Thurgau

31. Juli 2017 20:05; Akt: 31.07.2017 20:05 Print

Kostet der Waldbesuch künftig Eintritt?

Wegen tiefer Holzpreise müssen sich Waldbesitzer über alternative Einnahmequellen Gedanken machen. Ein Ansatz sind Eintrittsgebühren für den Waldbesuch.

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Ein Postauto fährt über die Passstrasse am Ofenpass durch den Schweizerischen Nationalpark. Dieser ist gratis zugänglich. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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«Es ist nicht auszuschliessen, dass dereinst beispielsweise Orientierungsläufer, Pilzsammler oder die Waldspielgruppe eine Gebühr für den Aufenthalt im Wald entrichten müssen» schreibt die «Thurgauer Zeitung» am Montag.

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Die Einnahmen seien nötig, damit der Wald in Schuss gehalten werden könne, die Erträge aus der Holzwirtschaft würden die Kosten der Bewirtschaftung kaum mehr zu decken vermögen, zahlreiche Forstbetrieb schrieben Verluste. Damit sich das ändert, suchen die Thurgauer Waldeigentümmer nach Lösungen und denken dabei leise über Gebühren nach. Konkrete Pläne gibt es noch nicht, eine Arbeitsgruppe macht eine Auslegeordnung. Dabei werde geprüft, ob Sportler und Erholungssuchende neue Einnahmequellen sein könnten.

Bevölkerung soll Waldeslust nicht verdorben werden

Im Kanton St. Gallen kennt man die Probleme. «Auch bei uns stecken Waldbesitzer teilweise tief in den roten Zahlen», sagt Heinz Engler, Geschäftsführer von Waldwirtschaft St. Gallen und Liechtenstein. Man habe auch schon über Gebührenmodelle gesprochen, diese aber immer wieder verworfen. «Erstens ist die Erhebung zu kompliziert, zweitens wollen wir den Leuten nicht den Waldbesuch verderben. Die Bevölkerung hat Freude an den Wäldern und das soll so bleiben.»

Der Kanton Solothurn kennt den sogenannten Waldfünfliber. Pro Einwohner und Jahr werden fünf Franken zu Gunsten des Waldes eingezogen. Auch das sei für St. Gallen wohl kein Thema. «In Solothurn gehören grosse Teile des Waldes der öffentlichen Hand. Bei uns sind 40 Prozent Kleinprivatwälder», sagt Engler. «Zudem stellt sich bei solchen Einnahmen im Anschluss die Frage, wer wie viel Geld bekommt.»

Leistung der Wälder zu wenig abgegolten

Auch August Ammann, Kantonsoberförster im Kanton St. Gallen kennt das Problem der fehlenden Inwertsetzung der Waldleistungen. «Wälder sorgen zum Beispiel für sauberes Wasser, Binden CO2 und sind Orte der Erholung. Von diesen Leistungen profitieren alle, doch die Kosten für die Instandhaltung des Waldes trägt allein der Waldbesitzer.»

Doch Gebühren für die Waldnutzung zu erheben, ist für den Kanton kein Thema. Das Thema der Inwertsetzung von Waldleistungen wird immer wieder andiskutiert. Jedoch besteht aktuell kein diesbezüglicher Vorstoss.

Vergezogene Gebühr für Biker

Anders im Kanton Luzern. Dort wurde im Frühling darüber nachgedacht, eine Art vorgezogener Waldnutzungsgebühr beim Kauf von Mounainbikes zu erheben, ähnlich wie man das von Elektrogeräten her kennt.

Auch im Kanton Aargau tut sich etwas: Dort wurde eine Initiative eingereicht, die verlangt, dass die Kantonsbeiträge an den Wald von fünf auf jährlich 16 Millionen Franken erhöht werden.

Übrigens: Das Bundesamt für Umwelt (Buwal) berechnete, dass die theoretischen Kosten für einen Waldbesuchs pro Person neun Franken betragen würden.


(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steuerknecht am 31.07.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Wird immer wie besser. Auf der einten Seite werfen sie das Geld zum Fenster hinaus um es beim Bürger wieder durch neue Steuern aus dem Geldbeutel zu ziehen. Es reicht schon lange!

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  • DNA am 31.07.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben doch genug Geld.

    Spannend das man für den Wald kein Geld mehr zu haben scheint. Ich denke im Topf der Entwicklungshilfe hat es genügend Geld, dass kann man umlagern. Damit helfen wir unserem Wald und das Geld wird endlich mal sinnvoll und nachhaltig eingesetzt. Heute ist es meist nur Geldverschwendung und das muss aufhören. Swiss First, oder so.

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  • Mike am 31.07.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bezahlen um Natur zu geniessen

    So langsam artet es hier in der Schweiz aus. Es wird Zeit auszuwandern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Akryser am 05.08.2017 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Forstwirtschaft

    Obwohl ich selber im forst arbeite und von den niedrigen holzpreisen betroffen bin, denke ich dass es nicht nötig ist einen eintrit zu verlangen. Auch die "grossen, teuren" maschinen sind im endefekkt effizienter und kostengünstiger als die forstwarte, hinterlässt aber auch grössere schäden am wald. Das hauptproblem dass ich beim forst sehe sind die "veralteten" Förster die noch auf alte schule machen und jedem noch so kleinen umgestürzten bäumchen mit einer forstmaschine und 2 mann hinterher rennen. Aber es ist nicht nur das problem, dass die förster nicht rationell planen können.

  • zoll und steuern am 05.08.2017 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    steuern wie im alten mittelalter

    Strassenzoll- brückenzoll ect. alles wie im alten mittelalter

  • Peter H. am 05.08.2017 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Von den Strassen in den Wald

    Wenn ich mir die Gelder ansehe, welche für den Strassebau zum Fenster hinaus fliegen, könnte da locket ein paar Franken abgezweigt werden. Aber Forstbetriebe haben eben keine Lobby...

  • Baumstamm am 01.08.2017 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Höhenfeuer mit Waldholz

    Aber für das grösste 1.August-Höhenfeuer 50 Tonnen Waldholz verbrennen. Ist denn das sinnvoll?

  • Helvetier am 01.08.2017 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kann ich auch

    Cool, sollte einer in Zukunft meinen Hof betreten, werde ich 20Fr. verlangen.