Wil SG

09. September 2019 18:22; Akt: 10.09.2019 12:29 Print

Missbrauchsopfer wird von Bekannten kritisiert

Das Chaos im RLZO in Wil geht weiter: Die Geschäftsführerin reichte die Kündigung ein. Das mutmassliche Missbrauchsopfer kehrt trotz Kritik ins Training zurück.

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Im Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz RLZO wirbelt der Missbrauchsfall das Tagesgeschäft noch immer kräftig durcheinander. Nach dem Vorwurf einer 17-jährigen Turnerin vor rund einem Monat, dass der Cheftrainer sie missbraucht habe, tritt nun die Geschäftsführerin Murielle Zeller zurück.

Nach nur acht Monaten Amtszeit reichte sie ihre Kündigung ein, berichtet das «Tagblatt». «Die Kündigung auf Ende Jahr ist bei uns eingegangen», bestätigt Sven Bradke, Medienbeauftragter des RLZO auf Anfrage von 20 Minuten. Dass die Kündigung jedoch mit den Vorfällen zusammenhänge, kann er nur teilweise bestätigen. «Das Amt der Geschäftsleitung ist eine Teilzeitstelle. Der hohe zusätzliche Zeitaufwand, den Murielle Zeller aufbringen musste, ging auf Kosten ihrer Freizeit, beziehungsweise des Familienlebens», so Bradke. Eine Neubesetzung der Stelle werde gesucht.

Der beschuldigte Cheftrainer des Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) sitzt bereits seit rund vier Wochen in Wil in Untersuchungshaft, weil eine 17-jährige Kunstturnerin ihn wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatte. Die Ermittlungen der St. Galler Staatsanwaltschaft wegen den mutmasslichen Übergriffen an der Minderjährigen laufen seither.

Ausschluss aus dem Training

Die Jugendliche habe sich seit der Anzeigeerhebung gegenüber gewissen Vereinsmitgliedern der Illoyalität schuldig gemacht, schreibt das «Tagblatt» weiter. Aus diesem Grund dürfe sie laut diversen Quellen nicht mehr am offiziellen Training teilnehmen. Um trotzdem keine sportliche Krise zu erleben, könne die Kunstturnerin zu Randzeiten am Morgen in die Turnhalle kommen.

Bradke dementiert gegenüber 20 Minuten, dass die Athletin ausgeschlossen wurde: «Das mutmassliche Opfer wollte laut meinen Erkenntnissen anfänglich nicht mehr am ordentlichen Training teilnehmen, da sie eine Pause brauchte.» Auf den Wunsch der 17-Jährigen wurde sie anschliessend zu Randzeiten wieder ins Training eingegliedert. «Im Laufe der kommenden Wochen wird sie wieder wie gewohnt am Training teilnehmen. Dies unter psychologischer Begleitung.» Diese Betreuung komme aber allen Mitgliedern der Spitzengruppe zugute.

Elterngruppe kritisiert Jugendliche

Die Mutter der 17-Jährigen gibt sich auf Anfrage von 20 Minuten wortkarg zu den neusten Entwicklungen: «Es ist nicht sinnvoll, zu sprechen. Wir wollen ruhig bleiben, da wir ohnehin schon in Kritik stehen.» Denn wie das «Tagblatt» schreibt, wollte eine Elterngruppe verhindern, dass das Mädchen wieder im Spitzenkader mittrainieren darf: Sie habe angeblich einen schlechten Einfluss auf die Kinder. Grund für diese Denkweise ist, dass die Elterngruppe glaube, das Mädchen erzähle nicht die Wahrheit.

(maw)