St. Gallen

20. März 2019 17:51; Akt: 20.03.2019 18:00 Print

Mann veruntreut Millionen und geht damit ins Bordell

Das Kreisgericht St. Gallen hat einen Finanzbuchhalter verurteilt. Der 59-jährige Schweizer hatte bei seiner Arbeitgeberin in sieben Jahren mehr als zwei Millionen Franken veruntreut.

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Das Kreisgericht St. Gallen hat einen Finanzbuchhalter zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt. (Bild: 20M)

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Der Beschuldigte war an der Verhandlung am Mittwoch geständig und wurde wegen Veruntreuung, mehrfachen Diebstahls, gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt. Ein Jahr der teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten muss es im Gefängnis verbringen.

Der Rest wird mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben. Das Gericht ordnete zudem Bewährungshilfe an und schützte die Zivilklage der geschädigten Firma, welche die Rückzahlung des veruntreuten Geldes samt Zins verlangt.

659 Transaktionen zu eigenen Gunsten

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, dass er in seiner Funktion als Finanzbuchhalter und stellvertretender Controller einer St. Galler Firma mit mindestens 659 Transaktionen für 2'044'751 Franken auf seine privaten Konten überwiesen hat.

Dabei ging er laut der Staatsanwältin sehr raffiniert vor und nutzte das Vertrauen seiner Vorgesetzten schamlos aus. Er griff erst ein, als die vorgängigen Kontrollen der Zahlungsvorgänge abgeschlossen waren. Für seine Transaktionen täuschte er das Zahlen von offenen Kreditoren vor, wobei er einen fiktiven Kreditor erfand.

Mehrere hundert Mal nahm der Beschuldigte Rechnungen aus der Ablagebox in der Buchhaltung und versteckte sie über den Zahlungszeitpunkt hinaus. Später legte er sie unbemerkt wieder zurück, damit sie in der nachfolgenden Woche bezahlt werden konnten. Über den fiktiven Kreditor tarnte der Beschuldigte die deliktischen Transaktionen auf sein privates Konto. Er ging davon aus, dass sein Vorgehen bei wöchentlich 400 bis 500 Zahlungen mit einem Gesamtvolumen von 300'000 bis 800'000 Franken nicht auffallen würde.

Arbeitskollege bemerkt Unregelmässigkeiten

Anfang 2018 fielen einem Arbeitskollegen Unregelmässigkeiten auf. Darauf angesprochen erfand der Beschuldigte Ausreden. Als ihm bewusst wurde, dass er den fiktiven Kreditor nicht mehr für seine Zwecke nutzen kann, hörte er mit seinem deliktischen Tun nicht auf, sondern reaktivierte einen alten Kreditor und machte mit der Veruntreuung weiter.

Sein Einkommen habe einfach hinten und vorne nicht gereicht, begründete der Beschuldigte seine Taten. Später habe er nicht mehr damit aufhören können. Der Verteidiger beschrieb seinen Mandaten als grosszügigen Menschen, der Familienmitglieder und Freunde mit Geld unterstützt habe.

Gericht geht über Anträge hinaus

Dem stimmte auch die Staatsanwältin zu. Allerdings habe der Angeklagte auch viel Geld im Casino verspielt und in Bordellen ausgegeben. Sie hatte als Strafmass eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten als gerechtfertigt erachtet.

Der Verteidiger verlangte 26 Monate und plädierte dafür, dass für einen Teil der Delikte Freisprüche wegen Verjährung gesprochen werden. Das Kreisgericht St. Gallen folgte dieser Argumentation und erachtete alle deliktischen Handlungen vor 2004 als verjährt.

Trotzdem sprach es eine höhere Strafe aus, als von Anklage und Verteidigung beantragt. Das Verschulden wiege schwer, da sich die Delikte über einen langen Zeitraum erstreckten, begründete der vorsitzende Richter das höhere Strafmass.

(sda)