Mail-Verkehr

30. August 2018 17:51; Akt: 30.08.2018 17:51 Print

Mail-Flirt zwischen Polizei und Gaunerin vorbei

Um eine Masche von Online-Betrügern aufzuzeigen, chattete die Kantonspolizei Thurgau mit einer Gaunerin namens Lorena. Diese Woche ging die Story nun zu Ende.

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Dies ist das erste Mail, das die Kapo Thurgau vor rund drei Wochen von den Betrügern erhielt. Daniel Meili, Sprecher der Kapo Thurgau, antwortete unter dem Pseudonym Hans Muster und zeigte Mitgefühl. Die Antwort der Betrüger liess nicht lange auf sich warten. Sofort wird Hans Muster aufgefordert, persönliche Daten zu übermitteln. Meili hingegen möchte zuerst noch mehr über Lorena wissen. Nennt sich ab sofort Hänsli. Die Betrüger geben sogar eine Adresse in Madrid bekannt. Fordern aber noch immer Informationen von Hänsli. Nun lässt Hänli tatsächlich ein Paar Informationen durchsickern. Ohne dabei aber den Smalltalk zu vergessen und Lorena ein Treffen bei einem Fussballspiel vorzuschlagen. So langsam wird es ernst. Lorena bringt zum ersten Mal einen Anwalt ins Spiel, der das ganze Geschäft in die Hände nehmen soll. Und ja natürlich ist Hänsli eine vertrauenswürdige Person. Da ist doch auch klar, dass er die liebe Lorena mal auf einem Foto sehen möchte. Lorena hat nun endgültig genug von Hänsli. Sie muss sich natürlich auch einer Operation unterziehen. Hänsli macht nochmal klar, wie sehr er Lorena in sein Herz geschlossen hat und wünscht ihr nur das Beste. Der neue Chatpartner ist ab sofort ein englisch sprechender Anwalt namens Pablo Hernandez. Jetzt muss der arme Hänsli auch noch auf Englisch antworten. Ein wenig liegt ihm die Sprache aber - Flower Power sei dank. Dieses äusserst schlechte gestaltete Dokument postete die Kapo vor rund zwei Wochen auf Facebook. Darin werden Hänsli unter anderem die Bedingungen erklärt. 20 Prozent von 3,5 Millionen Euro. Hört sich eigentlich verlockend an. Doch dann unterläuft Hänsli beim Unterzeichnen ein Fehler. Er schüttet doch tatsächlich seinen Frühstückskaffee über das wichtige Dokument. Danach gibt es schlechte Nachrichten aus Spanien: Lorena ist sehr krank. Dennoch ist der knallharte Anwalt immer noch Profi genug, um ein weiteres... ... «offizielles» Dokument zu schicken. Hänsli ist zwar traurig über die Nachricht von der kranken Lorena, wird aber langsam etwas ungeduldig und möchte das versprochene Geld sehen. Und dann – vor einer Woche – kommt sie: Die erwartete Vorschussforderung. Damit ist der Kantonspolizei Thurgau gelungen, was sie mit diesem Mail-Verkehr beweisen wollten: Eine der häufigsten Betrüger-Maschen. Doch Hänsli reagiert mit einem Vorschlag, die wohl auch die abgezocktesten Betrüger so noch nicht gesehen haben: Er bietet gleich 50000 Euro statt der geforderten 2250 Euro an. Wieder hat der Anwalt schlechte Nachrichten: Lorena liegt nun im Koma. Dies soll Hänsli wohl unter Zeitdruck setzen, das Geld zu überweisen. Darauf schreibt Hänsli wohl eine der lustigsten Antworten an die Betrüger zurück. Er sei sich schliesslich sicher, Lorena sei keine Kriminelle und das habe er der «Banklady» auch so mitgeteilt. Mit dieser zum Schmunzeln anregenden Nachricht vom vergangenen Montag ist nun aber Schluss. Die Kantonspolizei Thurgau konnte aufzeigen, wie die Betrüger vorgehen und erhielten als «Beweis» auch eine Vorschussforderung. An dieser Stelle dankt die Polizei allen, die mit Hänsli mitgefiebert haben.

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Nach rund drei Wochen geht die Liebes-Story zwischen «Hänsli» und Lorena zu Ende. Anfang August startete die Kantonspolizei Thurgau ein Experiment und antwortete auf ein E-Mail von Online-Betrügern. «Unser Ziel war es, an einem realen Beispiel zu zeigen, wie deren Vorgehen ist», sagt Kapo-Sprecher Daniel Meili, der sich unter dem Pseudonym «Hänsli» auf eine Kommunikation einliess. Und das Vorhaben der Polizei ging auf.

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Nach einem langen Mail-Verkehr traf vor einer Woche die erwartete Vorschussforderung ein: «Bingo», schreibt die Kapo auf ihrer Facebook-Seite unter dieses entscheidende E-Mail.

«no nonoo mrs banklady»

Die Antwort der Kapo blieb natürlich nicht aus: «Hänsli fragt nach und macht einen Vorschlag, den wohl auch die abgezocktesten Betrüger so noch nicht gehört haben», so Meili. Er bot statt den geforderten 2250 Euro ganze 50'000 an, die Differenz solle doch seiner lieben Lorena zugute kommen. Der gehe es ja offenbar mittlerweile gar nicht gut. Nach einer zweiten Operation sei ihr Zustand sehr kritisch und sie liege im Koma.

