Kantonsgericht St. Gallen

08. Januar 2016 05:25; Akt: 08.01.2016 10:29 Print

Kühe frassen aus Garten – Mann zückte Revolver

Weil die Kühe des Nachbarn von seinen Pflanzen frassen, ging ein Frührentner mit der geladenen Waffe auf sie los. Nun muss er vor Gericht.

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Der Beschuldigte soll mit einer Waffe auf die Kühe des Nachbarns gezielt haben. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Regina Kuehne)

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Das Kantonsgericht St. Gallen muss sich am Freitag mit einem skurrilen Nachbarschaftsstreit beschäftigen. Einem heute 59-jährigen Frührentner wird vorgeworfen, auf einer öffentlichen Strasse mit einem Revolver auf die Kühe seines Nachbarn gezielt zu haben. Grund: Die Kühe hätten sich regelmässig an seinen Pflanzen zu schaffen gemacht.

Vor dem Kreisgericht Toggenburg wurde der 59-Jährige deshalb im Januar 2015 wegen Drohung und Verstoss gegen das Waffengesetz zu einer bedingt aufgeschobenen Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 350 Franken verurteilt. Der Revolver samt Munition wurde vernichtet. Der Frührentner gab sich damit allerdings nicht zufrieden, weshalb es am Freitag zur Verhandlung vor dem Kantonsgericht St. Gallen kommt. Darin verlangt er einen vollumfänglichen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Abweisung der Berufung.

«Habe den Mut, zu schiessen»

Zur Drohung war es laut Anklageschrift am 17. Juni 2014 gekommen. Ein Lütisburger Landwirt war um die Mittagszeit gerade dabei, seine Kühe von der Weide über die Strasse Richtung Hof zu führen – sehr zum Missfallen seines Nachbars: Völlig in Rage und mit einem Revolver bewaffnet kam er auf die Strasse. Dort fuchtelte mit seiner Waffe herum, schwenkte sie über den Kopf des Landwirtes und zielte auf dessen Kühe.

Als sich der Bauer und sein Nachbar gegenüberstanden, hielt der Nachbar die Waffe gegen den Boden. Dabei klappte die Trommel auf und der Landwirt konnte sehen, dass sich Patronen darin befanden. Laut Anklageschrift soll der Nachbar zudem zum Landwirt gesagt haben, er habe «durchaus den Mut, auf die Kühe zu schiessen». Er solle bloss aufpassen, dass die Kühe weder seine Pflanzen beschnuppern noch fressen.

«Muss denn erst ein Unglück passieren?»

Der Landwirt bekam es mit der Angst zu tun. Durch Hin- und Herrennen versuchte er, seine Tiere möglichst schnell an der Liegenschaft des Nachbarn vorbeizuführen und brachte sie in den Stall. Bei der Einvernahme gab der Landwirt an, er sei richtig erschrocken und im Nachhinein nervös gewesen. «Der Vorfall hat ein ungutes Gefühl hinterlassen, vor allem da ich immer wieder am Nachbarhaus vorbeigehen muss», so der Landwirt.

Die Polizei fand bei der Hausdurchsuchung einen Tag später mehrere Waffen, darunter den Revolver, weitere waffenähnliche Gegenstände und eine Schachtel Munition. Dennoch bestreitet der Frührentner, beim Aufeinandertreffen eine Waffe getragen zu haben. Er habe dem Landwirt bloss gesagt, gerade als eine Kuh seinen Lavendel frass, dass es ihm nicht passe, dass die Kühe machten, was sie wollen und der Landwirt nichts dagegen unternehme. An den genauen Wortlaut könne er sich nicht erinnern. In etwa habe er wohl gesagt: «Gopferdelli, muss zuerst ein Unglück passieren, dass du Ordnung mit deinen Kühen hast.» Er gebe zu, dass er den Nachbarn wohl erschreckt habe, aber es störe ihn halt sehr, dass die Kühe seine Pflanzen frässen. Laut dem Frührentner hat der Landwirt das mit der Waffe erfunden, um ihm eins auszuwischen.

Für das Kreisgericht Toggenburg bestehen allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass der Landwirt seinen Nachbarn in die Pfanne hauen wollte. Beide sagen nämlich aus, dass das Verhältnis sonst gut gewesen sei. Hätte der Landwirt ihm an den Karren fahren wollen, hätte er auch sagen können, dass er nicht nur auf die Kühe zielte, sondern die Waffe auch auf ihn richtete, heisst es in der Urteilsbegründung.

(taw)