Bär erlegt

20. Februar 2013 13:47; Akt: 20.02.2013 17:51 Print

M13 war zu sehr Menschenfreund

M13 tötete 30 Schafe, zwei Ziegen, verletzte eine Kuh und eine Eselin und plünderte zahlreiche Bienenstöcke. Vor allem aber mochte er Menschen zu sehr. Das war sein Todesurteil.

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Im Juli 2005 wanderte ein Bär aus dem italienischen Trentino ins Val Müstair ein. Es war der Lumpaz im Schweizerischen Nationalpark am 28. Juli 2005. Lumpaz, war im Naturpark Adamello-Brenta geboren worden, und zwar als zweites Junges von Joze und Jurka (deshalb JJ2). Damit ist er der Lumpaz in der Nähe des Ofenpasses am 29. Juli 2005. Seit Herbst 2005 gilt JJ2 als Es wird vermutet, dass er gewildert wurde. Sein Auftauchen ist ein grosses Wildbeobachter und Journalisten hoffen, dass sich JJ2 am Ofenpass blicken lässt. Im Mai 2006 wandert JJ1 aus Italien in den Norden. Er war nie in der Schweiz. Bruno treibt längere Zeit im bayrisch-österreichischen Grenzgebiet sein Unwesen, reisst Schafe und verwüstet Gärten. Da er offensichtlich keine Scheu vor Menschen hat, wird er als «Problembär» eingestuft und schliesslich am Bruno im Landkreis Miesbach am 25. Juni 2006. Im Juni 2007 wandert erneut ein Bär ins Münstertal ein. Er wird schnell als JJ3, identifiziert, der jüngere Bruder von Bruno (JJ1) und Lumpaz (JJ2). Am 12. August wird er narkotisiert und mit einem versehen (Bild). Dem Besucher gefällt es im Bünderland, er stösst bis auf die Lenzerheide und ins JJ3 tappt am 24. März 2008 in der Nähe von Surava GR in eine Fotofalle. Da auch JJ3 - wie seine beiden Brüder - kaum Scheu vor dem Menschen hat, wird er als Fotofalle am 24. März 2008. Vergrämungen beeindrucken JJ3 nicht. Schliesslich wird er als Fotofalle bei Surava GR vom 25. März 2008. Am 14. April 2008 erlegt ihn die Bündner Wildhut am Glaspass. JJ3 wird präpariert und kann heute im bestaunt werden (Bild). Fast gleichzeitig mit JJ3 wandert auch dessen Halbbruder MJ4 in die Schweiz ein. Er wird am 3. Juni 2007 erstmals bei Zernez im Unterengadin gesichtet. Die Wildhut findet Spuren im Schnee (Bild). MJ4 hat denselben Vater wie die drei JJs, aber eine andere Mutter, die ausserordentlich scheue Maja. Wie JJ3 bleibt MJ4 den ganzen Winter über in der Schweiz. Er bleibt den Menschen aber stets fern und wird deshalb als eingestuft. Im Juni 2008 verabschiedet er sich wieder nach Italien. Der Bärenjunge M2 hält sich 2010 für etwa eine Woche in der Schweiz auf. Auch M2 entstammt dem «Life Ursus»-Projekt, seine Eltern sind Daniza und Gasper. Das zweieinhalbjährige Tier wird am 17. Juni 2010 von einem Polizisten im und reisst dort einige Schafe. Am 24. Juni 2010 verliert sich seine Spur in Graubünden, M2 ist offenbar ins Südtirol zurückgekehrt. Im Juni und Juli 2011 reisst ein Bär im Unterengadin 27 Schafe (Symbolbild). Mitte August beobachten drei Jäger einen Bären in der Nähe von Tarasp. Ob es sich dabei um das gleiche Tier handelt, ist unklar. Der Bär kann nicht identifiziert werden. Am 27. September 2011 beobachtet ein Jäger einen ein bis zwei Jahre alten Bären in der Puschlaver Gemeinde Brusio. Da auch hier keine brauchbaren DNA-Spuren gefunden werden, kann auch dieses Tier nicht identifiziert werden. Am 7. April 2012 begegnet die einem Bären. Er wird als M13 identifiziert, ein zweijähriges Männchen, das aus dem «Life Ursus»-Projekt im Trentino stammt. Vier Tage später wird das Tier Zuvor hatte er eine Ziege gerissen. Dank dem Senderhalsband soll es möglich sein, ihn umzuerziehen. M13 ist Am 25. April suchen die Behörden in Spiss im Tirol nach dem Bären und stossen dabei auf die Leiche eines männlichen Mordopfers – was M13 den Spitznamen Am 30. April wird M13 bei Ftan Am 21. April 2012 wird auf der Brennerautobahn im Südtirol ein Braunbär M14, ein Bruder von M13, überlebt den Unfall nicht (Bild). Eineinhalb Monate danach, Anfang Juni, ereilt M12, ein weiterer Bruder von M13, dasselbe Schicksal auf der Strecke Meran–Bozen. M12 war zuvor seit längerem im Grenzgebiet zwischen dem Tirol und Graubünden unterwegs gewesen. Am Samstag, 23. Juni, wird in Graubünden wieder ein Bär gesichtet. Die Behörden bestätigen, dass es sich um M13 handelt. Am 30. Juni können ihn Bündner Wildhüter betäuben und mit einem neuen Senderhalsband versehen. Nachdem er bereits einige unbewachte Schafe getötet hatte, sucht M13 nun auch Wohngebiete heim und taucht in der Nähe der Schule in Santa Maria GR auf. Darauf wird das Tier im Oktober als «Problembär» eingestuft. Im November 2012 dringt M13 in ein unbewohntes Ferienhaus ein, danach zieht er sich in die Winterruhe zurück. Als M13 eingestuft und zum Abschuss freigegeben.

