St. Gallen

12. April 2019 12:09; Akt: 12.04.2019 12:09 Print

Plan darf nur 20 Sekunden lang angeschaut werden

Der St. Galler Stiftsbezirk gehört zu den monumentalen Klosterbauten des Barocks. Nun wird der berühmte Klosterplan erstmals öffentlich präsentiert.

Hier sieht man den berühmten Klosterplan. (Video: SDA)
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Der berühmte St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert wird erstmals im Original der Öffentlichkeit gezeigt. Das Exponat erhält einen eigenen Ausstellungsraum am Klosterhof unweit der Stiftsbibliothek.

Bundesrat Alain Berset eröffnet am Freitag die neue Dauerausstellung «Das Wunder der Überlieferung – Der St. Galler Klosterplan und Europa im frühen Mittelalter» in St. Gallen. Am Samstag lädt der Stiftsbezirk zu einem «Tag der offenen Türen» ein.

Nur im abgedunkelten Raum zu sehen

Das 112 auf 77,5 Zentimeter grosse Pergament mit der frühesten Darstellung eines Klosterbezirks aus dem Mittelalter kann nach einer einführenden Multimediaschau in einem abgedunkelten Raum im Original betrachtet werden, aber jeweils nur für 20 Sekunden, denn das Dokument darf nicht zu stark dem Licht ausgesetzt werden.

Hier sieht man eine Kopie des St. Galler Klosterplans.

Der gut erhaltene Plan gibt einen Einblick in nahezu alle Bereiche des klösterlichen Lebens, in die Planung von Bauwerken und die Architektur vor 1200 Jahren. Bisher bekam das Publikum in der Stiftsbibliothek nur ein Faksimile zu Gesicht. Die neue Ausstellung umfasst neben dem Original-Klosterplan weitere Schätze des Stiftsarchivs.


Bibliothek von Weltrang

Der St. Galler Stiftsbezirk gehört zu den monumentalen Klosterbauten des Barocks. Herzstück bildet die Stiftsbibliothek, die als eine der ältesten und schönsten Bibliotheken der Welt gilt und jährlich von rund 130'000 Personen besucht wird. Der Bestand umfasst 170'000 Bücher und 2000 Originalhandschriften aus dem Mittelalter.

An keinem anderen Ort Europas sind frühmittelalterliche Handschriften und Urkunden in vergleichbarer Dichte erhalten. Daher gehört der Stiftsbezirk seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. In den vergangenen Jahren wurde der Stiftsbezirk mit seinen Ausstellungen neu ausgerichtet.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave74 am 12.04.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Verflucht

    Und ich dachte schon, dass einen sonst ein alter Fluch trifft - schade.

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  • Shynaya am 12.04.2019 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selfie

    Cool, 20s reicht easy für ein Selfie!

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  • Conny F. am 12.04.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Original contra Kopie

    Liebe Leute, es ist doch etwas so faszinierendes und ergreifendes vor einem Original stehen zu dürfen mit dem Bewusstsein, an diesem Plan haben grosse, kluge Köpfe gearbeitet und all ihr Wissen, das sie zu jener Zeit hatten, einfliessen lassen. Wenn ihr in Ägypten seid, wollt ihr sicher die Originalpyramiden bestaunen und nicht unbedingt eine Kopie in einer Art Disneyland....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tomiko am 13.04.2019 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ungesundes und zerstörisches Denken.

    Ich finde es nicht gerade gesund, überhaupt es anschauen zu lassen. Gegensätzlichkeit auch auf der Seite der Besucher, wenn jemand Wert daranlegt, so etwas geborgen und geschützt zu lassen, also Freude am Erhalt solcher Sachen hat und dennoch 20 Sekunden weitere Destruktion in Kauf nimmt. Es geht hier nicht um ein Gebäude, einer Stadt oder so etwas ähnliches sonder lediglich um einem sehr wertvollen Plan das als Kopie nicht anders aussieht.

  • Peter Undsilie am 12.04.2019 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Plan zeigt ein klösterliches Ideal

    Der gut erhaltene Plan gibt einen Einblick in die idealisierte Architektur der Klöster. Der Plan ist keine reale Abbildung sondern Fiktion und zeigt zudem, wie vernetzt die Klöster der damaligen Zeit waren. In der Stiftsbibliothek St. Gallen sind zudem nur rund 10% aller Werke erhalten. Und sie war bei weitem nicht die größte Bibliothek.

  • M.G. am 12.04.2019 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Thinktanks und Brain-trusts

    Das waren die Klöster des frühen und hohen Mittelalters. Klöster mussten sich damals völlig autark versorgen, deshalb enthält der St. Galler-Klosterplan alles an Funktionsgebäuden was eine Gemeinschaft zum Leben und Wirtschaften braucht. Somit ist dieser Plan auch eine Art Blaupause für Dörfer und Kleinstädte. Die wichtigsten Bücher der Stiftsbibliothek wiederum sind aus dem Nachlass von Aegidius Tschudi, darunter das Nibelungenlied und der Parzival.

  • b. v. am 12.04.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    campus gallii

    der st. galler klosterplan wird doch etwas weiter nördlich bei den allemannen nachgebaut, so, wie damals gebaut wurde. absolut ein ausflug wert! abtauchen ins leben im mittelalter

  • Typhoeus am 12.04.2019 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Papier ist dem Untergang

    geweiht. Demgenüber ist nur der Stein beständig. Der einige 100 Millionen Jahre alte Rosetta Stein enthält die wichtigsten Inschriften der Welt aus der Jahre 196 v.Chr: Hieroglyphen, Demotisch, Altgriechisch, also Jahrhunderte vor der ersten Schrift, die sich das alte Testament nennen könnte.

    • tyfus mary am 12.04.2019 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Typhoeus

      deshalb wird es gelagert, bis es sich versteinert

    • Rafi am 12.04.2019 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Typhoeus

      Der Klosterplan wurde auf Pergament gezeichnet, nicht auf Papier.

    • Typhoeus am 12.04.2019 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rafi

      Am Licht und in Sauerstoffatmosphäre zerfällt leider auch Pergament.

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