Im Ausland bestellt

12. September 2018 16:46; Akt: 12.09.2018 17:12 Print

Medikamente kosteten statt 20'000 nur 700 Fr

Der Thurgauer Kantonsrat Daniel Frischknecht (54) war an Hepatitis C erkrankt. Er kämpfte erfolgreich gegen die Krankheit – und gegen überteuerte Medikamente.

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Obwohl Hepatitis B und C heilbar sind, sterben an den Virus-Erkrankungen in der Schweiz pro Jahr 200 bis 300 Menschen. Einer der Betroffenen ist der Thurgauer Kantonsrat Daniel Frischknecht, Mitglied der EDU-Fraktion. Der 54-jährige Psychologe erzählte an der Ratssitzung vom Mittwoch von seiner Hepatitis-Infektion, mit der der ehemalige Drogenkonsument 30 Jahre lang lebte. Dank dem christlichen Glauben überwand Frischknecht einst seine Heroinsucht.

Schlapp und müde

Dass er sich mit Hepatitis C angesteckt hatte, wusste er. Doch die Krankheit machte sich lange nicht bemerkbar. 1996 hatte er einen ersten Schub. «Ich fühlte mich schlapp und müde und wäre am liebsten bereits nach dem Mittagessen ins Bett gegangen», erinnert sich Frischknecht. Die Ärzte diagnostizierten eine Leberfibrose und schlugen ihm eine Behandlung mit Interferon vor. Wegen der schweren Nebenwirkungen habe er aber abgelehnt, erzählt Frischknecht.

Vor zwei Jahren seien dieselben Symptome wieder gekommen. Zuerst habe es geheissen, die Erkrankung sei nicht so gravierend, die Krankenkasse müsse die Heilungskosten nicht übernehmen. Doch Frischknecht suchte Hilfe bei einem anderen Spezialisten.

60'000 Franken für Medikamente

Eine Leberpunktion ergab schliesslich die Diagnose Leberzirrhose. «Nun war ich ein schwerer Fall und die Kosten waren kein Thema mehr», sagt Frischknecht. Die Behandlung begann. Als er erfuhr, dass die Medikamente in der Packung, welche die Fachfrau ihm gab, 20'000 Franken kosteten, habe es ihm die Sprache verschlagen.

Für die gesamte Therapie habe er drei Packungen gebraucht, was 60'000 Franken gekostet hätte. Er erkundigte sich bei einem Bekannten, einem Facharzt, nach Alternativen und bestellte schliesslich in Australien Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff.

Diese kosteten mit 700 statt 20'000 Franken pro Packung rund 30-Mal weniger. Die Medikamente habe er aus der eigenen Tasche bezahlt. «Das ist doch Geschäftemacherei. Ich kann nicht verstehen, dass das Bundesamt für Gesundheit diese Praxis der Pharma-Industrie schützt», sagt Frischknecht, der nach der erfolgreichen Therapie von Hepatitis geheilt sei.

Krankheit ausrotten

Am Mittwoch diskutierte der Thurgauer Grosse Rat über eine Interpellation mit dem Titel «Still, aber folgenreich: Bekämpfung der Hepatits B und C Epidemie im Thurgau». Eingereicht hatte sie die Thurgauer SP-Kantonsrätin Marina Bruggmann. Wie die Pflegefrau schreibt, sterben in der Schweiz fünfmal mehr Menschen an den Folgen von Hepatitis C als an HIV-Infektionen, obwohl Hepatits C seit 15 Jahren geheilt werden kann.

Auch der Kanton Thurgau wolle seine Anstrengungen im Kampf gegen Hepatitis verstärken, versprach Gesundheitsdirektor Jakob Stark im Grossen Rat. Obwohl die Durchimpfungsrate für Hepatitis B bei den Jugendlichen gestiegen sei, liege sie im Thurgau nur bei 61 Prozent. Im Schweizer Durchschnitt sind 71 Prozent der Jugendlichen gegen die sexuell übertragbare Krankheit geimpft.

Das vor vier Jahren auf privater Basis gegründete Netzwerk Hepatitis-Strategie Schweiz will die virale Hepatitis in den nächsten 15 Jahren eliminieren. Die Konferenz der Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) unterstützt das Netzwerk ideell. Die Kantone sind angehalten, Präventions- und Sensibilisierungsmassnahmen zu unterstützten.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin G. am 12.09.2018 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange klar

    Schafft mal diese Lobby ab und macht es genau so. Krankenkassen sollen Auslandmedis bezahlen können und schon werden sehr viele Medikamente zwangsläufig günstig(er). Immer höhere Prämien und höhere Franchisen, anstatt den geldgierigen Pharmariesen ein Stopschild vor die Nase zu setzen. Ich kann schon lange nur noch den Kopf schütteln

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  • Negan am 12.09.2018 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Es wird Zeit, dass die Medis endlich auf ein normales Preisniveau sinken. So lassen sich auch KK-Kosten sparen!

