Rorschach SG

06. September 2019 04:47; Akt: 06.09.2019 04:47 Print

Per Durchsage wird nach einem Lokführer gesucht

Ein IR13 von Zürich nach Sargans hatte am Mittwoch mit technischen Problemen zu kämpfen. Via Durchsage wurde ein zweiter Lokführer gesucht. Die SBB erklärt das Vorgehen.

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Der IR13 von Zürich nach Sargans hatte am Mittwoch mit technischen Problemen zu kämpfen. Via Durchsage wurde ein zweiter Lokführer gesucht. Die SBB erklärt das Vorgehen. Losgefahren ist der Zug, ein neuer FV-Dosto, um 19.09 Uhr in Zürich. Unterwegs wurde über eine Lautsprecherdurchsage gefragt, ob ein zweiter Lokführer im Zug sei. Es meldete sich offenbar niemand. Beim Bahnhof Rorschach kam die nächste Durchsage. Alle Passagiere wurden aufgefordert den Zug zu verlassen. Eigentlich hätte dieser bis Sargans verkehren sollen. SBB-Mediensprecher Martin Meier erklärt die Probleme mit dem Zug: «Das Zugbeeinflussungssystem hatte eine Störung.» Dieses System dient den Lokführern als Unterstützung. Es verhindert die Nichtbeachtung oder Falscherkennung von Signalen. Ungewöhnliche Durchsagen in Zügen gibt es immer wieder: Im Mai wurden Passagiere in einem überfüllten ICE von Biel nach Zürich per Durchsage gebeten in Olten auszusteigen, explizit diejenigen, die keine wichtigen Termine hätten. Romantisch war eine Durchsage 2017. Eine Frau machte ihrem Freund einen Heiratsantrag. Fünf Minuten später kam eine weitere Durchsage: «Er hat Ja gesagt.» An Heiligabend 2016 hält ein Passagier während der Fahrt per Lautsprecher um die Hand seiner Freundin an. Im Dezember 2018 wurde in einem Zug von Basel nach Zürich ein Terrorverdächtiger kurzzeitig festgenommen. Per Durchsage kam, dass der Zug wegen des Polizeieinsatzes einige Minuten Verspätung hat. (Symbolbild) Im Februar 2018 kamen Polizisten in Vollmontur in Zürich in einen Zug. Grund war ein Mann mit einer Waffe. In der Durchsage hiess es, dass der Zug nicht weiterfahren werde. Die Passagiere sollten aber sitzen bleiben. Eine spezielle Durchsage gab es auch an einem Sonntagmorgen im Januar 2018 in einem Zug von Zürich nach Sargans. Mit den Worten: «Ich habe statt meiner Trinkflasche die Notbremse erwischt» entschuldigte sich ein Lokführer für eine ungeplante Notbremsung. Im März 2017 forderte ein Zugkondukteur per Durchsage Mitarbeitende der SBB sowie Rekruten von Genf nach Bern auf, ihren Platz anderen Mitreisenden freizugeben. (Symbolbild) Im September 2016 stand ein Intercity von Zürich nach Genf über eine Stunde lang still. Er konnte zwar weiterfahren, aber nicht weit. Dann wurde per Lautsprecher mitgeteilt, dass es jetzt eine Raucherpause gebe. Nach zehn Minuten ist der Zug wieder gefahren. Letzten Mai kam es in einer Londoner Metro zu einer ungewollten Durchsage: Der Fahrer schaute einen Porno und hatte das Mikrofon noch an. So hörten alle Passagiere das Gestöhne.

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Fehler gesehen?

Die Fahrt von Zürich Richtung Sargans am Mittwochabend kostete eine Leser-Reporterin ziemlich viele Nerven. Der IR13 fuhr um 19.09 Uhr von Zürich los. Bereits in St. Gallen kam der neue FV-Dosto-Zug verspätet an. Später Richtung Rheintal kam dann gemäss der 21-Jährigen folgende Durchsage: «Aufgrund einer technischen Störung suchen wir einen zweiten Lokführer. Falls jemand Lokführer ist, bitte beim Zugpersonal melden. Ich wiederhole: Wir suchen einen zweiten Lokführer.» Im ersten Moment sei ihr nach dieser Durchsage unwohl gewesen.

