Thusis GR

14. November 2018 10:45; Akt: 16.11.2018 18:18 Print

Landi-Brandstifter muss nicht ins Gefängnis

Der Lehrling, der im letzten Dezember die Landi-Filiale im bündnerischen Thusis in Brand gesteckt hat, muss nicht ins Gefängnis – dafür in Therapie.

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Beim Grossbrand der Landi-Filiale in Thusis am 14. Dezember 2017 erlitten zwei Personen eine leichte Rauchvergiftung. Der entstandene Sachschaden belief sich auf 6,4 Millionen Franken.


150 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand. (Video: Leser-Reporter)

Der geständige Jugendliche, der in der Landi eine Lehre als Detailhandelsfachmann absolvierte, habe für seine Tat kein Motiv nennen können, wie das Regionalgericht Albula in Tiefencastel am Mittwoch mitteilte. Es verurteilte den inzwischen 17-Jährigen wegen Brandstiftung sowie mehrfacher einfacher Körperverletzung mit einem bedingten Freiheitsentzug von zehn Monaten. Zudem wurde die Unterbringung in einer offenen Jugendeinrichtung sowie eine ambulante psychotherapeutische Behandlung angeordnet.

Verminderte Schuldfähigkeit

Der Lehrling hatte in seinem Lehrbetrieb brennbare Flüssigkeit auf den Boden geschüttet und anschliessend mit einem Feuerzeug angezündet. «Er selbst blieb reaktionslos davor stehen, in etwa anderthalb Metern Abstand», zitiert die «Südostschweiz» aus der Anklageschrift. Zuvor sollte er Preisschilder für Plastik-Christbäume drucken, was nicht klappte. Das Verkaufsgeschäft, ein Lagerschuppen sowie der Tankstellen-Shop brannten vollständig nieder.

Das Jugendgericht ging bei der Beurteilung von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit des Jugendlichen aus. Es blieb in seinem Urteil unter dem Antrag der Jugendstaatsanwaltschaft, die einen Freiheitsentzug von einem Jahr verlangt hatte.

Jährliche Überprüfung

Der Jugendliche, der zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alt war und dessen Tat nach Massgabe des schweizerischen Jugendstrafrechts beurteilt wurde, stand unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Gericht. Gerichtsangaben zufolge stellt das Jugendstrafrecht den Schutz und die Erziehung von Jugendlichen in den Vordergrund. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die vom Gericht beschlossene Unterbringung des Brandstifters in einer offenen Jugendeinrichtung ist zeitlich nicht genau festgelegt. Die Massnahme wird jedes Jahr überprüft und dauert längstens bis zum 25. Altersjahr des Verurteilten, wie vom Gerichtspräsidenten zu erfahren war.

(taw/sda)