Als Dank für Ausbildung

18. Januar 2018 15:38; Akt: 18.01.2018 15:53 Print

Computer-Nerd vererbt Kanton Millionen

Der Thurgau freut sich über eine Erbschaft von über 6 Millionen Franken von einem verstorbenen IT-Unternehmer. Dieser bedankt sich damit für seine Grundausbildung, die er im Kanton erhielt.

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«Wir waren sehr überrascht und erfreut über das Erbe», sagte Kantonsarchäologe Hansjörg Brem, am Donnerstag vor den Medien. Die Archäologie sowie die Kantonsbibliothek teilen sich das Erbe hälftig. Walter Enggist, den Erblasser hatte praktisch niemand gekannt. Er wurde in Frauenfeld geboren und wohnte zeitlebens dort. Laut Recherchen lebte der unverheiratete Mann sehr zurückgezogen und bescheiden. Er pflegte seine Mutter bis zu deren Tod im Jahr 2012.

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Erfolgreich im IT-Business

Enggist war ein hochbegabter Informatiker, den die Lehrer förderten. «Heute würde man ihn als Nerd bezeichnen», sagte Brem. Nach der Matura liess sich Enggist, der aus einfachen Verhältnissen stammte, an der ETH zum Bauingenieur ausbilden. Er arbeitete bei der Firma IBM und gründete Anfang der 1980er Jahre mit einem Partner eine Softwarefirma, die Anwendungen für Banken entwickelte und bei der er bis im Jahr 2000 angestellt war. Parallel dazu habe Enggist erfolgreich weitere IT-Geschäfte betrieben und so ein Vermögen verdient, so Brem.

Chronische Krankheit

Enggist litt länger an einer chronischen Krankheit und starb im Alter von 68 Jahren überraschend im Juni 2016. Bereits 2008 hatte er in seinem Testament verfügt, dass sein gesamtes Vermögen je zur Hälfte der Kantonsbibliothek und dem Amt für Archäologie zukommt. Einzige Bedingung ist die Sicherstellung der Grabpflege.

Warum der Mann diese Ämter bedachte, ist laut dem Kanton unklar. In seinem Testament schrieb der Frauenfelder: «Ich würdige damit den Beitrag des Kantons Thurgau an der Grundsteinlegung meiner Karriere.» Doch Walter Enggist sei weder beim Amt für Archäologie noch bei der Kantonsbibliothek als Kunde registriert gewesen und habe keine persönlichen Kontakte zu den Ämtern gehabt, sagen die Erben. Aus seinem Nachlass sowie aus den Aussagen von Bekannten gehe aber deutlich hervor, dass er sich sehr für Wissenschaft, Kunst und Literatur interessiert habe.

Kurse in 30 Sprachen

Die Kantonsbibliothek will die Mittel von gut 3 Mio. Franken für Digitalisierungen einsetzen und die Zugänglichkeit historischer Bestände und wissenschaftlicher Literatur erhöhen. «Wir wollen, dass möglichst viele Menschen möglichst einfach an unsere Bestände kommen», sagte Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann.

Konkret sollen Thurgauer Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert und Sprachkurse in 30 Sprachen online gestellt werden. Zudem werde die Bibliothek rund 70'000 historische Bücher in einen Online-Katalog aufnehmen, sagte Bertelsmann.

Klären, was am Konzil gegessen wurde

Die Schätze heben, präsentieren und Fragen beantworten. Diesem Grundsatz wolle das Amt für Archäologie mit dem Erbe nachleben, sagte der Archäologe. Ein erstes Projekt widme sich der Klimaforschung vom Spätglazial bis heute.

Als Beispiel nannte Brem das Konstanzer Konzil, das von 1414 bis 1418 am Bodensee stattfand und rund 70'000 Menschen in die Stadt mit damals nur 6000 Einwohnern zog. Man wisse, was während der für den Thurgau prägenden Versammlung der Kirchenführer passierte. «Wir wissen aber nicht, welche Lebensmittel damals angebaut werden konnten, mit denen die Konzilteilnehmer versorgt wurden», sagte Brem.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bar am 18.01.2018 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dank

    Auch ich als Ausländer, der hier geboren ist, bin auf ewig dankbar für die Schweiz. Sie bietet den Menschen mehr als sie sich klar sind!

  • N. Erd am 18.01.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das sein?

    6 Millionen dem Kanton gespendet um dann in der Zeitung als Computer-Nerd betitelt zu werden. Pfuj ..

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  • alessi am 18.01.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank!

    Sehr Edel, Respekt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 18.01.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern senken

    Das heisst also, Frauenfeld kann nächstes Jahr die Steuern um 6 Mio senken. Danke an den IT-Nerd, für seine Grosszügigkeit.

  • don leon am 18.01.2018 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohl nicht in seinem Sinne

    Wen interessieren 70'000 historische Bücher in einen Online-Katalog? Das Geld wäre in aktueller IT Literatur viel besser investiert um die zukünftigen Nerds zu fördern, wie es der Spender war!

    • Drizzt am 18.01.2018 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @don leon

      Findest du? Er nicht.

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  • alessi am 18.01.2018 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank!

    Sehr Edel, Respekt.

  • Hugop am 18.01.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darauf hat die Welt gewartet.

    Sprachkurs in 30 Sprachen aus dem Thurgau. Gut angelegtes Geld.

  • Dan am 18.01.2018 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erbschaftssteuer

    Hauptsache der Kanton versteuert die Erbschaft ordnungsgemäss!!

    • Xeno72 am 18.01.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nein@Dan

      Gemeinwesen sind nicht steuerpflichtig. Die Dummheit, dass sich Bund, Kantone und Gemeinden gegenseitig besteuern, hat man noch nicht eingeführt.

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