Glarus

06. April 2019 10:31; Akt: 08.04.2019 17:03 Print

Mit diesem Schwert wurde Anna Göldi geköpft

von J. Büchel - Historiker konnten das Richtschwert, mit dem Anna Göldi enthauptet wurde, zuordnen. Nun wird es im Museum ausgestellt.

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«Anna Göldi wurde nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt», klärt Walter Hauser, Präsident der Anna-Göldi-Stiftung, auf. «Sie wurde geköpft.» Noch immer würden viele Menschen in der Schweiz und sogar in Glarus glauben, dass «die letzte Hexe Europas» verbrannt wurde.

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Um Aufklärung über die Hinrichtung von Göldi zu leisten, wird ab Samstag eine Nachbildung des Schwertes, mit dem die Hinrichtung vollzogen wurde, im Anna-Göldi-Museum in Ennenda GL ausgestellt. Auch das Original wird zur Saisoneröffnung des Museums diesen Samstag gezeigt werden. Danach wird es im Henkermuseum in Sissach zu sehen sein, dessen Betreiber Guido Varesi Besitzer des Richtschwertes ist.

Scharf wie Rasiermesser

Solche Schwerter wurden früher benutzt, um Hinrichtungen zu vollstrecken. Im Gegensatz zu klassischen Schwertern verfügen sie über keine Spitze, da man Richtschwerter nicht als Stichwaffe benutzt. Dafür ist die Klinge sehr scharf. «Wie bei einem Rasiermesser», sagt Hauser. Auch auf Verzierungen wurde bei Richtschwertern verzichtet, da diese keinen repräsentativen Charakter hatten.

«Im Gegenteil, denn Scharfrichter wurden von der Gesellschaft gefürchtet und verachtet», sagt Hauser. Ende des 18. Jahrhunderts war es in vielen Gegenden der Schweiz untersagt, sich mit einem Scharfrichter zu vermählen. «Das führte dazu, dass die Scharfrichterfamilien fast nur unter ihresgleichen heirateten.»

Vor Exekution gefoltert

Bei Anna Göldi kamen Scharfrichter der Familie Volmar zum Einsatz, wie Recherchen von Walter Hauser, Sachbuchautor des Werks «Anna Göldi - Hinrichtung und Rehabilitierung» ergaben. Gleich drei Volmars kamen 1782 nach Glarus, um Göldi zu foltern und später zu exekutieren.

Zum einen Johann Jakob Volmar aus Wil, der von Beruf Arzt war und deswegen bei der Folterung dienlich war. Schliesslich mussten die Arme von Göldi jeweils wieder ordnungsgemäss eingerenkt werden, damit man sie erneut foltern konnte. Göldi wurde vor der Urteilsvollstreckung dreimal gefoltert, vermutlich kamen Zug- und Streckfolter zur Anwendung. Zudem starben damals die Verurteilten teilweise bereits bei der Folter, so dass die öffentliche Enthauptung ins Wasser fiel.

Zum anderen nahm Johanns Onkel Franz Leonhard Volmar teil. Dieser kam mit seinem unehelichen Sohn Franz Volmar. Der damals 19-Jährige war zu diesem Zeitpunkt wohl noch kein ausgebildeter Scharfrichter und nahm wohl als Gehilfe und Zeuge teil.

Vom Richtplatz zum Parkplatz

Gerichtet wurde unterhalb des heutigen Sonnenhügels in Glarus, wo heute der Parkplatz des Kantonsspitals steht. Früher hiess der Hügel noch Galgenhügel, denn im Mittelalter und auch danach wurden Todesurteile teilweise durch den Strick vollstreckt. «Zu Anna Göldis Zeit war das Strafrecht immerhin so weit fortgeschritten, dass die Verurteilten nicht mehr gehängt und Hexen nicht verbrannt wurden», sagt Hauser.

Die Überreste von Göldi wurden nach der Exekution, der wohl hunderte Schaulustige beiwohnten, beim Galgenplatz verscharrt, da eine ordentliche Beerdigung für Hexen nicht vorgesehen war. Als 1926 eine Strasse gebaut wurde, wurden die Gebeine von Anna Göldi und weiteren Verscharrten entsorgt. Als beim Aushub Knochen gefunden wurden und in der Öffentlichkeit über Skelette von Hingerichteten spekuliert wurde, gaben die Behörden bekannt, es handle sich um Oberschenkelknochen von Katzen.

Schwert im Wert eines Mercedes

Zur Hexe wurde Göldi, weil ihr vorgeworfen wurde, sie habe Nadeln in die Milch der Tochter ihres Dienstherrn gezaubert. Tatsächlich wollte dieser Anna Göldi loswerden. Der evangelische Rat urteilte, dass Göldi eine Giftmörderin sei, und verurteilte sie im Juni 1782 zum Tod durch das Schwert.

Die Nachbildung des Schwertes ist ab sofort im Göldi-Museum in Ennenda GL zu sehen. Es wiegt rund zwei Kilo und ist 110 Zentimeter lang. Es wurde von einem Waffenschmied erstellt und kostete rund 2000 Franken.

«Früher waren Richtschwerter sehr teuer», sagt Hauser. Wenn man es auf die heutige Zeit umrechne, hätten sie etwa so viel gekostet wie heute ein ordentlicher Mercedes. Auch deshalb sei Scharfrichter kein Job für jedermann gewesen. Die Richtschwerter waren selten und teuer.