Kantonsgericht St. Gallen

22. Juli 2019 18:29; Akt: 22.07.2019 18:29 Print

Pädophiler wird trotz Verstoss nicht verwahrt

Ein Mann liess einen Bub (13) bei sich übernachten, obwohl er einschlägig verurteilt war. Das Gericht sprach sich nun gegen eine Verwahrung aus und lässt den Mann frei.

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Der Mann wurde Ende 2013 vor dem Kantonsgericht St. Gallen zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten verurteilt, weil er einen damals 13-jährigen Bub bei sich übernachten liess. Dies war ihm wegen früherer Verurteilungen gesetzlich verboten. Wie das «St. Galler Tagblatt» am Montag schreibt, nahm der Mann den Jugendlichen gemäss Anklageschrift vier Tage lang bei sich auf, während der Vater des Bubs im Spital war.

In dieser Zeit soll der Beschuldigte mehrfach versucht haben, den 13-Jährigen zu sexuellen Handlungen zu überreden. Auch habe er nackt mit ihm das Bett geteilt und ihm erklärt, dass das normal sei. Da der Bub alle Annäherungsversuche abgelehnt habe, soll der Mann ihm teure Geschenke, wie beispielsweise ein Töffli und Geldbeträge versprochen haben.

Therapie bleibt wirkungslos

Der Beschuldigte wies die Vorwürfe von sich. Warum der Jugendliche ihn belaste, wisse er selbst nicht. Als ihn der Vater des Jungen gefragt habe, habe er nur helfen wollen. Der Mann gestand lediglich, pädophile Neigungen zu haben. Da er heute aber über 60 Jahre alt sei, hätte er aber keine sexuellen Bedürfnisse mehr, so der Beschuldigte.

Der 21-monatige Vollzug wurde zuerst zu Gunsten einer kleinen Verwahrung aufgeschoben. Als sich jedoch herausstellte, dass die Therapie nicht die geforderte Wirkung erzielte, wurde der Mann in den normalen Strafvollzug überstellt. Nachdem die Strafe abgesessen war, kam der Beschuldigte in Sicherheitshaft.

Nicht bereit für Therapie

Im Dezember 2018 prüfte das Kantonsgericht erneut, ob die Massnahme verlängert werden muss. Der Gutachter erklärte damals, dass der Beschuldigte grundsätzlich therapierbar sei, aber nicht bereit, sich darauf einzulassen. Es soll seit seiner Verhaftung keine Entwicklung stattgefunden haben, weshalb Rückfallgefahr bestehe, wie die Zeitung schreibt.

Das Kantonsgericht entschied daraufhin, dass die angeordnete Sicherheitshaft bestehen bleibt. In der Zeit, bis das Urteil rechtskräftig wurde, beantragte das Sicherheits- und Justizdepartement die Verwahrung des Mannes.

Massnahme, um Entlassung vorzubereiten

Das Kantonsgericht sprach sich nun jedoch dagegen aus. Das Gericht betont, dass es sich bei sexuellem Fehlverhalten gegenüber Kindern prinzipiell um eine schwere Straftat handle, man aber auch die Verhältnismässigkeit prüfen müsse. Der Verurteilte habe wegen seinen Taten schon insgesamt 15 Jahre ohne Freiheit verbringen müssen.

«Die vom Verurteilten ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit reicht in ihrer Schwere nicht mehr aus, um eine nachträgliche Anordnung der Verwahrung, welche voraussichtlich wiederum mit einem langjährigen Freiheitsentzug verbunden wäre, zu rechtfertigen», schreibt das Kantonsgericht, gemäss dem «Tagblatt», in seiner Urteilsbegründung. Um den Mann auf seine bevorstehende Entlassung vorzubereiten, wurde eine stationäre Massnahme bis 31. Mai 2020 angeordnet.

(juu)