Hänsli eilt deshalb sofort zur Bank, da er als alter Mann kein E-Banking besitzt. Wie er den Betrügern dann mitteilt, sei er von der Bankangestellten darauf hingewiesen worden, dass es sich bei der ganzen Sache wohl um einen Betrugsversuch handle. Doch Hänsli lässt sich nicht beirren: «Lorena, eine Kriminelle? Nie im Leben!» In seinem letzten E-Mail finden sich deshalb einige zum Schmunzeln anregende Aussagen von Hänsli wie: «no nonoo mrs banklady, Lorena is my big love and she would never cheat on me.» Mit diesem E-Mail ist die Geschichte beendet. Die Betrüger hätten sich auch nicht mehr gemeldet: «Wahrscheinlich wurde es ihnen zu blöd», so Meili.

Rückmeldungen durchs Band positiv

Trotz aller Belustigung: «Das Experiment soll vor allem die Leute sensibilisieren», sagt Meili. Vermissen werde er das Chatten nicht, dennoch gebe es ein wenig Wehmut: «Ich habe die Antworten immer sehr gespannt abgewartet und freute mich über neue E-Mails von den Betrügern in meinem Posteingang», sagt er.

Die Rückmeldungen auf den auf Facebook geposteten Mail-Verkehr waren durchgehend positiv: «Super Aktion – danke Kantonspolizei Thurgau», heisst es in den Kommentaren. Oder: «Einen lieben Gruss an Hänsli, er ist doch einfach ein super Polizist, weiter so.» Darüber freut man sich natürlich bei der Polizei: «Wir waren sehr erfreut und überrascht, wie mitgefiebert wurde», so Meili.

Dass die Betrüger aber je zur Rechenschaft gezogen werden können, dürfte so gut wie unmöglich sein. «Diese Gruppierungen haben jahrelange Erfahrung mit solchen Sachen und wissen, wie sie ihre Spuren verwischen können», sagt der Kapo-Sprecher. Dahinter stecke wohl die sogenannte «Nigeria-Connection» (siehe Box), die dieses Betrugsgeschäft schon seit den 80er-Jahren professionell betreibe.

(lad)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.Black am 30.08.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    dieses Spielchen

    hab ich auch schon mal gemacht...lustig wie die schreiben. Ich verstehe nicht wie es noch Leute gibt wo auf so etwas reinfallen

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  • Nasko Begi am 30.08.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so

    Hänsli weiter so ! Respekt an die #Thurgauer Justiz nach so vielen Skandalen in den letzten Monaten Ist es gut mal eine schöne Geschichte aus Thurgau zu lesen...

  • XC90M am 30.08.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Verfolgen ist möglich

    Spuren verwischen? Hahah ich lache, wenn die NSA z.B sich den Fall annehmen würde, könnten sie sogar im Tor Browser Leute zurückverfolgen! Also von irgendwo versendet er etwas und bei einer so grossen Summe, um die manche Betrogen worden sind, lohnt es sich bestimmt, es zu verfolgen und die zu schnappen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dirk Lüdi am 12.09.2018 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hänsli for Präsident

    Hänsli for Präsident! Super spannend zum Lesen gewesen. :-) Aber schade jetzt einfach so auf die 3Mio zu verzichten. Hänsli hätte doch so viel gutes machen können. ;-)

  • Gagger-Willi am 31.08.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Milliardär!!!

    Wenn ich mir überlege, wie viele Schreiben mit Millionenversprechnungen ich schon erhalten habe. - eigentlich bin ich Milliardär, kann aber meine Rechnungen kaum bezahlen. - Tragisch :-)

  • Privatkonkurs am 31.08.2018 08:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Telefon Versicherung

    Das gleiche mache ich mit vermeintlichen Versicherung anrufen. Ich lasse sie lang und breit erklären was für spezielle Produkte Sie haben und wieviel Potenzial es gibt einzusparen. Am Ende des Gespräches möchte ich natürlich unbedingt den Vertrag abschliessen und erkläre Ihnen, dass ich zuerst noch mit dem Vormund sprechen muss, da ich Privatkonkurs bin. Danach wird in der Regel sehr schnell den Hörer auf der anderen Seite aufgelegt.

    • aschi am 31.08.2018 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Privatkonkurs

      Und was bringt mir das, wenn ich stundenlang mit einem Vertreter ? ( Gauner?) rede? Da häng ich doch gleich selber auf, vielleicht noch mit der Frage meinerseits, woher er / sie eigentlich meine Nummer habe.

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  • Ein Bürger am 31.08.2018 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt an die Polizei!

    Respekt an die Polizei! Das war wieder eine super Image-Aktion. Ich frage mich aber allen Ernstes, wie die Leute noch heute auf solche Betrügereien hereinfallen können, obwohl die schon seit Jahren bekannt sind.

  • MArtin am 31.08.2018 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Spam ohne Ende

    bekomme ständig so mails: Absender immer anders und in jeder mail steht drin das ich denn selben Euro betrag gewonnen hätte und ich solle mein Bank Informationen bestätigen ^^