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  • Schorsch am 12.09.2018 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Auch CHF 700.- sind zuviel

    Denn die Forschung ist schon längst bezahlt und die Produktion einer Packung kostet CHF 2.34!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Avenarius am 13.09.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich sein

    Beim Arzt an der Medi-Übergabe sagen: "Ah, die bestelle oder hole ich im Ausland - ist besser für die KK-Prämien - und mein Portemonnaie."

  • KHF am 13.09.2018 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mathe-Stunde

    1x weniger ist 0. warum wird immer wieder dieser nicht mathematisch korrekte Terminus verwendet? Was im Artikel gemeint ist, dass die Kosten ca. 1/30 betragen. Oder, um es präziser zu formulieren, 1/28.5.

  • Firefighter118 am 13.09.2018 04:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharma Konzerne sind schuld an der Teuerung

    Ich sage es ja schon lange. An der Jährlichen Teuerung, Erhöhung der KK-Prämie ist einzig und alleine die Pharma-Konzerne schuld. Man schaue wieviel PROFIT (REINGEWINN) die Jährlich machen. Dort sollte man das Problem bekämpfen und zusätzlich sollte die KK im Ausland gekaufte Medis bezahlen. WIR (das Volk) macht aktiv mit um dieKosten zu senken, aber wo sind die KKs, Politiker, Lobbisten?

    • Xeno72 am 14.09.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chabis@Firefighter118

      Wenn die Medikamente gratis würden, könnten die Prämiensteigerungen höchstend für 5 Jahre verhindert werden. Das ist deshalb so, weil Ihre Behauptung über die Kostenursache katzfalsch ist.

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  • Max Mutti am 13.09.2018 01:17 Report Diesen Beitrag melden

    Hepatitis B nicht heilbar

    Chronische Hepatitis B lässt sich durch Medikamenten nicht heilen. Eine Ausheilung ist schon möglich, aber kein Medikament kann dies bewirken. Die Therapie dauert ein Leben lang, was für die Pharma traumhaft ist. Wenn einer behauptet das die Pharmaindustrie mit 150CHF für Impfung die Kassen füllt, muss berechnen wieviel eine lebenslange Therapie, die jährlich 15-20 000 kostet, wieviel lukrativer für sie ist. Bitte lasst euch gegen Hep B impfen! Weil ich vor der Impfungeinführung geboren bin, habe ich die Krankheit seit meiner Kindheit...

    • Xeno72 am 14.09.2018 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      richtig@Max Mutti

      Danke. Aber sicher kommt beim nächsten Artikel übers Impfen wieder einer und faselt, Impfungen seien das Megageschäft der Pharma.

    • Lara, nicht alles egal! am 14.09.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

      Xeno72

      ..., jede Impfung sollte man sich ernsthaft ueberlegen...,schauen Sie sich mal den Imschaden-Katalog an..., hoert auf Impfungen zu verherrlichen!

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  • Helge am 13.09.2018 00:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DE

    Kaufe Medis schon lange in DE. Wo hier eine Kopfwehtablette 1.- kostet ist sie in DE 10 Rappen. Nirgends sonst ist der Preisunterschied so gross.

    • Thomas am 13.09.2018 06:21 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr gut

      Dito. Hab ich mir auch angewöhnt. Selbt Antibiotika bekommt man über DE. Gottseidank. Das CH Gesundheitssystem macht einfach nur krank. Und ist einzig zur Bereicherung der Reichsten.

    • Ruedi am 13.09.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

      mach ich auch....

      10 Tabletten ibuprofen 400 kosten in der Schweiz Fr. 10.-- in Deutschland bestelle ich 20 für Fr. 1.60....man rechne.....ist eine Zumutung dass von unserer SP nicht schon lange eine Intitiave kommt, die z.B. lautet: Medikamentenpreise dürfen in der Schweiz höchstens 20% höher sein als im Durschnitt der EU...so einfach wäre das.....aber die SP ist anscheinend gerade einmal mehr im Tiefschlaf....viel wichtiger scheint es, die Stadt Zürich mit 30 Zonen zu überplastern...

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