Seit 2005 wandern wieder Bären in die Schweiz ein – was jedesmal für grosse Aufregung sorgt.

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Seine erste Begegnung mit Menschen hatte M13 im April 2012. Damals traf er auf die Familie Riatsch. Vater Mario Riatsch ahnte sofort, dass es mit dem Bären Probleme geben könnte. «Dieser Bär verhält sich nicht wie ein Bär – er kommt den Menschen viel zu nahe», sagte der Förster damals gegenüber 20 Minuten Online und ergänzte: «Wenn er hier bleibt, ist er dem Tod geweiht.»

Riatsch sollte recht behalten. Gestern Dienstagmorgen, um 10.15 Uhr, ist Bär M13 in Miralago am südlichen Ende des Puschlaversees von Wildhütern erlegt worden. «Der gestrige Tag war für die Wildhut und die Beteiligten kein erfreulicher Tag», sagte Regierungsrat Mario Cavigelli an der Medienkonferenz heute. «Der Bär ist uns ans Herz gewachsen. Er hat die Sympathie in weiten Teilen der Bevölkerung erobern können. Es war aber notwendig, ihn zu erledigen.»

M13 schaute Menschen durchs Fenster beim Fernsehen zu

Denn M13 liess sich nicht mehr vertreiben. Der Braunbär war schon Mitte November 2012, nach dem Einbruch in ein bewohntes Ferienhaus im Puschlav, vom Problem- zum Risikobären umklassiert worden – allerdings nur intern. Dem zwingenden Abschuss, der auf eine solche Umklassierung gemäss Bärenkonzept folgt, entzog sich M13 durch den Winterschlaf.

Doch die Menschen konnten ihn nie mehr abschütteln. Er brach in Gebäude ein und schlug sich dort den Bauch voll. Er tauchte plötzlich auf einer Terrasse auf und schaute dem verdutzten Bewohner durchs Fenster beim Fernsehen zu. Im Unterengadin soll er vor den Augen von Angestellten eines Landwirtschaftsbetriebes zwei Ziegen gerissen haben.

