Neue Projekte

08. April 2015 06:05; Akt: 08.04.2015 06:05 Print

Ostschweizer sagen Food Waste den Kampf an

Rund ein Drittel aller Lebensmittel werden in der Schweiz weggeworfen statt konsumiert. In drei Ostschweizer Städten soll sich das künftig ändern.

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Immer mehr Leute sagen Food Waste den Kampf an: Foodsharing-Kühlschrank in Bern (Bild: meo)

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«Viele Leute verlassen sich nur aufs Verfalldatum und werfen Lebensmittel weg, obwohl diese noch essbar sind», sagt Franz Gasche (58) , Präsident des Vereins «RestEssBar» aus Frauenfeld. «Deshalb setzen wir mit dem Projekt direkt dort an, wo die Lebensmittel herkommen und stellen sie einer breiteren Masse zur Verfügung.»

Der Verein RestEssBar hat in Frauenfeld einen Kühlschrank, eine Gefriertruhe und einen Schrank aufgestellt. Darin werden Gemüse und Früchte von lokalen Lebensmittelläden und Produzenten gesammelt, die sonst in der Mülltonne landen würden. Diese Lebensmittel stehen dann Menschen mit kleinem Budget gratis zur Verfügung.

Die RestEssBar wird am Samstag, 11. April ab 14 Uhr eingeweiht. Standort ist die Postautohaltestelle am Schaffhauserplatz in Frauenfeld. Am Montag soll der Kühlschrank dann erstmals gefüllt werden. «Ich bin gespannt, wie das Projekt ankommt», so Gasche. «Auch hier in Frauenfeld gibt es viele Menschen, die mit sehr wenig Geld auskommen müssen.»

Winterthur als Vorbild

Alles begann vor rund einem Jahr: «Damals erschienen viele Berichte in den Medien zu Food Waste», so Gasche. «Deshalb begann ich, mehr auf meinen Lebensmittelkonsum zu achten.» Im Laufe des Sommers habe er dann das Winterthurer Projekt RestEssBar auf Facebook entdeckt. «Als ich mich dort meldete, freute man sich sehr über das Interesse», so Gasche. «Die Leute schickten mir gleich ihre Unterlagen und waren sehr hilfsbereit.»

Ab Januar habe dann alles langsam Form angenommen, so dass am 6. März die Gründerversammlung von RestEssBar Frauenfeld stattfinden konnte. «Seither sind immer mehr Personen hinzugekommen. Nun sind wir rund 30 Mitglieder», so Gasche.

24 Stunden zugänglich für alle

Von der Stadt Frauenfeld haben die Initianten den Raum am Schaffhauserplatz bekommen. Der Kühlschrank, die Gefriertruhe und der Kasten sind Geschenke von Unterstützern des Projekts.

Der Kühlschrank ist für alle 24 Stunden zugänglich. Dies unbeaufsichtigt – vorausgesetzt man hat einen Zugangscode: «Den Code für das Zahlenschloss erhält man, indem man uns ein Mail macht», so Gasche.

Esswaren von Privatpersonen nimmt der Verein hingegen keine an: «Wir unterstehen dem Lebensmittelgesetz», so Gasche. Deshalb seien vorerst auch nur Gemüse, Früchte und Brot in der RestEssBar zu holen. «Weil wir die Lebensmittel holen müssen, kann die Kühlkette für Fleisch und Milchprodukte nicht gewährleistet werden,» so der 58-Jährige.

Weitere Projekte geplant

Ähnliche Projekte sind auch in Kreuzlingen und St. Gallen geplant – teils unter anderem Namen. So hat etwa der Lehrer Beni Merk das Projekt verwertBAR in Kreuzlingen aufgegleist. «Wir haben zwar bereits einen Standort», so Beni Merk. «Das Projekt braucht aber noch zwei bis drei Wochen.» Die Sakristei der Kirchgemeinde Kurzrickenbach gegenüber dem Seepark wird das neue Zuhause der verwertBAR sein.

