Roggwil TG

02. November 2015 07:32; Akt: 02.11.2015 11:12 Print

Millionärssohn geht mit Luxus-Label pleite

Mit seinen ausgefallenen Kreationen kleidete der Thurgauer Mathias Müller die Fussballprominenz ein. Nun steht sein Label Royal Sunday vor dem Aus.

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Müllers Kundenliste las sich wie ein Panini-Album: Fussballstars wie Cristiano Ronaldo, Manuel Neuer, Sergio Ramos, David Silva, Granit Xhaka oder Xherdan Shaqiri sowie weitere Prominenz wie Model Xenia Tchoumitcheva und DSDS-Juror Dieter Bohlen trugen Royal-Sunday-Kreationen.

Nun muss Mathias Müller sein Modeunternehmen Royal Sunday dichtmachen. Der Sohn von Karl Müller (63), der mit seinen MBT-Schuhen ein Vermögen machte, hat sich verschätzt. «Der Aufbau der Idee ‹Be your own designer› dauerte ein Jahr länger als geplant und das Geld ging mir langsam aus», so der 27-Jährige am Sonntag gegenüber 20 Minuten.

Letztes Jahr stieg der Vater aus

Ohne eine Berufsausbildung hatte Mathias Müller vor zehn Jahren mit dem Modemachen begonnen. My Mui hiess das Label damals – aber nur bis das italienische Modehaus Miu Miu intervenierte: Müller taufte sein Unternehmen danach in Royal Sunday um. «Be your own designer» umschrieb er sein Konzept. Müller präsentierte seinen Kunden das Basismodell eines Kleidungsstücks – diese konnten es dann den eigenen Wünschen gemäss anpassen und kamen so zu einem Unikat.

Jahrelang konnte der Jungunternehmer auf die Unterstützung seines Vaters zählen. Vor rund einem Jahr stieg der Senior aus. Nun ist Royal Sunday bereits am Ende. Dabei sei auch Pech im Spiel gewesen, sagt Mathias Müller: Ein Grossauftrag sei in letzter Sekunde storniert worden. «Geblieben sind die hohen Fixkosten», so Müller.

Kein Konkurs, kein Ausverkauf

19 Angestellte in Südkorea und in der Schweiz verlieren nun ihre Jobs. «Sie werden unter Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen», sagt Müller. Die Firma werde sauber abgewickelt, einen Konkurs werde es nicht geben.

Müller blickt dennoch mit Stolz auf sein Werk zurück: «Es war ein gutes Gefühl, die Fussballstars in unserer Kollektion zu sehen», sagt er. Und er gibt sich auch selbstkritisch: «Rückblickend hätte ich das Unternehmen viel kleiner aufbauen sollen.» Über seine weitere Zukunft habe er sich noch keine grossen Gedanken gemacht, sagt der 27-Jährige. Mode sei seine grosse Leidenschaft – deshalb könne er sich vorstellen, es in zwei, drei Jahren mit einem Neustart zu versuchen. Etwas Gewöhnliches würde es aber auch dann nicht sein. Müller: «Dann wären wir einer von vielen.»

Zunächst gilt seine Aufmerksamkeit der Abwicklung der Geschichte von Royal Sunday. Einen Ausverkauf der Luxus-Stücke wird es laut Müller aber nicht geben: «Das wäre unfair gegenüber den Kunden, die viel Geld für unsere Kleider ausgegeben haben.»

(mlü)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Formantor am 02.11.2015 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    billigst produziert, teuerst verkauft.

    in südkorea billig herstellen lassen und überrissene preise dafür fordern, das ist in der heutigen zeit sowieso zum scheitern verurteilt.

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  • Chris am 02.11.2015 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Grübel und studier

    Als passionierter Modemuffel ist es mir eigentlich egal... Man müsste das Vertriebsmodell ansehen, wahrscheinlich ist es für den Durchschnittskunden Kunden einfach zu mühselig gewesen? Vielleicht gelingt ja noch eine Allianz mit einem grösseren Modelabel, wäre schade um das Kundenportfolio.

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  • Robert Roger am 02.11.2015 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee...

    ...doch ein Haufen Promis sind noch kein garant für Erfolg. Schade

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cosimo am 02.11.2015 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Korean Trading

    Seoul war schon vor 16 Jahren alles andere als billig, sprich,sicherlich kein günstiges Pflaster - mal sicherlich entwickelter als menges Land in Europa.

  • Tiffany am 02.11.2015 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschenken

    Tolles Produkt. Schade. Wenn es keinen Ausverkauf / Konkurs gibt, können Sie die Ware ja verschenken. Wir nehmen sehr gerne etwas-:)

  • P. Atrick am 02.11.2015 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Ausbildung....

    Wie wärs mit einer Ausbildung?! Was sind das für Eltern? Heute keine Ausbildung.... Da braucht es viel, um auf eine solche verzichten zu können. Verhungern wird der junge Bursche dennoch mit Sicherheit nicht.

    • Asuano am 02.11.2015 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @P. Atrick

      Meines wissens hat er sehr wohl eine Ausbildung zumindest eine matura. Genau so wie seine geschwister, vondenen die meisten in soul im modebuissnes sind.

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  • Anna am 02.11.2015 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Danke, Royal Sunday!

    Günstiger in Südkorea produzieren - aber das fair! Mit ihrer echten und überzeugenden Vorgehensweise hat Royal Sunday nicht nur Menschlichkeit bewiesen, sondern auch verstanden, was der Kunde von heute will. Ich selbst habe drei Einzelstücke dieser Marke in meinem Kleiderschrank. Wenn vielleicht auch teurer als der Rest darin, ich freue mich immer sehr darüber und danke speziell Mathias Müller für sein Engagement und seine Leidenschaft für dieses Werk. Mit allem, was dazugehörte.

  • Alles Müller oder,was? am 02.11.2015 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Papis Sohn!!!!

    Das er am Erfolg seines Vaters gemessen wird,hat er wahrscheinlich unterschätzt. Das ist der Fluch der Erfolgreichen Eltern. Hätte er dieses Geld mal schlauerweise in eine solide Ausbildung investiert und versucht in einem ganz andern Bereich seine Karriere voran zu treiben.