Frauenfeld

16. April 2015 14:33; Akt: 16.04.2015 14:33 Print

Mutmasslicher Pädophiler aus U-Haft entlassen

Ein Mann soll 2014 in einem Hallenbad in Frauenfeld Knaben sexuell belästigt haben. Nun wird er aus der U-Haft entlassen, weil er in der Schweiz ein Ersttäter ist.

storybild

Das Bundesgericht Lausanne hat entschieden, dass der mutmassliche Pädophile die U-Haft verlassen darf. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines wegen sexuellen Handlungen mit Kindern beschuldigten Mannes gutgeheissen, der sich gegen die Weiterführung der Untersuchungshaft wehrte. Er gilt in der Schweiz trotz früher begangener Delikte als Ersttäter, weil Verurteilungen in Deutschland wegen ähnlicher Delikte nicht berücksichtigt werden dürfen.

Die Verurteilungen durch das Amtsgericht Baden-Baden (D) wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern stammen aus den Jahren 1995 und 2000. Wären sie in der Schweiz erfolgt, hätten die Einträge bereits aus dem Strafregister gestrichen werden müssen.

Nach einer Streichung dürfen einem Beschuldigten die getilgten Vortaten nicht mehr vorgehalten werden. Dies gilt auch für diese Vortaten, weil nicht der Ort der Begehung, sondern der Zeitablauf entscheidend ist. Damit gilt der Beschuldigte in der Schweiz als Ersttäter.

Am Geschlechtsteil herumgespielt

Weil zudem die Wiederholungsgefahr gemäss einem psychiatrischen Gutachten nicht als sehr wahrscheinlich erscheint und die Beweislast nicht erdrückend ist, muss der seit Oktober 2014 Inhaftierte freigelassen werden.

Der Beschuldigte soll 2014 in einem Hallenbad in Frauenfeld Knaben auffällig lüstern beobachtet und vor zwei von ihnen an seinem Geschlechtsteil manipuliert haben. Einen weiteren Knaben soll er aufgefordert haben, ohne Badehose zu duschen.

Es besteht zudem der Verdacht, dass der Mann 2012 in einem Hallenbad in Schaffhausen einem Siebenjährigen zwei Mal die Hose herunter gezogen und diesen an den Geschlechtsteilen berührt hat.

Psychotherapeutische Behandlung

Um eine Wiederholungsgefahr zu senken, darf die zuständige Schaffhauser Staatsanwaltschaft jedoch Auflagen erlassen, wie das Bundesgericht in seinem Entscheid festhält.

Denkbar ist beispielsweise das Verbot, Anlagen wie Badeanstalten, Schulen und dergleichen, die von Kindern benützt werden, zu betreten. Auch die Anordnung einer regelmässigen psychotherapeutischen Behandlung kommt in Betracht.

(sda)