St. Gallen

12. Februar 2019 05:47; Akt: 12.02.2019 05:47 Print

Mann stirbt fast, weil er in kurzen Hosen in Club will

Weil er nicht in den Club durfte, kam es zwischen einem Mann, seinen Freunden und dem Türsteher zu Scharmützeln. Nun kommt der Streit vor Gericht.

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Der Beschuldigte (51) war, bevor er in die Schweiz kam, über 20 Jahre lang im Sicherheits-Business in der Bar-Szene und bei 4- und 5-Sterne-Hotels tätig. Dieser Arbeit ging er dann auch in der Schweiz nach. So auch am 18. April 2015 bei einem Club in St. Gallen.

An jenem Nachmittag war das spätere Opfer mit Freunden unterwegs, wie es in der Anklageschrift heisst. Erst waren sie an der Offa, wo sie von etwa 15 Uhr bis 21 Uhr in einer der Degustationshallen ihre Zeit verbrachten. Der Plan war es, später noch in einen Club in der Stadt zu gehen, weil dort ein Kollege Geburtstag feierte. Es war der Club, bei dem der Beschuldigte als Türsteher arbeitete. Weil das Lokal jedoch erst um 22 Uhr seine Türen öffnet, gingen die Freunde erst in ein anderes Lokal etwas trinken. Kurz nach 22 Uhr steuerten sie dann zu viert den Club an, so die Anklage.

Mit Glas geworfen

Dort angekommen, wurde dem späteren Opfer jedoch der Zutritt verwehrt, weil es kurze Hosen trug. Diesen Entscheid soll die Gruppe jedoch nicht akzeptiert haben und so kam zu einer längeren Diskussion mit dem Türsteher. Einer aus der Gruppe versuchte dann noch mit einem anderen Türsteher über den Einlass zu verhandeln. «Als sein Vorhaben nicht gelang, ging er die Treppe hinunter am Beschuldigten vorbei und warf in der Wut sein vom letzten Lokal mitgebrachtes Glas in Richtung der beiden Türsteher», heisst es in der Anklageschrift. Dem Beschuldigten soll es dann zu viel geworden sein, er sei dem Glaswerfer einige Meter nachgerannt und habe ihm gesagt, er solle «verreisen.» Danach drehte er um und ging an seinen Platz zurück.

Auf dem Weg dorthin sei ihm dann der Mann in kurzen Hosen plötzlich entgegengekommen. Dieser griff dem Türsteher an seine Jacke und rief, ob es ihm eigentlich noch gut gehe, so mit seinem Kollegen umzuspringen. Aufgrund dieser plötzlichen physischen Annäherung erschrak der Türsteher und stiess sein Gegenüber mit beiden Händen in einer Abwehrbewegung reflexartig gegen die Brust, um sich wieder Raum zu verschaffen.

Sturz auf Hinterkopf

Der Beschuldigte führte den Stoss laut Anklage in der fälschlichen Annahme aus, dass der andere ihn angreifen wollte. Das Opfer, das gut sichtbar eine Schiene am Bein trug und nicht mehr nüchtern war, verlor das Gleichgewicht und schlug mit dem Hinterkopf auf dem Trottoir auf und blieb liegen. Er zog sich lebensbedrohliche Verletzungen zu, die ohne unverzügliche operative Intervention zum Tod geführt hätten.

Die Anklage wirft dem Türsteher vor, sich nicht um die körperliche Verfassung seines Opfers gekümmert zu haben, obwohl ihm dies aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in dieser Branche durchaus zuzumuten gewesen wäre.

Das Opfer erlitt unter anderem ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und musste mehrfach operiert werden. Noch heute leide er an den Folgen des Sturzes. Er ist am Prozess als Privatkläger beteiligt.

Bedingte Freiheitsstrafe

Zur Verhandlung kommt es am Dienstag vor dem Kreisgericht St. Gallen. Die Staatsanwaltschaft beantragt den 51-Jährigen wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung und des Führens eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter Blutalkoholkonzentration schuldig zu sprechen. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten und eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken. Es sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Hinzu kommt eine Busse in Höhe von 800 Franken.

(taw)