400 Schweine verbrannt

12. März 2020 18:36; Akt: 12.03.2020 18:36 Print

«Kein Bauer lässt seine Tiere extra verbrennen»

Nachdem Anfang Januar in Sax SG bei einem Brand rund 400 Schweine umgekommen sind, erstattet die Tierschutzorganisation Peta Anzeige. Sie will damit Druck auf die Politik ausüben.

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Bei einem Brand in einem Schweinestall in Sax SG... ... sind am 6. Januar 2020 rund 400 Tiere ums Leben gekommen. Ein Mann hatte das Feuer um 5 Uhr entdeckt und die Rettungskräfte alarmiert, wie die Kantonspolizei St. Gallen mitteilte. Als die Feuerwehrleute eintrafen, stand ein Teil des Schweinestalls bereits in Vollbrand. Der Brand konnte innerhalb einer Stunde nach Eintreffen der Feuerwehr gelöscht werden. Leider war es zu spät, mehrere hundert Ferkel und 25 Muttersauen sind verendet. Die Feuerwehr war mit einem Grossaufgebot vor Ort. ... über 60 Mann aus Sennwald, Buchs und Gams waren ausgerückt. Auch die Kantonspolizei St. Gallen und mehrere Samariter befanden sich vor Ort. Der Vorfall war für den Besitzer des Stalls ein Schock. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass das Feuer auf den hinteren Stallteil und auf umliegende Gebäude übergreift. Nach dem Löschen war der Schaden am vorderen Abschnitt des Stalles deutlich zu erkennen. Der hintere Abschnitt des Stalles blieb vom Brand verschont. Rund zwei Dutzend der ausgewachsenen Schweine konnten vor dem Feuer gerettet werden. Sie wurden in den unversehrten Stall nebenan gebracht. Mit allen Mitteln hatte man die Schweine aus dem teils verbrannten Stall gelockt. Die verendeten Ferkel konnten die Feuerwehrmänner direkt aus dem Stall bergen. Für die Muttersauen hingegen benötigte man einen Kran. Die Tierkadaver wurden in der Grosstierkörper-Entsorgung Bazenheid SG entsorgt. Die Brandermittler nahmen Untersuchungen zur Brandursache auf. Die Tierschutzorganisation Peta hat laut eigenen Angaben bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen Anzeige gegen die Verantwortlichen eingereicht, wie die Organisation am 12. März 2020 mitteilte.

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Am 6. Januar 2020 brannte in Sax SGein Schweinestall. Passanten konnten die Feuerwehr alarmieren, doch bei Ankunft der Einsatzkräfte stand ein Teil des Stalls bereits im Vollbrand. Zirka 400 Schweine starben.


Über 60 Feuerwehrleute waren bei dem Brand im Einsatz. (Video: mwa/gab)

Obwohl der breiten Öffentlichkeit die Brandursache noch unklar ist, hat sich die Tierschutzorganisation Peta dazu entschieden, bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten. Denn aufgrund mutmasslich unzureichender Brandschutzmassnahmen sei möglicherweise billigend in Kauf genommen worden, dass die Schweine qualvoll hätten ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen müssen.

«Jedes Tier, das bei einem Brand in einem Stall stirbt, wird grob fahrlässig getötet», schreibt Peta am Donnerstag in einer Medienmitteilung. Mit der Anzeige wolle man auch Druck auf die Politik machen. «Um die Tiere vor dem Verbrennen zu schützen und auch den Schaden für die Landwirte möglichst gering zu halten, ist auch die Politik gefragt, gesetzliche Regelungen zu verschärfen», wird Ilana Bollag, Fachreferentin von Peta, in der Mitteilung zitiert.

Kein Bauer lässt Schweine fahrlässig verbrennen

Das Vorgehen von Peta ist für Raphael Helfenstein von der Geschäftsstelle des Schweinezucht- und Schweineproduzentenverbandes übertrieben. «Bevor der Organisation die Brandursache bekannt ist, wird schon Anzeige erstattet.» Für die Bauern sei es eine Katastrophe, wenn ein Stall abbrenne. «Die Landwirte verlieren ihre Existenzgrundlage, es ist ein Horrorszenario.» Für die Schweinebauern sei der Verlust der Tiere und der Ställe schmerzhaft – seelisch und finanziell. Kein Bauer würde fahrlässig Tiere verbrennen lassen.

Ein Feuer in einem Stall habe verheerende Auswirkungen. «Schweine sind keine Fluchttiere. Bei einem Brand müssen sie aus ihren Buchten herausgetrieben werden, sonst bleiben sie einfach stehen.» Komme hinzu, dass Schweine ein anderes Sehvermögen haben und sich zu Lichtquellen hin bewegen. Es könne deshalb vorkommen, dass sich Schweine zum Feuer hinbewegten.

«Mit der Anzeige verfolgt Peta politische Ziele», sagt Helfenstein. Der Organisation wäre es am liebsten, wenn sich alle vegetarisch ernähren und kein Nutztiere mehr gehalten würden.

Vorschriften eingehalten

Der betroffene Bauer sieht der Anzeige relativ gelassen entgegen. Weder von der Staatsanwaltschaft noch von Peta habe er persönlich etwas gehört. «Von einer allfälligen Anzeige weiss ich aus den Medien.» Ihm sei auch nicht klar, ob sich die Anzeige gegen ihn oder die Behörden richtet. Der Brand sei für ihn verheerend. Für die rund 60 Tiere, die das Feuer überlebten, konnte er einen Stall zumieten. Dort seien auch schon Ferkel auf die Welt gekommen.

Das abgebrannte Gebäude wurde erst vor anderthalb Jahren renoviert und sei bezüglich Vorschriften auf dem neusten Stand gewesen.


Hunderte Schweine kamen ums Leben, nur wenige konnten gerettet werden. (Video: BRK News)

Brandursache unklar

Bei der Staatsanwaltschaft ist die Anzeige von Peta bislang noch nicht eingegangen. «Die Brandursache ist ungeklärt und wird wohl auch offen bleiben», sagt Beatrice Giger, Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft St. Gallen. «In Frage kommen sowohl eine technische Ursache, Brandstiftung oder fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst.» Klar ist aber, dass das brandbetroffene Gebäude feuerpolizeilich abgenommen war. «Es hatte keine Beanstandungen gegeben», sagt Giger.


(jeb)