Monster-Prozess

09. Januar 2011 17:49; Akt: 09.01.2011 17:50 Print

Mutmasslicher Taximörder vor Gericht

Am Dienstag beginnt der achttägige Monster-Prozess gegen den 29-jährigen Deutschen, der als mutmasslicher Taximörder für Angst und Schrecken gesorgt hatte.

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Nach ein paar Tagen intensivster Ermittlungen, konnte die Soko Taxi den mutmasslichen Täter schnappen. (Bild: Keystone)

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Der Mord an einer Taxifahrerin in Hagnau und die grausame Vergewaltigung einer weiteren Taxifahrerin in Singen haben im Sommer 2010 für bundesweites Aufsehen gesorgt. Die intensiven Ermittlungen führten wenige Tage nach der Tat zur Verhaftung von Andrej W. in Senftenberg (Brandenburg), als er gerade in der Gartenlaube von Verwandten ein Spiel der Fussball-WM sah. Er liess sich widerstandslos festnehmen. DNA-Spuren hatten den entscheidenden Hinweis auf den 29-Jährigen geliefert. Ab Dienstag (11. Januar) muss sich der Angeklagte vor dem Konstanzer Landgericht verantworten, ein Urteil könnte am 8. Februar fallen.

Die Staatsanwaltschaft wirft Andrej W. vor, am 9. Juni 2010 eine 32-jährige Taxifahrerin in Hagnau am Bodensee in unmittelbarer Nähe zu Freibad und Campingplatz mit mehreren Messerstichen in den Hals getötet haben. Darüber hinaus wird ihm die Vergewaltigung einer weiteren Taxifahrerin tags zuvor in Singen zur Last gelegt. Auch diese Frau hat der mutmassliche Täter mit Messerstichen in den Hals lebensgefährlich verletzt.

Prozess bewegt Taxifahrer am Bodensee
Die Tage bis zur Festnahme des Verdächtigen erlebten viele Taxifahrer am Bodensee in einem Schockzustand. Marcel Fuhrmann, Chef der Taxizentrale in Friedrichshafen, bei der das Opfer beschäftigt war, sieht dem Prozess mit gemischten Gefühlen entgegen: «Das wühlt ganz sicher noch einmal nicht verschlossene Wunden auf.» Rund sechs Monate nach der Tat sei zwar wieder eine gewisse Normalität in den Betrieb eingekehrt, «dennoch fährt die Angst, dass so etwas noch einmal passiert, immer mit». Fuhrmann rechnet fest mit einer Verurteilung im Prozess, zu dem er als Zeuge geladen ist. «Was mir zu schaffen macht ist, dass dieser Mensch einem dann in der Verhandlung Auge in Auge gegenüber sitzt.»

Gutachter soll Schuldfähigkeit des mutmasslichen Täters beurteilen
Aus Sicht der Staatsanwaltschaft Konstanz ist die Sachlage klar: «Zumindest was den äusseren Ablauf der Tat angeht, ist die Beweislage eindeutig», sagt Oberstaatsanwalt Christoph Hettenbach. Bislang allerdings habe der Angeklagte wenig gesagt und zur Tat keine konkreten Angaben gemacht. «Ein erklärtes Schuldeingeständnis gibt es nicht.» Das Gericht werde sich aber Gedanken über die Frage nach der Motivlage und die Schuldfähigkeit des Angeklagten machen müssen. Zu diesem Zweck werde ein Gutachter gehört.

Das Gericht will 45 Zeugen hören und rechnet mit bis zu acht Verhandlungstagen. Der vorläufige Sitzungsplan des Landgerichts Konstanz sieht für die ersten beiden Verhandlungstage am 11. und 12. Januar die Beweisaufnahme zur Vergewaltigung der Taxifahrerin in Singen vor. Das Vergewaltigungsopfer wird nicht persönlich am Prozess teilnehmen. Ihre Vernehmung findet aus Rücksichtnahme auf ihre Gesundheit in einer Klinik statt.

Das Mordgeschehen von Hagnau will das Gericht am 18. und 19. Januar aufarbeiten. Der Verhandlungstag am 1. Februar soll dann im Zeichen der Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen stehen. Am 2. Februar sollen nach Auskunft des Gerichts die Plädoyers gehalten werden. Wenn sich der Zeitplan nicht verzögert, soll am 8. Februar das Urteil fallen.

(AP)