Lachen oder Wut?

«Der Zug hielt zwar nicht an, war aber langsamer unterwegs als sonst», berichtet sie weiter. Die weiteren Pendler seien ziemlich verwirrt gewesen. «Wir wussten nicht, ob wir uns aufregen sollen oder lachen.» Es sei nicht so lustig, wenn man nicht genau wisse, was passiert. Durch den Kopf seien ihr Gedanken gegangen wie: «Vielleicht haben sie den Lokführer am Bahnhof vergessen».

Unterdessen fuhr der Zug weiter Richtung Rorschach. Was genau das Problem war, ist den Passagieren nicht bekannt. Aber kurz vor dem Bahnhof Rorschach kamen weitere Durchsagen, wie das Video der Leser-Reporterin zeigt:

Die 21-Jährige sagt, zu diesem Zeitpunkt habe die Stimmung einen Tiefpunkt erreicht.

SBB erklärt

Martin Meier, Mediensprecher der SBB, erklärt die Probleme mit dem Zug: «Das Zugbeeinflussungssystem hatte eine Störung.» Dieses System dient den Lokführern als Unterstützung. Es verhindert die Nichtbeachtung oder Falscherkennung von Signalen. Wie Meier weiter sagt, wurde der zweite Pilot gesucht, um wieder in Normalgeschwindigkeit fahren zu können. Denn mit dieser Störung sei die erlaubte Maximalgeschwindigkeit 80 km/h. So werde sichergestellt, dass der Lokführer auch ohne technische Unterstützung kein Signal übersieht.

«Der Zug hätte in Rorschach theoretisch noch weiterfahren können», führt der Mediensprecher aus. Dies hätte sich aber nicht gelohnt, da die Verspätung bereits zu gross gewesen sei. Deswegen habe man sich entschieden, die Passagiere auf andere Züge zu verteilen.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 06.09.2019 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss sich manchmal schon fragen

    Ja klar vielleicht haben sie den Lokführer vergessen. Und wer fährt der Zug, etwa die Feuerwehr? Ab gewissen Leuten muss man sich schon fragen. Zum einen ab der Logik und zum andern ist dies hier nicht ein Artikel wert.

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  • Matü am 06.09.2019 05:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts besonderes

    Und jetzt? Zum Glück dreht die Erde noch.

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  • Lokführer am 06.09.2019 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sommerloch?

    Meine Güte. Ist das wirklich ein Artikel wert? Sollen wir künftig einfach stillschweigend mit 80km/h zum Ziel kriechen und uns Anschliessend für die Verspätung entschuldigen? Obwohl oftmals Lokführer privat oder dienstlich, sowiso im Zug sitzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse am 06.09.2019 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    niemals SBB

    die Hauptsache ist doch: die SBB kassiert täglich 720 Trilliarden Franken an Subventionen von uns Steuerzahlern ab und 2. M. kassiert bis ende 2020 täglich seine fetten 720 Milliarden Lohn und jährlich weitere 730 Millionen Bonus von uns stolzen Eidgenossen subventioniert

  • Nia am 06.09.2019 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Millionen

    ... personal suche während der CEO millionen verdient.. naja Ihr spaart am falschen ort liebe sbb.

  • Gigiwuffwuff am 06.09.2019 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pannenzug

    Vor 10 Jahren führen wir von Marseille Richtung Nizza. Plötzlich hielt der Zug auf freiem Feld, niemand wusste etwas, mach 30 Min. fuhr er wieder an, langsam aber wir kamen an. Keiner regte sich auf. Wir waren froh als wir am Zielbahnhof angekommen sind. Kein Theater wurde gemacht.

