Rammbock-Einbruch

26. November 2018 18:09; Akt: 26.11.2018 20:30 Print

Passant macht sich an Fluchtauto zu schaffen

Nach dem Überfall auf die Bucherer-Filiale in St. Gallen ist ein Video aufgetaucht, das zeigt, wie sich ein Passant am Fluchtauto zu schaffen macht. Zudem hängt eine Busse am Auto.

Dieses Video vom Fluchtauto der Rammbock-Räuber macht derzeit die Runde. (Video: Leser-Reporter)
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Ein Leser-Reporter hat 20 Minuten am Sonntag ein Video zugespielt, welches das Fluchtauto der Rammbock-Räuber von St. Gallen zeigt. Im Video sieht man, wie jemand sich in einer Tiefgarage dem Fahrzeug nähert, es öffnet und hineinschaut. Sowohl Vorder- und Hintertür werden geöffnet und wieder geschlossen. Auf den Polstern sieht man eine bräunliche Flüssigkeit. Dann endet das rund 40 Sekunden lange Video.

«Er fuhr rückwärts mit Vollgas gegen den Laden»

Was sonst noch mit dem Auto gemacht wurde, bleibt unklar. Ebenfalls, wann das Video genau aufgenommen wurde. Laut dem Leser-Reporter macht das Video derzeit die Runde. Wer gefilmt hat, wisse er nicht. Klar ist, dass das Video aufgenommen wurde, bevor die Polizei Kenntnis hatte, dass sich das Fluchtauto dort befindet. Versiegelt wurde es erst später.

Erst der Passant, dann die Polizei

Laut der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden wurde das Fluchtauto am Freitag, 16. November, in der Tiefgarage der Turnhalle Landhaus in Teufen entdeckt. «Gegen 22 Uhr hat sich ein Passant bei uns gemeldet», so Sprecher Anton Sonderegger auf Anfrage von 20 Minuten. Kameras gibt es dort keine. Im Video sieht man auf dem Armaturenbrett die Uhrzeit: 19.20 Uhr.

An der Frontscheibe des Autos steckt ein Bussenzettel. Wie Florian Schneider, Sprecher der Kapo SG, sagt, wurde die Busse aber nicht von der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden ausgestellt, da die Gemeinde in Teufen für die Parkbussen zuständig ist. Die Tiefgarage ist nicht mit einer Schranke gesichert, aber es gibt zwei Automaten, an denen man sein Parkfeld eingeben muss. Vier Stunden kann man gratis parkieren. Offenbar stand der Wagen also länger dort oder wurde beim Automaten nicht registriert. Es wurde dann eine Busse ausgestellt, ohne dass die betreffende Person den Wagen als gesuchtes Fluchtauto erkannte.

Böse Folgen möglich

Laut Schneider werden derzeit die sichergestellten Spuren ausgewertet. «Obwohl die Täter versuchten, die Spuren zu verwischen, konnten welche sichergestellt werden», sagt er. Dass sich ein Unbeteiligter am Auto zu schaffen machte, sei ärgerlich, denn dieser habe ebenfalls Spuren hinterlassen. Er hofft deshalb, dass sich diese Person bei der Polizei meldet. Dann könne man nämlich Vergleichsproben nehmen. Wenn nur die Türe angefasst wurde, habe das auch keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Es sei ziemlich sicher, dass diese Person Spuren hinterlassen habe, auch wenn die Hand zum Öffnen der Türen mit dem Pullover geschützt wurde. Das sichergestellte Gen-Material stehe dann weltweit zur Verfügung. «Ich möchte nicht der Typ sein, dessen DNA-Profil in einer Datenbank als Täter eines Raubes gespeichert ist, wenn ich eigentlich nichts damit zu tun habe», so Schneider. Das könne nämlich ziemlich dumm laufen: Man verursacht etwa in Thailand einen Autounfall, Proben werden genommen, dann zeigt sich, dass man international wegen Raub gesucht wird und landet direkt im Gefängnis vor Ort. «Natürlich würde sich das mit der Zeit aufklären, aber das ist keine Frage von Stunden.»

Anwohnerin filmte Einbruch

In die Bucherer-Filiale in der Multergasse in St. Gallen war am frühen Morgen des 12. Novembers eingebrochen worden. Die Täter verschafften sich Zugang zum Laden, indem sie ein zuvor in Zürich gestohlenes Auto als Rammbock nutzten. Eine Anwohnerin filmte den Einbruch:

Als die Polizisten vor Ort eintrafen, waren die Täter bereits geflüchtet. Sie konnten noch nicht gefasst werden.


(taw)