Eine Ladung Schwarzpulver aufs Fell

Als der Einwanderer nach dem Aufwachen aus dem Winterschlaf vor einer Woche sein Verhalten nicht änderte und immer weniger Scheu vor dem Menschen zeigte, war die Sache klar. Am 17. Februar näherte er sich zwei Touristen bis auf 70 Meter und folgte ihnen. Dann kam es zur Begegnung mit einem 14-jährigen Mädchen, das dabei einen Schock erlitt.

Selbst Vergrämungsmassnahmen liessen ihn kalt. Nach dem letzten Vorfall jagten Wildhüter dem Bären eine Ladung Schwarzpulver ins Fell, erzählte Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden, den Medien. Doch M13 habe sich nicht einmal gross bewegt. Erst, als die Wildhüter anschliessend in die Luft schossen, «trottete der Bär langsam von dannen», so Brosi weiter.

«Kein Nein der Schweiz zum Bären»

M13, der sich als Kommissar-Bär einen Namen machte, als er der Polizei half, ein Verbrechen aufzudecken, interessierte sich schlicht zu fest für den Menschen. «Das Risiko für einen ernsthaften Zwischenfall war gegeben», sagte Brosi. Nach dem Zwischenfall mit der 14-jährigen Emina ging die Diskussion über den Abschuss los.

Der Abschuss sei «kein Nein der Schweiz zum Bären» gewesen, sondern ein Nein zu einem Individuum, das zum Risiko geworden sei, sagte Franziska Schwarz, Vizedirektorin des Bundesamtes für Umwelt. Der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig betonte, M13 sei zwar nie aggressiv gegenüber Menschen gewesen. Jedoch sei das Risiko eines Unfalls, bei dem Menschen ernsthaft verletzt oder gar getötet würden, unverantwortbar gross geworden.

M13 kommt neben JJ3 ins Museum

Jetzt wird M13 als Präparat dem Bündner Kunstmuseum übergeben. Dort trifft er auf seinen Artgenossen JJ3. Der Braunbär ist 2008 erschossen worden und ist seither in Chur zu bestaunen. M13 wird bald neben ihm stehen. Die Schadensbilanz des «Menschenfreunds»: 30 getötete Schafe, zwei tote Ziegen, eine verletzte Kuh und eine verletzte Eselin sowie zahlreiche geplünderte Bienenstöcke.

(meg/bat/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Hätte auch nur ein Bruchteil der hier Schreibenden so viel Anteilnahme und Mitgefühl gegenüber anderen Menschen, auf der Welt würde es bestimmt viel weniger Neid, Missgunst und Krieg geben. Wenn es darum geht solidarisch zu sein mit gesellschaftlich schwächeren Menschen in der Schweiz, dann ist von einer solchen Solidarität wenig zu merken. Auch die können sich nicht wehren, genau wie der Bär. Aber anscheinend bewegt die Geschichte eines Bären die Herzen mehr, als die der Menschen. Eigentlich sollte uns doch beides bewegen! – Romana

Der Bär zuvor einen Menschen getötet hätte oder sogar das Mädchen? könntet ihr alle dann drüber stehen und trotzdem noch sagen der Bär war zuerst da hat mehr rechte oder würde euer Mitgefühl, Hass euch kontrollieren? Ich möchte euch nur die andere Seite vor Augen halten mehr nicht! Aussiedlung oder andere Massnahmen bevorzuge ich... töten darf niemals eine notwendigkeit sein. In keinem Fall ob Mensch oder Tier, ausser im Fall der Erlösung von schmerzen dann kann ich es vereinbaren. – Reto Borri

Hört doch endlich auf den Bären in der Schweiz wieder anzusiedeln, wenn ihr ihn früher oder später eh wieder abschiesst! Und hört auf von Problem-Bären zu sprechen. Der Bär ist nicht das Problem sondern der egoistische Mensch. Es ist einfach nur traurig wie mit den Tieren (Bären) umgegangen wird. – Sturzine

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Furlenmeier Brigitte am 21.02.2013 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bär haben oder nicht haben?