    • Seppli am 06.09.2019 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gigiwuffwuf

      Ja das kann man nicht vergleichen, wenn ein TGV langsam fährt, Normalgeschwindigkeit 300 fährt er noch 220, bei uns bedeutet langsam, wieklich langsam!

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  • Pia Maria am 06.09.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist so

    SBB Probleme sind häufig in der Zeitung.

  • dasIch am 06.09.2019 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt wieder auf den Boden

    Störungen an ZUB oder Zugsicherung,Weiterfahrt mit Vmax 80km/h ohne zweiten Lokführer im Führerstand. Mit zusätzlichem Lokführer Vmax. normal gemäss Streckentabelle. "Vieraugenprinzip" Diese Vorschrift existiert vermutlich schon länger, als dass einige Kommentarschreiber hier alt sind. Und wenn hier mal alle "Störungen" jeglicher Firmen in der Schweiz publiziert würden, die Wirtschaft würde zusammenbrechen weil alle nur noch am Kommentare schreiben wären.

    • OC am 06.09.2019 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dasIch

      Die Vorschrift existiert seit Oktober 2003 nach der Flankenfahrt in Oerlikon, 1 Tote Tschechische Touristin. Die Ursache war ja 2 von 9 Wagen bremsten aufgrund schlampig durchgeführter Bremsprobe im Feld. Ohne ZUB im Level 0 nur nach Reihe R zulässig mit Begleiter, N verboten.

    • dasIch am 06.09.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OC

      ZUB wurde 1992 nach einer Flankenfahrt in Öerlikon eingeführt. Der Fall von 2003 war wegen geschlossener Bremsleitungen wo der Zug nur teilweise gebremst wurde. Danach wurden die Bremsproben verschärft. Dies hatte nichts mit einem Zugbeeinflussungssystem zu tun.

    • Dummer Lf am 06.09.2019 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dasIch

      Aufgrund dieses Unfalls wurden die ZUB 80 erlassen, obwohl das nichts damit zu tun hatte, denn die R 135% waren effektiv noch etwa 40%. Aber egal Du kannst für mich an die nächste Periode oder Alternativ einmal den Schlussbericht der Sust studieren.

    • Lokführer P SBB am 06.09.2019 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dasIch

      Lesen und verstehen, OC hat nicht gesagt, dass ZUB im 2003 eingeführt wurde, sondern dass die Verschärfung 80 bei Ausfall ZUB aufgrund der Flankenfahrt in ZOER eingeführt wurde. Die Ursache der geschlossenen HL war der Unfallgrund, als Schnellschuss wurden die 80 bei Ausfall ZUB eingeführt, auch mit 80 wäre diese Flankenfahrt passiert. Zuerst denken, dann schreiben!

    • OC am 06.09.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @dasIch

      ... Bremsproben wurden verschärft, guter Witz! Wenn Du die Durchgangsprüfung ansprichst, diese wurde schnell wieder gestrichen, zu Zeitaufwendig, DB und ÖBB machen das noch so. Aber immer wieder lustig wie hier Fachleute mitdiskutieren wollen, denke nach 25 Jahren weiss man wie das mit dem R 300.5 Zugvorbereitung und den BV Abläuft, spiel weiter mit Deiner Märklin Eisenbahn.

    • Tester am 07.09.2019 00:22 Report Diesen Beitrag melden

      So nen Quatsch!

      So ein Müll, diese Vorschrift hat überhaupt NICHTS mit dem Unfall in Oerlikon zu tun. Dort wurde die Zuguntersuchung nicht Vorschriftsgemäss gemacht und die Anhängelast bremste nicht. Da bringt auch jegliches Sicherheitssystem an Bord nichts, wenn die Bremsen nicht funktionieren. Diese Vorschrift gibts seit mindestens 1990!

    • dasIch am 07.09.2019 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OC

      Sorry Kollege. Bin selber auch Lf. Seit 32 Jahren. Da haben wir wohl aneinander vorbeigeredet. :)

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