Das System Reinhardt

17. Mai 2010 08:34; Akt: 17.05.2010 09:48 Print

Koks, Schutz und Beförderungen nach Mass

Nach dem Suizid des Polizeikommandanten Reinhardt hiess es, die Kapo Graubünden habe einwandfrei funktioniert. Neuste Enthüllungen zeichnen ein ganz anderes Bild.

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Polizeikommandant Markus Reinhardt deckte einen koksenden Polizisten (Bild: Keystone/Arno Balzarini)

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«Er wollte alles perfekt machen. Er war Perfektionist, diszipliniert und hatte sich durch dies vermutlich auch unter Druck gesetzt.» Mit diesen Worten wurde der Bündner Polizeikommandant Markus Reinhardt im Untersuchungsbericht der Geschäftsprüfungskommission des Bündner Grossen Rates charakterisiert. Der alkoholkranke Reinhardt nahm sich am 26. Januar in seinem Hotelzimmer in Davos das Leben.

«Unter Druck gesetzt»: Ein Bericht des «Tages-Anzeigers» legt nahe, dass der 61-Jährige sich nicht nur selbst unter Druck setzte, sondern durch seine Alkoholsucht auch erpressbar war. So erklärt sich, dass Reinhardt den koksenden Polizisten Z. nicht nur gewähren liess, sondern ihn auch noch beförderte: zum WEF-Logistikchef und zum Vize des Bereitschaftsdienstes. Z. wusste über die Alkoholsucht Reinhardts Bescheid und deckte ihn, wenn er mit dem Dienstwagen einen Unfall gebaut hatte: Er arbeitete im Material- und Transportdienst und liess Reinhardts Wagen ohne Rückfragen reparieren – entgegen der Weisungen.

Im Polizeikorps wusste man von Z.s Kokainkonsum, es wurde gegen ihn ermittelt. Doch er blieb unangetastet. Geschützt vom Polizeikommandanten Reinhardt. Weniger als zwei Monate nach Reinhardts Tod wurde Z. entlassen. Laut «Tages-Anzeiger» mit der offiziellen Begründung, er habe die Arbeitszeit nicht korrekt erfasst.

Befördert und überfordert

Z. war anscheinend kein Einzelfall. Auch Polizist X. war ein Günstling Reinhardts: Er hatte Verbindungen in die Churer Hotellerieszene, die Reinhardt benötigte, um seine Gäste - Polizisten und Militärangehörige - angemessen zu beherbergen. Flugs wurde X. zum Chef der Abteilung Operationen befördert. Dort war er überfordert, seine Untergebenen wirkten auf seine Absetzung hin. X. liess sich krankschreiben und bezog fast zwei Jahre lang weiter seinen Lohn.

Ein weiterer Ex-Polizist berichtet von einem «Günstlingssystem» unter Reinhardt: Wer von seiner Sucht wusste oder ihm anderweitig nahestand, profitierte. Wer den Behörden von seinen Suchtproblemen erzählen wollte, wurde geschnitten. Die Bündner Regierung wollte sich gegenüber dem «Tages-Anzeiger» nicht zu den Vorkommnissen um Markus Reinhardt äussern.

(mlu)