Rapperswil

16. Juli 2014 14:34; Akt: 16.07.2014 16:39 Print

Niemand hilft diesen balkonlosen Bewohnern

Vor rund einem Jahr stürzten vier Balkone in Rapperswil ein. Noch immer haben die Bewohner keine neuen. Und: Die Kosten müssen sie selber tragen.

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Blick auf den Block der eingestürtzen Balkone. Der oberste Balkon eines Wohnhauses in Rapperswil löste sich aus der Wand und riss die drei unteren zu Boden, verletzt wurde niemand.

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Es war ein Wunder, dass niemand verletzt wurde. Im Juli vor einem Jahr stürzte an der Alten Jonastrasse 65 in Rapperswil der oberste Balkon eines Wohnhauses ein und riss die unteren drei mit sich. Jetzt, fast genau ein Jahr später, haben die Bewohner noch immer keine neuen Balkone an ihrer Hausfassade. Wie die «Zürichsee- Zeitung» schreibt, hätten die neuen Balkone eigentlich bis im Frühling fertig sein müssen. Weil nun aber weitere Mängel in der Tiefgarage und an den Wänden der Wohnungen zum Vorschein gekommen sind, verzögern sich die Arbeiten bis Ende Jahr. Insgesamt entstehen Kosten von rund einer Million Franken.

Versicherung nicht realisierbar

Für die Wohnungseigentümer besonders bitter: Sie müssen die Kosten selber tragen. Die Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft hatte im Herbst zwar ergeben, dass Baupfusch der Grund für den Balkoneinsturz war. Doch das Haus wurde in den 70er Jahren gebaut, die siebenjährige Haftungsfrist ist längst abgelaufen, die Baufirma existiert nicht mehr. Die Bewohner können also nichts zurückfordern.

Sie fühlen sich allein gelassen. «Dass es in einem Land wie der Schweiz keine Versicherung für so etwas gibt oder eine Unterstützung durch die öffentliche Hand, finde ich nicht richtig», sagt ein Bewohner des Mehrfamilienhauses. Karl Güntzel, Delegierter des Hauseigentümerverbands St.Gallen, versteht die Beschwerden der Eigentümer. Er fragt allerdings auch: «Doch wie würde man das versichern oder einen solchen Fonds speisen?» In diesem Fall gebe es nur eine Lösung: Die Hilfe müsse eher auf private Initiative hin erfolgen. Für die Bewohner ein schwacher Trost. «Es gibt ein einziges Wort für unsere Situation», sagt eine Wohnungseigentümerin, «Pech.»

(jeh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • klammheimlich am 16.07.2014 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer die öffentliche hand

    wieso soll für alles und jeden immer der steuerzahler oder eine versicherung aufkommen? wie wäre es mit eigenverantwortung? oder einem erneuerungsfond? nichts hält ewig und dafür sollte man geld auf die seite legen als eigentümer! bei so einer alten liegenschaft sowieso!

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  • Kowalski am 16.07.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerlich abziehbar!

    Na wenigstens ist diese Reparatur als Liegenschaftsunterhalt vollumfänglich von den Steuern abziehbar ...

  • Strubeli am 16.07.2014 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber

    Aber den Hochwasseropfer im Balkan hilft die Schweiz mit 15 Millionen!!! Diese Hilfe ist sicher auch wichtig, aber diesen Bewohner helfen wäre auch wichtig!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pit, Sursee am 16.07.2014 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Versicherung sollte zahlen.

    Der oberste Balkon hat die untern zum Einsturz gebracht. Der Eigentümer des obersten Balkons müsste doch für den Einsturz der unteren Haften. Und alle unteren würden den obersten Balkon solidarisch finanzieren. So sollte es zumindest gehen. Wir bezahlen Unsummen von Versicherungsprämien. Wenn etwas geschieht, stehen wir leer da.

    • Michael Kohlhaas am 17.07.2014 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Haftpflicht

      Die Haftpflicht des Hauses zahlt nicht für Schäden am Haus. Das ist doch einleuchtend. Eine Versicherung für solche Schäden gibt es nicht.

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  • H. Andwerker am 16.07.2014 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baupfusch

    Und ob man etwas dagegen unternehmen kann: Baupfusch beginnt beim Preis!!

  • LKW-Fahrer am 16.07.2014 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    was ich vermisse

    .. sind die Armierungen, also mich wundert es, dass die so lange gehalten haben

    • Bauarbeiter am 16.07.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      amierungen

      schaue mal die Bilder genau an, hatte schon amierungen drin aber zu wenig oder durch entv. gerostet

    • Ingo S am 17.07.2014 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Ing.

      Es hatte zu wenig. Die Armierungen dürfen rosten, das ist sogar besser für die Haftung im Beton. Und nach dem einlegen Hört der Oxidationsprozess sowieso auf.

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  • Strubeli am 16.07.2014 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber

    Aber den Hochwasseropfer im Balkan hilft die Schweiz mit 15 Millionen!!! Diese Hilfe ist sicher auch wichtig, aber diesen Bewohner helfen wäre auch wichtig!!!

    • Ruth Frischknecht am 17.07.2014 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo

      Bravo Strubeli genau so ist es, es ist eine Schande

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  • Leonard am 16.07.2014 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ob die Firma noch existiert

    oder nicht, dürfte in diesem Fall keine Rolle spielen. Hier wurden Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Die Verantwortlichen dafür haben persönlich zu haften. Sonst kann man ja einen Pfusch nach dem anderen hinstellen und die Firma fortlaufend auflösen und unter neuem Namen wieder eröffnen. Hier wurden die Rechtsmittel durch die Staatsanwaltschaft schlichtweg nicht ausgenützt. Komischerweise finden genau die selben Staatsanwälte aber jedes Hintertürchen, wenn es um so etwas banales wie Tempolimit-Überschreitung geht.