Kinderkrippe

20. Juli 2014 10:26; Akt: 20.07.2014 17:41 Print

Männer weg nach Missbrauchs-Verdacht

Aufregung in einer St. Galler Kinderkrippe: Ein 16-jähriger Praktikant verlor wegen Missbrauchsvorwürfen seine Stelle. Obwohl das Verfahren mangels Beweisen eingestellt wurde.

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Die Geschichte der Vierjährigen hatte weitreichende Folgen. (Bild: Symbolbild/colourbox.de)

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Der Fall hatte nicht nur für den Beschuldigten weitreichende Folgen. Auch für die anderen männlichen Angestellten einer Kinderkrippe in der Stadt St. Gallen bedeutete die Geschichte der vierjährigen Cindy* das Ende ihres Arbeitsverhältnisses. Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den 16-Jährigen Praktikanten verliessen auch sie die Krippe – freiwillig, wie die «Ostschweiz am Sonntag» schreibt.

Cindy erzählt ihrer Mutter, ein Mann habe sich mit Spielzeug an ihr vergangen – und bringt den Fall damit ins Rollen. Die Mutter schöpft Verdacht, zumal das Mädchen öfter von einem männlichen Betreuer sprach und kürzlich einen Penis erwähnt haben soll. Sie lässt ihre Tochter im Kinderschutzzentrum befragen und zeigt den 16-jährigen Praktikanten an. Kurz darauf wird dieser verhaftet und auf dem Posten verhört. Sein Handy und sein Computer werden beschlagnahmt. Die Vorwürfe bestreitet er.

Nichts ist bewiesen

Gegenüber der eingeschalteten Jugendanwältin wiederholt Cindy ihre Geschichte nicht. Auf mehrere Fragen antwortet sie nur mit Schweigen. Der Beschuldigte habe gar nichts gezeigt, sagt Cindys ältere Schwester, die in der selben Krippe ist. Cindy lüge. Weil sich der Missbrauchsverdacht nicht erhärtet, wird das Verfahren gegen den Jugendlichen eingestellt. Dennoch verliert er seine Praktikumsstelle. An einem extra einberufenen Elternabend zeigen sich nicht alle restlos von seiner Unschuld überzeugt. Der Präsident des Trägervereins der Krippe betont aber, dass nichts bewiesen sei.

Strafverfahren droht dennoch

Nach dem Verlust seiner Praktikumsstelle arbeitet der Jugendliche in einer Gärtnerei. Seine männlichen Kollegen haben aus Angst vor weiteren Anschuldigungen gekündigt, berichtet die «Ostschweiz am Sonntag». Im August beginnt der 16-Jährige eine Lehre als Sanitär-Installateur. Der Justiz ist er aber nicht ganz entkommen: Weil die Polizei bei ihm zu Hause eine verbotene japanische Schlagwaffe fand, droht ihm doch noch ein Strafverfahren.

* Name geändert

(tso)