Auch in St. Gallen ist eine RestEssBar geplant. «Wir stecken allerdings noch in der Aufbauphase», so Initiantin Lea Fuchser. In ein paar Wochen soll es auch hier losgehen.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Up am 08.04.2015 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Idee

    Tolle Idee, da werden einige mit kleineren Budget froh sein. Ich hoffe auch wirklich dass diese auch die Lebensmittel bekommen und nicht diejenigen, diees ganz sicher NICHT nötig haben :-)

  • Petra Bürgi am 08.04.2015 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr Leute müssen mit weniger Geld

    auskommen ... das ist die Kehrseite des Wirtschaftswachstums und der ungebremsten Zuwanderung. Dazu steigen Mieten, Gebühren, Krankenkassenprämien, SBB Abos, Abgaben ...

  • Heinz S. am 08.04.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein erstaunlich relevantes Thema

    Meine Tochter hat zu FoodWaste eine Maturarbeit geschrieben, mit interessanten Fakten; z.B generiert die Produktion nur der weggeworfenen Lebensmittel mehr CO2 als aller Autoverkehr zusammen. Die Reduktion von FoodWaste beginnt bei uns: vernünftig einkaufen, nur wirklich verdorbene Lebensmittel wegwerfen. Weiter geht es mit Organisation, z.B. in Kantine kleinere Portionen schöpfen aber gratis Nachschlag; und endet bei den Gesetzen: Warum MÜSSEN Lebensmittel unsinnig kurze Verfalldaten haben und einwandfreie Lebensmittel von Läden weggeworfen werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • DinChef am 09.04.2015 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Es wird die Menschen nicht ändern, die Welt schon gar nicht, aber die Initianten fühlen sich als bessere Menschen und das ist gut so.

  • Voller Hoffnung am 08.04.2015 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich ohne Vandalismus

    Es ist zu hoffen, dass dieses Projekt eine lange Lebensdauer hat. Befürchte - hoffentlich unbegründet - dass die Infrastruktur zerstört wird und es so zu teuer und zu demotivierend wird...

  • Susanne am 08.04.2015 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weltbewegend:

    Das Thema hatten wir dich schon vor 2 Tagen! Wird jetzt jeder alleinstehende Kühlschrank in den Medien erwähnt? Ich würde sicherlich NIE Frischprodukte daraus nehmen und konsumieren. Wo lagerten die vorher und wer hat die Verantwortung, wenn ich krank davon werde?

    • Rico Granos am 08.04.2015 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Egal

      Brauchst du auch nicht, andere die wenig haben, sind froh, wenn Du die Finger davon lässt.

    • Marco Hanhart am 08.04.2015 19:49 Report Diesen Beitrag melden

      Jeder wie er will...

      Aber um die Frage noch zu beantworten... die werden täglich "frisch" von den Händlern oder Produzenten abgeholt.

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  • Heinz S. am 08.04.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein erstaunlich relevantes Thema

    Meine Tochter hat zu FoodWaste eine Maturarbeit geschrieben, mit interessanten Fakten; z.B generiert die Produktion nur der weggeworfenen Lebensmittel mehr CO2 als aller Autoverkehr zusammen. Die Reduktion von FoodWaste beginnt bei uns: vernünftig einkaufen, nur wirklich verdorbene Lebensmittel wegwerfen. Weiter geht es mit Organisation, z.B. in Kantine kleinere Portionen schöpfen aber gratis Nachschlag; und endet bei den Gesetzen: Warum MÜSSEN Lebensmittel unsinnig kurze Verfalldaten haben und einwandfreie Lebensmittel von Läden weggeworfen werden?

  • Pietro am 08.04.2015 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Braucht es das ???

    kauft doch einfach weniger ein oder esst das Zeugs auch dann wenn das Verfalldatum schon 1 Tag abgelaufen ist ! Ganz einfach !

    • Barbara am 08.04.2015 11:35 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen

      Es geht darum, dass die regionalen Läden gesammelt wird. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil! Es werden keine Lebensmittel von Privaten geholt. Lesen bildet!

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