Bodensee

04. November 2019 14:34; Akt: 04.11.2019 15:38 Print

Nebst 100 Leichen liegt in der Tiefe manch anderes

Am Grund des Bodensees liegen vermutlich rund 100 Tote. Doch der See birgt noch so manch anderes Geheimnis. Auch der Zweite Weltkrieg hat Spuren hinterlassen.

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Ein Mann schaut im August 2019 in Sipplingen (D) auf den Bodensee. Darin befinden sich noch viele Leichen. Im Bild sind Dreharbeiten zum letzten Bodensee-Tatort zu sehen. Blick auf den Bodensee von Romanshorn TG aus. Taucher können bis in eine Tiefe von 40 Meter nach Vermissten suchen. Im Sommer 2015 wurde im Bodensee vor Egnach TG nach einem vermissten Chinesen gesucht. Auch die Rega unterstützte die Suche. Später kam auch eine Sonde zum Einsatz. Trotzdem wurde der Mann nie gefunden. Er befindet sich auf der Liste der im See vermissten Personen. Diese umfasst rund hundert Personen. Boote von Einsatzkräften fahren am 08.08.2017 nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in den Bodensee bei Konstanz-Litzelstetten (Baden-Württemberg) an der Absturzstelle auf dem See. Das Flugzeug war mit zwei Personen besetzt. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks bergen am 09.08.2017 in der Nähe von Konstanz (Baden-Württemberg) mit einem Kran die Trümmer eines am Vortag abgestürzten Kleinflugzeuges aus dem Bodensee. Die beiden Insassen sind bei dem Absturz vermutlich ums Leben gekommen. Zwei Taucher springen ins Wasser um eine Bombe per Luftkissen aus vier Metern Tiefe aus dem Bodensee zu bergen, am Freitag, 30. September 2011 in Staad. Bereits einen Tag zuvor, am Donnerstag war es den Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung gelungen den Zünder der Bombe zu entfernen, um so eine Bergung möglich zu machen. Ein Mann präsentiert den entfernten Zünder. Die Bombe wird per Kran aus dem Wasser gehoben. Die Cessna 425 wurde nach dem Absturz am 8. Februar 1994 in Rorschach aus dem Bodensee gehoben, bevor sie per Schiff nach Deutschland transportiert wurde. An Bord der aus dem Bodensee geborgenen Cessna 425 sind keine Leichen und kein radioaktives Caesium gefunden worden. Hinweise ueber den Verbleib der Insassen gab es keine. Am 23. Februar 1989 stürzte eine «Commander AC-90» der «Rheintalflug» vor Rorschach in den Bodensee: Alle elf Insassen kamen ums Leben. Eine Woche später wird das Wrack geborgen, aufgenommen am 2. März 1989. Im Bodensee verbergen sich aber auch archäologische Sensationen. Im Jahr 2015 entdeckte das Institut für Seenforschung in Langenargen bei Tiefenvermessungen vor dem Schweizer Ufer in Uttwil TG zahlreiche Steinhügel. Dieser Pfahl aus Pappelholz wurde aus einem der Hügel geborgen. Das Schichtprofil im ausgebaggerten Graben. Taucharchäologen bei ihrer Arbeit. Hier vermessen Taucher einen der Steinhügel. Auf dieser Karte sieht man die Lage der regelmässig verteilten Steinstrukturen im Bereich Uttwil. Eine Unterwasseraufnahme von Hügel Nummer fünf bei Uttwil. Mitten im Bodensee liegt auch das Wrack der «Jura». Die «Jura» ist ein 1864 gesunkener Raddampfer. Sie liegt rund 1,3 Kilometer vom Ufer entfernt in einer Tiefe von knapp 40 Metern vor Bottighofen TG. Seit Jahren zieht das Wrack Taucher aus ganz Europa an. Mehrere Taucher haben hier bereits ihr Leben verloren. Gebaut wurde die «Jura» 1854 von der Maschinenfabrik Escher-Wyss in Zürich. Das Schiff hatte eine Länge von 46,3 Metern und mass an der breitesten Stelle 10,25 Meter. Angetrieben wurde sie von einer Dampfmaschine mit 45 PS, was ihr eine Höchstgeschwindigkeit von 18,5 km/h ermöglichte. Erst wurde sie auf dem Neuenburgersee eingesetzt, ab 1861 kam sie auf den Bodensee als Ersatz für das nach einer Kollision gesunkene Dampfschiff «Ludwig».

