Ips duplicatus

30. November 2019 10:17; Akt: 30.11.2019 10:17 Print

Neuer Borkenkäfer könnte unsere Wälder bedrohen

Ein aus Skandinavien stammender Käfer kam wohl mit Holztransporten in die Schweiz und befällt Bäume hierzulande. Vor allem Fichten sind betroffen.

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Diese haben nun ein neues Problem: Ein aus Skandinavien stammender Borkenkäfer, der vor allem diese Baumart befällt, hat die Schweiz erreicht. Forschende haben ihn im Rheintal nachgewiesen. Der Nordische Fichtenborkenkäfer (Ips duplicatus) ist eigentlich in Skandinavien, Osteuropa, Russland und Asien heimisch.

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Über natürliche Ausbreitung, vor allem aber auch durch Holztransporte macht er sich seit einigen Jahren jedoch auch in Mitteleuropa breit, zum Beispiel in Deutschland und Österreich. Nun berichtet die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auch von Funden in der Schweiz.

In Zusammenarbeit mit den Forstdiensten des Kantons St. Gallen und des Fürstentums Liechtenstein wiesen die WSL-Forscher den Nordischen Fichtenborkenkäfer auf beiden Seiten des Rheintals mit Lockstoff-Fallen und in gelagertem Käferholz nach, wie die WSL am Donnerstag mitteilte. Bisher beschränken sich die Funde aufs Rheintal, bestätigt Beat Wermelinger auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Oft gemeinsam mit Buchdrucker

Der skandinavische Borkenkäfer und der heimische Buchdrucker (Ips typographus) kommen in der Regel gemeinsam vor, da sie sehr ähnliche ökologische Ansprüche haben, oft sogar im gleichen Baum. Beide bohren sich durch die Borke und schaffen sich darunter Brutplätze. Dies schädigt die Leitgefässe der Bäume und damit den Wassertransport; befallene Bäume sterben ab.
Befallen sie den gleichen Baum, gehen sich die beiden Arten allerdings etwas aus dem Weg, wie Wermelinger ausführt: Der Nordische Fichtenborkenkäfer komme dann eher im oberen Teil des Stamms vor, der Buchdrucker eher im unteren.
Die beiden Arten sind äusserlich nur mit einer guten Lupe zu unterscheiden. Die Forstdienste seien bereits durch ein Faktenblatt orientiert worden, so der WSL-Insektenforscher.

Überwintern auf Boden

Hauptunterschied zwischen den beiden Arten sei, dass der Buchdrucker im Baum überwintere, während der Nordische Fichtenborkenkäfer im Herbst ausfliege und in der Streuschicht des Bodens den Winter überdauere. Dies hat auch Konsequenzen für die Gegenmassnahmen: Befallene Bäume werden in der Regel gefällt, entrindet oder aus dem Wald geschafft. Ist ein Baum jedoch nur vom Nordischen Borkenkäfer befallen, bringt das Fällen zumindest im Winter wenig.

Der an tiefere Temperaturen gewöhnte Nordische Borkenkäfer fliegt im Frühjahr tendenziell etwas früher aus als der Buchdrucker. Zudem entwickeln sich seine Larven etwas schneller. In tieferen Lagen sei auch eine dritte Generation möglich, allerdings gelte dies angesichts der immer höheren Temperaturen und verlängerten Saison auch für den Buchdrucker, so Wermelinger.

Noch sei unklar, welche wirtschaftlichen Folgen der Nordische Borkenkäfer mit sich bringt. In Osteuropa, wo diese Art schon seit Jahren vorkommt, ist man sich uneins über den Schaden, der spezifisch vom Nordischen Fichtenborkenkäfer ausgeht. Da er in der Regel zusammen mit dem Buchdrucker vorkommt, ist der durch ihn verursachte zusätzliche Schaden schwer zu beziffern. «Es ist aber davon auszugehen, dass es zusätzlichen Befall gibt», sagte Wermelinger der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John Livers am 30.11.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was machen wir falsch?.....

    Sehr interessant: Unsere nützlichen Insekten wie z.B. Bienen sterben aus, derweil ständig neue Schädlinge eingeführt werden, sich vermehren, und überhand nehmen, obwohl man sie eigentlich bekämpfen wollte. Kann es sein, dass wir bei der Bekämpfung etwas falsch machen?

    einklappen einklappen
  • Peter Müller am 30.11.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel?

    Man muss jetzt sicher wachsam sein, darf aber nicht panisch werden! Es geht vermutlich nicht lange, kommen die Vorwürfe, der Klimawandel sei Schuld daran.

  • Buenzli am 30.11.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Standortgerechte Bäume

    Pflanzt halt in Zukunft wieder vermehrt standortgerechte Bäume, dann ist das Problem schon in der nächsten Baumgeneration gelöst...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bärgbur am 01.12.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eines ist gewiss...

    unsere Natur um uns herum ,wird sich grundlegend verändern im Zyklus der Reise der Erde und der Mensch mit seinen Verschmutzungen,spielt nur eine Nebenrolle !

  • Markus im AG am 30.11.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eingeführt vom Norden...

    Desinfiziert die Holzvollernter bei der Rückkehr in die Schweiz die jeweils 3 Monate im Norden Tag und Nacht beim Holzfällen eingesetzt werden

  • Sven die Eiche am 30.11.2019 22:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschwächtes Immunsystem

    Bäume brauchen CO2 zum gedeihen. Hat vielleicht die Reduktion der Grenzwerte die Bäume geschwächt und sind sie deswegen so anfällig?

  • Friss oder stirb am 30.11.2019 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Borkenkäfer

    Fresst endlich eine Baum/Waldschneisse von St.Moritz bis vor die Tore von Züri. Und als Highlight zwischendurch die Parteilogo in die Baumkrone rein nagen ... Dramatisch muss es ausschauen - mindestens so, das die NGO's im Thema noch was lernen können. Go!

  • Dr Waggis am 30.11.2019 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geflunkert?

    Ich habe mich vor dem kommentieren wie gewohnt ein bisschen schlau gemacht. Da wird die Realität wiedereinmal stark verzerrt wiedergegeben. Aufgrund meiner Quellen ist der Ips duplicatus in unseren Wäldern so selten wie ein sechser im Lotto. Er sieht dem heimischen Buchdrucker tatsächlich etwas ähnlich, ist aber deutlich kleiner.