doch zum nahen Bahnhofkiosk, dort wählst du ein Sandwich deiner Wahl aus und ich bezahle! Da ich nicht von meiner Version abwich, war der Hunger pllötzlich nicht mehr aktuell und sie schlich unverrichteter Dinge ab.

  • Pegie am 03.07.2014 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Parkplatz

    Beliebt sind auch Parkplätze an den Raststätten. Meistens die selbe Leier: Er müsse nach Italien und habe kein Benzin mehr. Ob man 20 Fr. hätte. Witzigerweise fur der Bettler bei der Suche nach Gutgläubigen MIT DEM AUTO herum und lehnte sich immer Fragend aus dem Auto(soviel zu "Kein Benzin". Achja, selbst zu tanken und an der Tankstelle seine Personalien anzugeben (Ausweiskopie etc.) wollte er auch nicht.

  • Zürcher am 03.07.2014 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bettler

    Lieber 20 Bettler als diese kack WWF Stände usw. die dich ne halbe Stunde vollquatschen und auch nur eines wollen: Geld...

  • Samara Morgaine am 03.07.2014 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Bettler

    Manche, die in den grösseren Städten betteln, verdienen im Monat mehr, als andere, die arbeiten. In Schaffhausen, wo ich wohne, drückte mir auch mal ein Roma einen Zettel in die Hand, in perfektem deutsch geschrieben, auf dem seine angebliche Situation geschildert war (das Zettelchen war eine Kopie). Ich habe den Zettel gelesen und in Hosentasche gesteckt. Dafür wurde ich von dem Mann beschimpft, weil ich ihm nichts gegeben habe. Das Geld, das diese Leute erbetteln müssen, wird ihnen oftmals abgenommen. Dafür bauen sich dann Clan-Chefs millionenteure Villen.

  • Markus K. am 03.07.2014 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Posten

    Foto machen von der Person und Posten... ganz einfach .. wer beim Betteln bescheisst, hat auch kein Anrecht auf Datenschutz :-)