    Es hätte sicher eine andere Lösung gegeben als den Bär abzuschiessen. Gleichwohl auch für den 4jährigen Bär welcher eingeschläfert wurde. Vieleicht wäre es gut sich ein paar Bärentipps aus Anchorage abzuschauen Will man den Bär eingliedern muss man damit auch leben ansonsten lässt man solche Projekte sein.

  • Ciao am 22.02.2013 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Aber echt jetzt, Das mach mich aber sauer. Die 50% die Angst haben vor den Bären wissen nicht mal was der Bär für die Umwelt tut. Die andere 50% die um den Tot des Bären Bedauern, leite sich vor den Medien propaganda und wissen auch nicht was der Bär tut. Der Bär wurde hier gesiedelt um den Planzenfresser Bestand zu reduzieren. Wenn nicht so wäre, gebt es keine Wälder und keine Wiesen mehr. Und wenn jemand sagt das, das die Jäger die Bestand reduzieren würden. Dann hat ersicht ganz falsch verschätz. Infomiert mal euch was die Wölfe in Yellowsstone park. Es gebte auch andere Lösungen.

  • Kari Keller am 22.02.2013 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Danke für den Abschuss

    Gut ist dieser dämliche Bär weg. Was nützt uns so ein Bär? Nichts. Er ist einzig und allein eine Gefahr für uns Menschen. Es ist nun mal so, in unserer heutigen Welt ist der Mensch der Alpha-Predator, und ich finde das auch gut so, denn ich möchte nicht dass mein Leben als Bärenfrass endet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bär am 23.02.2013 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Langzeitorientierung?

    Klar ist der Bär ein Problem gewesen, doch irgendwann werden sich Bären vermehrt in der Schweiz aufhalten & dann kann man nicht jeden abknallen. Man sollte eher versuchen mit dem Bären zu leben, das heisst andere Massnahmen treffen wie spezielle Zäune oder etwas um dem Bären sein Gebiet klar zu machen!

  • Emil am 23.02.2013 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Armer M 13

    Den armen Bären erschiessen um auszustopfen. Damit die Kassen Klingeln!!!! Der arme Bär !!!! Traurig so etwas....

  • Vera St. Gallen am 23.02.2013 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beide Seiten verstehen

    Ich muss schon sagen diese Kommentare sind eindrucksvoll. Ich denke man sollte beide Seiten verstehen. Man kann schon sagen in anderen Ländern geht das zusammenleben mit Wildtieren, nur in der Schweiz ist man sich das nicht gewohnt. Die Menschen können sich nicht von heute auf morgen auf ein Leben mit einem Bär einstellen. Ich finde der Tierschutz hätte sich mehr ins Zeug legen müssen um eine Alternative für den Bär zu suchen. Einfach abschiessen geht überhaupt nicht!

  • ManU am 22.02.2013 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte. 

    @ Kari: Man hätte diesen Bären einfach betäuben können!

  • Ciao am 22.02.2013 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit

    Aber echt jetzt, Das mach mich aber sauer. Die 50% die Angst haben vor den Bären wissen nicht mal was der Bär für die Umwelt tut. Die andere 50% die um den Tot des Bären Bedauern, leite sich vor den Medien propaganda und wissen auch nicht was der Bär tut. Der Bär wurde hier gesiedelt um den Planzenfresser Bestand zu reduzieren. Wenn nicht so wäre, gebt es keine Wälder und keine Wiesen mehr. Und wenn jemand sagt das, das die Jäger die Bestand reduzieren würden. Dann hat ersicht ganz falsch verschätz. Infomiert mal euch was die Wölfe in Yellowsstone park. Es gebte auch andere Lösungen.