St. Gallen

10. Juli 2019 11:21; Akt: 10.07.2019 11:51 Print

Mehrere Skelette unter Schule freigelegt

Die Kantonsarchäologie St. Gallen führte von Anfang April bis Ende Juni 2019 eine Ausgrabung durch. Unter dem Vorplatz der Gewerbeschule wurden über 60 Gräber ausgehoben.

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Die Ausgrabung an der Kirchgasse 15 in St. Gallen bot die einmalige Gelegenheit, einen Teil des ehemaligen Friedhofs bei der St. Mangenkirche zu untersuchen, der nicht durch Werkleitungsarbeiten oder sonstige Bodeneingriffe gestört worden war. Auf einer Fläche von knapp 19 Quadratmetern legte das Grabungsteam von Anfang April bis Ende Juni insgesamt 63 Gräber frei, die sich über vier Bestattungsebenen verteilten. Es handelt sich um Körpergräber in gestreckter Rückenlage, wie es am Mittwoch in einer Mitteilung der Staatskanzlei heisst.

Mit wenigen Ausnahmen waren die Verstorbenen mit «Blickrichtung» nach Osten beigesetzt. Unter den Verstorbenen sind alle Altersgruppen vertreten. Neben den regulären Bestattungen fanden sich zahlreiche menschliche Streuknochen, die von der Jahrhunderte dauernden Nutzung des Areals als Friedhof zeugen. Die jüngsten Gräber dürften ins ausgehende 19. Jahrhundert datieren, während einige Gräber der untersten Bestattungslage möglicherweise ins Mittelalter zurückreichen. Im Weiteren wurden Reste von Kleidungsstücken und von Särgen gefunden.

Archäologie in der St. Galler Altstadt

Im Bereich des Kirchhügels von St. Mangen lag im 9./10. Jahrhundert die nördliche der beiden Kernsiedlungen, aus denen sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Abtbischof Salomon III. liess 898 die Kirche St. Mangen erbauen. Der zugehörige Friedhof bestand mindestens seit dem Spätmittelalter und wurde ab 1566 alleiniger Stadtfriedhof. 1876 erfolgte die teilweise und um 1902 die vollständige Aufhebung des Friedhofs. Wenig später wurde die Gewerbeschule (Kirchgasse 15) errichtet.

Im kantonalen Richtplan ist die Altstadt St. Gallen als archäologische Fundstelle ausgewiesen. Dies bedeutet, dass sämtliche Bodeneingriffe durch die Kantonsarchäologie beurteilt und begleitet werden müssen. Die Abteilung Entsorgung der Stadt St. Gallen hatte für den Sommer 2019 den Bau eines neuen Unterflurbehälters vor der Gewerbeschule geplant. Da die Kantonsarchäologie frühzeitig über das Projekt informiert worden war, konnten die Ausgrabungen vor den eigentlichen Bauarbeiten durchgeführt werden und beeinträchtigten diese auch nicht.

Aufwändige Nacharbeiten

Zurzeit werden die menschlichen Skelettreste und die übrigen Grabungsfunde gewaschen, beschriftet und inventarisiert. Später folgt die anthropologische Bestimmung, die neben Daten zu Alter und Geschlecht auch Resultate zu Krankheiten und Verletzungen liefern soll. Hinzu kommt die naturwissenschaftliche Datierung ausgewählter Gräber.

Die Ergebnisse werden zur Stadtgeschichte beitragen und neue Hinweise zur Bevölkerungsentwicklung und -struktur der Stadt St. Gallen geben. Nach Abschluss der Untersuchungen werden die Gebeine in ein als Friedhof anerkanntes Lager überführt.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredy am 10.07.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Klar haben die alle nach Osten geschaut. Die wollten sehen ob die OLMA schon auf hat.

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  • Chiquiii am 10.07.2019 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Ich finde es fragwürdig, dass beim Erbau der Gewerbeschule noch nichts gefunden wurde. Oder hatte man dort villeicht noch kein Interesse daran?

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  • A. Ch. L. Z. am 10.07.2019 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum? ¿?

    Warum wurde die die kirche bzw der Friedhof abgebaut ohne dass man die Gräber verlegt hat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Meine am 11.07.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich

    Schauen wir einander in die Augen? Oder zusammen vorwärts! Sind bloss Gedanken!

  • Roberto_SG am 10.07.2019 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Normal.

    Daher kommt doch der Spruch "der hat noch Leichen im Keller". Das gilt vor allem für Gewerbelehrer. ;-)

  • Arlette Chläschis am 10.07.2019 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind ...

    Die Ersten Klimaaktivisten , warscheinlich war schon damals nicht gerade das beste Klima....

    • K.K.K. am 10.07.2019 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arlette Chläschis

      Vielleicht war das Klima damals auch nicht besser als Heute , oder die haben ihre CO2 Abgaben nicht bezahlt und wurden deswegen hingerichtet .....

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  • Gladiator am 10.07.2019 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erde

    Ja früher wurden unsere Verstorbenen ewig in der Heimaterde liegen gelassen. Heute wird man nach 20 Jahren wieder ausgegraben. Juden und Muslime dürfen aber immer in unserer Heimaterde liegen!

    • Roman am 10.07.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gladiator

      Es wird niemand ausgegraben ,nach 20 Jahren wird nur der Grabschmuck entfernt und später wird eine Lage höher neu bestattet waren ja dort auch mehrere lagen übereinander.

    • Simon am 10.07.2019 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roman

      Natürlich wird man ausgegraben. Das heisst, das was übrig bleibt. Und das ist bei lehmhaltiger Erde oft viel mehr, als man denkt.

    • Ruedi am 10.07.2019 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      @gladiatorin

      ich glaube wenn wir Sterben sind wir frei von solchen irdischen dingen...wie Heimat oder Rasse.Traurig das es dafür den Tod braucht.

    • Dominik am 10.07.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Gladiator @Roman

      Es ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Nach 20 Jahren wird auf den meisten Friedhöfen niemand ausgegraben. @Roman hat recht, meistens bleiben die Überreste noch viel länger in der Erde. freundliche Grüsse Der Bestatter

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  • Jonas am 10.07.2019 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffe nicht in Vitrinen

    Interessant aber hoffentlich werden sie nicht in Vitrinen enden sondern bekommen ein neues Geimeinschaftsgrab.

    • Oliver am 10.07.2019 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jonas

      Warum ein Gemeinschaftsgrab? Was wenn sie einander nicht gern gehabt haben?

    • Simon am 10.07.2019 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jonas

      Wo liegt die Grenze zwischen Grabschändung und Archäologie?

    • Der Bestatter am 10.07.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Tit@Simonel

      Der Unterschied liegt im Zeitpunkt und in der Art und weise wie ein Grab geöffnet wird.

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