St. Gallen

18. Oktober 2019 04:55; Akt: 18.10.2019 04:55 Print

«Was er sich leistet, ist unter aller Kanone»

Eine Politikerin fordert die Absetzung des Moderators der Säulirennen. Sie wirft ihm Sexismus vor. Der Olma-Direktor blockt ab.

Der Moderator der Säulirennen wird wegen seinen Sprüchen von einer Politikerin arg kritisiert.
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Christian Manser ist die Stimme der Säulirennen an der Olma in St. Gallen. Seit 18 Jahren steht er jeweils um 16 Uhr in der Arena und moderiert täglich die Rennen. Geht es nach Margrit Blaser Hug, Co-Präsidentin der SP des Kantons St.Gallen und der SP Frauen Kanton St. Gallen, soll damit nun Schluss sein. Sie sagt: «Was er sich leistet, ist unter aller Kanone. Das geht an einem Anlass mit Kindern wie an der Olma nicht.» Blaser wirft dem Moderator in einem Leserbrief, der am Mittwoch im «St. Galler Tagblatt» erschien, Sexismus vor. Im Gespräch mit 20 Minuten sagt sie: «Seine Sprüche sind in höchstem Masse diskriminierend Frauen gegenüber. Das geht in der heutigen Zeit einfach nicht.»

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Tatsächlich klopft Manser in seinen Moderationen viele Sprüche und vergleicht die Schweine gerne mit Frauen. Da fallen auch Sätze wie «Man kann sie nie einschätzen. Sie ist unser Boxenluder». Oder als eine Sau machte, was sie wollte, sagte er: «Das ist eine schlecht erzogene Sau. Das kommt mir vor wie zu Hause». In der Arena ist nach solchen Sprüchen jeweils ein Gelächter zu hören.

Unterschiedliche Empfindlichkeiten

Christian Manser sagt zu seinen Sprüchen selbst: «Ich ziele sicher nicht darauf ab, jemanden zu verletzten. Ich versuche Sprüche, die sexistisch wirken könnten, zu vermeiden. Gelingen tut mir das nicht immer.» Manser meint aber auch, dass es eine Frage der Interpretation sei und nicht alle den gleichen Humor teilen würden.

«Was er sich leistet, ist unter aller Kanone»

Wichtig sei für ihn, dass viele Leute ans Säulirennen kommen und eine gute Stimmung herrsche. Und er versichert: «Sobald ich vom Publikum oder der Olma-Direktion vermehrt negatives Feedback bekomme, ändere ich mich. Das glaubt Blaser nicht: «Er kann sich nicht ändern», meint sie und erinnert daran, dass es nicht das erste Mal sei, dass Mansers Art in die Kritik gerät.

Ihre Kritik richtet die Politikerin auch an den Olma-Direktor Nicolo Paganini. Als Direktor könne er bei «derart krassen sexistischen Verfehlungen» doch nicht tatenlos zuschauen. «Er muss den Moderator entweder austauschen oder schauen, dass sich Manser bessert.» Sonst sei der Ruf der Olma in Gefahr.

Direktor gibt Rückendeckung

Für Paganini ist die Kritik an den Haaren herbeigezogen. Er sagt: «Das Säulirennen und die Moderationen von Manser sind ein Publikumsmagnet für die Olma. Die Leute kommen gerade wegen ihm.» Er mache den Leuten Freude. Klar, sei nicht jeder Spruch mit ihm abgesprochen, aber das verlange er auch nicht. «Ich will ihm die Spontanität auf keinen Fall nehmen. Aber alles hat Grenzen. Rassismus, Sexismus oder Menschenverachtung kann ich nicht dulden.»

Auch eine deutliche Mehrheit der Zuschauer der Säulirennen steht hinter dem Moderator. In einer kleinen Umfrage von 20 Minuten hat die Mehrheit angegeben, dass sie die Art von Manser mag.

Für Olma-Direktor Nicolo Paganini ist trotz der Kritik klar: «Christian Manser bleibt unser Moderator der Säulirennen.»

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ruth Federer am 18.10.2019 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Frau Blaser, haben Sie sonst keine Probleme? Ich bin eine Frau und mich stören die Sprüche überhaupt nicht. Sind für mich im weiteren sehr wohl Kinder-tauglich. Meine Tochter findet das auch. Ich will, dass es so bleibt. Habe ich nun als Frau die das Gegenteil von Ihnen fordert, weniger Rechte? Unter aller Kanone finde ich dafür Ihr "Drama-Queen-Gehabe".

  • Josef am 18.10.2019 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem seine Meinung.

    Aber das Verhalten von Frau Blaser ist problematisch. Sie versucht über den Arbeitgeber Herr Manser zu schaden. Sind wir wirklich schon so in einer Meinungsdiktatur, dass jeder um seine Arbeit fürchten muss, wenn er eine andere Weltsicht hat?

  • Alf am 18.10.2019 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Unter aller Sau?"

    Kaum redet man von dieser Politikerin nicht, muss sie sich auf eine Art bemerkbar machen, welche hier ganz klar nicht angebracht ist! Man merkt, dass die Wahlen kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Fischer am 18.10.2019 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt der humor

    Wenn die Leute keinen Spass verstehen bleibt zuhause und redet mit niemanden. Humor macht das Leben lebenswert

  • Ol Ma am 18.10.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlkampfgeplänkel

    Frau Blaser-Hug geht es um reinen Wahlkampf. Im (nicht vollständig) zitierten Leserbrief schiesst sie eigentlich auf den Nationalratskandidaten Paganini. Anscheinend fand die SP- Dame bis dato keine anderen Argumente um Paganini zu desavouieren. Im Säuli-Rennen, dass ALLE komplett begeistert, scheint sie es nun gefunden zu haben....

  • Bob-Design am 18.10.2019 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollte selber abgesetzt werden

    Die Mehrheit sieht es anders. Wäre wirklich schade wenn er wegen einzelne Kritiken abgesetzt würde. Leider passiert sowas immer häufiger. Man sollte diese Frau von der Politik absetzen, sie denkt weil sie eine Co. Präsidentin von der SP ist könne sie sich in allem einmischen. Naja, dies wird wohl nicht geschehen.

  • Dila Keller am 18.10.2019 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...ich verstehe die Aufregung nicht

    Die Sprüche sind doch harmlos... und meiner Ansicht nach...nicht sexistisch. Auf jeden Fall sehr unterhaltsam wie er die 'Sauerei' präsentiert.

  • Mama Mia am 18.10.2019 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als Frau fühle ich mich nicht angesprochen

    Ich verstehe die Sexismusvorfürfe nicht. Also ich werde von meinem Mann zu Hause nicht erzogen, aber wir erziehen unsere Kinder. Dem Boxenluderspruch kann man am ehesten noch was zuschreiben, aber wenn das nicht mehr geht, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Man muss auch die Kirche im Dorf lassen und die Olma ist eine bäuerliche Veranstaltung da dürfen ein paar olle Schenkelklopfer hin. Sie soll sich echten Themen widmen, dies ist keins.