St. Margrethen SG

09. Oktober 2019 04:52; Akt: 09.10.2019 04:52 Print

Lenker hält trotz Pistole vor Gesicht nicht an

Ein Mann verhielt sich auf einer Raststätte äusserst speziell. Er begoss einen Fremden mit Wasser, schloss sich darauf im Auto ein und fuhr dann der Polizei davon. Nun muss er vor Gericht.

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Der Beschuldigte, ein heute 42-jähriger Mann, überraschte Ende November 2018 bei der Raststätte Ruderbach Nord in St. Margrethen SG einen fremden Mann. Der Fremde stieg aus seinem Auto, als er laut Anklageschrift unvermittelt vom Beschuldigten mit Wasser übergossen wurde. Danach ging der Beschuldigte zurück zu seinem Auto. Dort war er auch noch, als die Polizei eintraf.

Dramatische Szenen

Von den ausgerückten Polizisten liess sich der Beschuldigte offenbar nicht aus der Ruhe bringen. Erst reagierte er gar nicht auf sie und als er merkte, dass Polizisten an seine Scheibe klopfen, drehte er laut der Staatsanwaltschaft die Musik lauter. Als einer der beiden Polizisten die verschlossene Autotür öffnen wollte, startete der Mann den Motor und drückte aufs Gaspedal, heisst es weiter.

Bis zu der Ausfahrt Rheineck einige Kilometer weiter konnte der Mann trotz Verfolgung und Signalen nicht gestoppt werden. Bei der Ausfahrt riskierte ein Polizist sein Leben, um den Mann zu fassen.

Der Beamte stand mitten auf der Fahrbahn. Seine Waffe auf das heranfahrende Auto des Beschuldigten gerichtet. Dieser bremste kurz ab, beschleunigte aber doch wieder. Laut Anklageschrift rettete sich der Polizist mit einem grossen Schritt nach links. «Zwischen ihm und dem Fahrzeug blieb nur ein Abstand von wenigen Zentimetern», so die Anklage. Schlussendlich machte der Mann vor einem parkierten Polizeifahrzeug auf der Fahrbahn halt. Er wurde umgehend festgenommen.

Mann ist teils schuldunfähig

Am Mittwoch steht der Beschuldigte vor dem Kreisgericht Rheintal. Dem 42-Jährigen werden in der Anklageschrift Gefährdung des Lebens, mehrfache Hinderung einer Amtshandlung sowie mehrfache einfache Verletzung der Verkehrsregeln durch Missachten polizeilicher Haltezeichen vorgeworfen. Zudem muss er sich vor Gericht verantworten, weil er seinen Lebenspartner mehrmals tätlich angegriffen haben soll. Er hat ihn laut der Staatsanwaltschaft unter anderem in die Stirn gebissen.

Gemäss psychiatrischem Gutachten leidet der 42-Jährige an einer schizotypen Störung. Diese psychischen Probleme hatte er offenbar auch schon bei der Tat auf der Raststätte. Deswegen gilt der Mann für diese Taten als schuldunfähig. Trotzdem kommt es zum Prozess. Dies weil das Gericht auch noch über die Schuldfähigkeit entscheiden kann.

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine unbedingte Freiheitsstrafe von insgesamt zehn Monaten. Zudem sei eine stationäre therapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB (siehe Box) anzuordnen. Zugunsten dieser soll der Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben werden. Hinzu kommt eine Busse von 1500 Franken.

(mig)