Basadingen-Schlattingen TG

14. August 2019 04:52; Akt: 14.08.2019 04:52 Print

Mann schuldete Gemeinde 475'000 Franken

Ein Gemeindeschreiber hat vor rund 20 Jahren 250'000 Franken veruntreut. Nun erhält die Thurgauer Gemeinde einen Teil des Geldes zurück.

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Die Gemeinde Basadingen-Schlattingen im Kanton Thurgau darf für das vergangene Jahr aussergewöhnlich hohe Gewinne verzeichnen. Dies aus einem sehr speziellen Grund: Wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, erhält die Gemeinde 202'000 Franken aus einem Unterschlagungsfall von 2001, nachdem dieser nun nach jahrelangen Untersuchungen abgeschlossen ist.

Der Fall erregte seiner Zeit grosses Aufsehen. Gemeindeschreiber und Steuersekretär H. arbeitete von 1995 bis 2001 in der Gemeindeverwaltung der Gemeinde Basadingen-Schlattingen. In diesen Jahren veruntreute er mehrere hunderttausend Franken. Unter anderem bediente er sich an Guthaben von Steuerzahlern, die ausbleibende Rückerstattungen oder Vergütungszinsen übersahen.

Beim Gemeindeschreiber kaum mehr etwas zu holen

Schon 1999 schöpfte die kantonale Steuerverwaltung Verdacht. Doch erst Ende 2000 wurde eine Treuhandfirma beauftragt, die Buchhaltung zu prüfen. Schon nach rund sechs Monaten Untersuchung stellten sie einen Schaden von rund 250'000 Franken fest. Für die geleistete Arbeit verlangte die Treuhandfirma einen sechsstelligen Betrag. Dies war der Grund, warum die Gemeinde keine weiteren Untersuchungen zu den Jahren vor 1998 verordnet hat.

Wie sich herausstellte, ein kluger Entscheid. Der Gemeindeschreiber hatte kaum finanzielle Mittel mehr, mit denen er die Schulden hätte begleichen können. Mit dem veruntreuten Geld gönnte sich H. ein Boot, verspekulierte sich an der Börse, machte Ferien und baute ein Haus. 90 Prozent der gebauten Liegenschaft war zum Zeitpunkt der Aufdeckung schon verpfändet.

18 Monate bedingte Haftstrafe

Das Bezirksgericht Diessenhofen verurteilte H. im März 2004 wegen mehrfacher qualifizierter Veruntreuung und mehrfacher Urkundenfälschung zu 18 Monaten bedingter Haftstrafe. Laut der Staatsanwaltschaft hatte er aus Geldgier und Geldnot gehandelt.

Der kriminelle Gemeindeschreiber starb 2014 im Alter von 41 Jahren. Über das Betreibungsamt Bischofzell wurde ein Konkursverfahren eröffnet. Im Zuge dessen wurde der Gemeinde ein Teil des Hauses zugeschrieben. Warum dies erst jetzt passierte, weiss der heutige Gemeindepräsident Peter Mathys nicht.

Gemeinde bleibt auf 273'000 Franken Schaden sitzen

Wie Mathys gegenüber der «Thurgauer Zeitung» sagt, versuchte H. seine Schulden mit einem jährlichen Betrag von 9600 Franken abzuzahlen. Insgesamt gingen so 91'000 Franken zurück an die Gemeinde. Trotzdem: Bei seinem Tod schuldete H. der Gemeinde nach wie vor 475'000 Franken. Abzüglich der 202'000 Franken von H.s Nachlass bleibt Basadingen-Schlattingen letztendlich auf einem Schaden von 273'000 Franken sitzen.

(mwa)