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Sie sind beim Baden verunglückt, mit dem Boot gekentert oder in ein Unwetter geraten – und buchstäblich nie wieder aufgetaucht. Rund 100 Tote liegen vermutlich auf dem Grund des Bodensees. Die Polizei führt seit 1947 eine Übersichtsliste.
Es gehe vor allem darum, dass die Beamten schnell ablesen könnten, wer seit wann, wo und unter welchen Umständen im Bodensee vermisst werde, sagt der Leiter der Wasserschutzpolizeistation Friedrichshafen, Michael Behrendt.

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Warum ist es so schwer, Vermisste aus dem Bodensee zu bergen? «Das hängt jeweils von den Umständen des Einzelfalles ab», erklärt Behrendt. Wenn klar sei, wo der Unfall geschehen sei, und die Suche etwa mit Tauchern sofort losgehen könne, sei die Chance sehr gross, die vermisste Person zu finden. «In aller Regel ist dies auch der Fall.»

Manchmal lasse sich der genaue Ort und Zeitpunkt eines Unfalls aber nicht so leicht eingrenzen – zum Beispiel, wenn ein Boot gefunden werde, das allein auf dem Wasser treibe. Ausserdem gebe es Strömungen im Bodensee, die vom Zufluss des Rheins und vom Wind abhängig seien. Und natürlich ist der Bodensee mit bis zu 250 Metern schlicht sehr tief. Zwar bilden sich bei der Verwesung eines Körpers Gase. Aber diese reichten nicht aus, um den Toten wieder an die Oberfläche zu bringen, sagt Behrendt.

Bomben, Granaten, Torpedo

Doch der tiefe Grund des Bodensees birgt noch mehr Geheimnisse: Auch der Zweite Weltkrieg hat Spuren hinterlassen. Immer mal wieder werden beispielsweise Bomben oder Granaten gefunden – einmal sogar ein Flugzeug in über 150 Meter Tiefe.

Einen genauen Überblick darüber, was wo liegt, gebe es aber nicht, sagt Christoph Rottner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Stuttgart. Man könne natürlich annehmen, dass in den Städten wie Friedrichshafen, die stark bombardiert worden seien, viel liege. Allerdings lägen die Funde meist nicht offen auf dem Seegrund, sondern seien tief versandet.

«Das müsste man theoretisch orten und das ist alles nicht ganz so einfach.» 2017 habe der Kampfmittelbeseitigungsdienst beispielsweise einen Torpedo aus dem See geborgen. «Das Stück war fünf Meter lang und steckte im Sand – da war gerade noch das Heck zu sehen», sagte Rottner. «Ihn freizulegen, war eine Riesenarbeit.»

Schwierige Bergung

Generell seien Wasserbergungen im Vergleich zu Bergungen an Land um ein Vielfaches aufwendiger. Funde, die sehr tief im See lägen, müssten auch nicht zwingend herausgeholt werden, da sie niemandem gefährlich werden könnten. «Im schlimmsten Fall rostet mal was durch und es tritt Sprengstoff in den See aus – das wäre dann aber aus Umweltgründen nicht gut.»

Im Archiv des Dornier Museums kennt man ebenfalls ein paar Geheimnisse des Bodensees: So liege beispielsweise mit dem Raddampfer «Jura» ein sehr bekanntes Wrack auf dem Seegrund vor Bottighofen TG, heisst es dort. Manche Flugzeuge seien bereits geborgen worden, andere befänden sich noch im Wasser – beispielsweise soll ein He 177-Bomber in einiger Tiefe liegen.


Ein Tauchgang zum Wrack der «Jura». (Youtube/tectauchteam)

Wohl eher in den Bereich der Mythen gehört die Geschichte eines «Cognac-Bombers»: Im Zweiten Weltkrieg stürzte demnach ein entsprechend beladenes Flugzeug über dem Bodensee ab – auf dem tiefen Grund lagern nun angeblich noch die Kisten mit jahrzehntealtem Cognac.

Archäologische Sensation

Gesichert dagegen ist eine archäologische Sensation: Im Jahr 2015 entdeckte das Institut für Seenforschung in Langenargen bei Tiefenvermessungen vor dem Schweizer Ufer in Uttwil TG zahlreiche Steinhügel. Sie haben jeweils einen Durchmesser von 15 bis 30 Metern und befinden sich in regelmässigen Abständen in einer Reihe in Ufernähe, rund viereinhalb Meter unter Wasser.

Wer sie errichtet hat, wie genau sie konstruiert wurden und wozu sie entstanden sind – über diesen Fragen grübeln Schweizer Archäologen nun schon seit Jahren. Mithilfe von Proben haben die Forscher inzwischen zumindest herausfinden können, dass die «Hügelchen» in der Jungsteinzeit vor etwa 5500 Jahren aufgeschüttet wurden. Die Vermutung der Wissenschafter: Möglicherweise gehörten sie zu Pfahlbauten, die ebenfalls tief unter Wasser liegen und noch der Entdeckung harren.

(taw/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wassermann am 04.11.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man bedenkt,...

    ...dass die ganze Weltbevölkerung auf der Fläche drei mal vom Bodensee (3x536km2) platz hätte, dann sind 100 Menschen nicht sonderlich viel. Ausserdem sind es wohl 100 seit neuester Geschichtsschreibung. Wahrscheinlich liegt die Zahl aber bei weitem Höher?!

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  • Boris am 04.11.2019 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Mama Mia

    Diese Kommentare, wegen nur 100 Leichen, worauf denkt ihr denn wächst denn eigentlich alles Grünzeug so schön, inklusive der Früchte und dem Gemüse ?

  • Dave74 am 04.11.2019 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Mal spannend

    Die Unterwasserarchäologie: die ist sogar spannend wenn sich ein Fund dann als eigentlich langweilig entpuppt. Heute wird vieles liegengelassen, nur noch vermessen und festgehalten und dies nicht nur weil eine Bergung aufwendig und teuer wäre, sondern die Gefahr eines raschen Zerfalls an Land vielerorts gross wäre. Da hat man es in einer Wüste einfacher obwohl das natürlich auch spannend sein kann. Kann stundenlang mit Dokus oder Erlebnisberichten vertörlen und das nicht unbedingt wegen eines Lerneffekts sondern eben wegen der Spannung a la Schatzsuche.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tobias am 05.11.2019 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Glückssee

    Im Bodensee in Ufernähe habe ich mal einen uralten Ring gefunden dessen Steine mir 45000.- einbrachten. Denke gernge an diesen Tag zurück.

  • Mumpitz am 05.11.2019 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Verdünnt

    Im Bodensee sind 48'000'000'000'000 Liter Wasser. Da könnt ihr euch die Verdünnung ja mal ausrechnen :)

  • Meri Far am 05.11.2019 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Atome

    Wir dürften alle täglich irgendwelche Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Sauerstoff- usw Atome essen, die vorher in irgendwas lebendigem eingebaut waren :) Oder denkt jemand, die kommen alle rein und pur aus dem Weltall?

  • Andy Honegger am 05.11.2019 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Interessen

    Mich interessieren die Leichen nicht. Mich interessieren die Goldschätze.

  • Letzi Parker am 04.11.2019 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    In jedem See liegen Leichen.