Brigels GR

16. Juli 2018 18:24; Akt: 17.07.2018 07:54 Print

Priester hört auf – weil er sich verliebt hat

Während des Gottesdiensts hat ein Bündner Pfarrer den Einwohnern verkündet: «Ich will die Beziehung zu einer Frau öffentlich leben».

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Brigels verliert seinen Pfarrer. Sieben Jahre lang hatte Marcel Köhle sein Amt inne. Am Sonntag hat er den Einwohnern des Bündner Dorfs seinen Rücktritt verkündet, wie aus einer Medienmitteilung Römisch-Katholischen Kirchgemeinde Breil/Brigels hervorgeht.

Grund für den Schritt des Priesters ist eine Frau, berichtet die «Südostschweiz». Vor zwei Jahren habe er sie kennengelernt. Es sei ein langer und intensiver Prozess gewesen, um zur Entscheidung zu gelangen, sein Amt niederzulegen.

«Mir ist klar geworden, dass ich die Beziehung zu einer Frau, die ich kennengelernt habe, öffentlich leben möchte», sagte Köhle.

Auseinandersetzung mit dem Zölibat

In den letzten sieben Jahren sei er gerne Priester gewesen – sehr gerne sogar. Gerade deshalb falle es ihm nicht leicht, diesen Weg zu gehen.

«Die ständige Auseinandersetzung mit dem Zölibat-Versprechen und der Frage, was ich mit meinem Leben will, haben mir persönlich gezeigt», dass der richtige Zeitpunkt gekommen sei, einen Neuanfang zu wagen.

«Die besten Leute gehen»

Sep Cathomas, Präsident der Kirchgemeinde Breil/Brigels, zeigt laut der «Südostschweiz» sehr viel Verständnis für Köhles Entscheidung.

Dieser habe die Kirchgemeinde vor einer Woche informiert. Weil es keine Anzeichen dafür gab, sei man sehr überrascht gewesen, zitiert die Zeitung den selbst verheirateten Cathomas.

Köhle sei nun beurlaubt. Für zwei Wochen hat die Kirchgemeinde eine Vertretung organisiert. Für die Zeit danach habe sie noch keine Lösung gefunden. Eine Nachfolge zu finden, werde schwierig.

Der Rücktritt provoziert aus der Sicht von Cathomas einmal mehr die Frage nach dem Zölibat. «Wir sind traurig, dass die katholische Kirche keine Regelung gefunden hat, dass unsere Pfarrer ein ganz normales Leben führen können, wie jeder von uns, und wir dadurch einen Verlust der besten Leute in Kauf nehmen müssen.»

(oli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunny am 16.07.2018 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Ich gratuliere ihm zu dem Mut und wünsche ihm alles Gute auf seinem neuen Weg und für die Zukunft.

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  • Marie am 16.07.2018 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wann ??

    Wann wirdvdie katholische Kirche endlich modern! In welchem Jahrhundert leben wir denn?

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  • *Lexy* am 16.07.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zölibat

    sollte abgeschafft werden. Bei den Reformierten geht's ja auch ohne.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John l'Éveillé am 17.07.2018 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld ist der Papst!

    WENN DER PAPST intelligenter wäre, würde er seine Priester heiraten lassen! Es gäbe auch weniger Pädophilen und weniger Härtefälle bei den Gehilfinnen!

  • Andreas Michel am 17.07.2018 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe will ich, ...

    Die r.-k. Kirche verletzt mit der Weigerung, ihre Priester heiraten zu lassen, deren Würde. Der Brigelser Pfarrer geht dennoch wie ein Schaf zur Schlachtbank, die Kirchenpflege schaut tatenlos zu. Ich bin Protestant. Stellt Euren Priester trotz Heirat weiterhin an, auch ohne priesterliche Funktionen! Es ist ihm so zwar u. a. verboten, Eucharistie zu spenden. Was ist wichtiger? Die Beziehung zwischen der Frau des Brigelser Priesters und ihm? Oder Eucharistie? "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer" (Matthäus 9, 13). Liebe will ich, nicht Eucharistie!

    • Konrad am 17.07.2018 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andreas Michel

      Da Jesus Christus in der Eucharistie leibhaftig präsent ist in Brot und Wein nach der Ordnung von Melchizedek, hiesse Dein Vorschlag: Menschliche Liebe will ich, nicht die ultimative Liebesvereinigung mit meinem Sohn. Wohl kaum der Wille Gottes...

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  • Ex-Aeltester am 17.07.2018 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Aufregung beim Dalai Lama

    Beim Dalai Lama ist das Zölibat völlig in Ordnung. Kein Wunder. Er vertritt auch nicht Christus, so wie echte Priester tun. Die katholische Kirche wird nur deshalb verfolgt und verunglimpft, weil es ihr nicht besser gehen kann als Jesus Christus der auch Gott ganzheitlich diente.

  • O. Lo am 17.07.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Orthodox

    Zum Glück ist das bei den orthodoxen Christen nicht so. Bei denen dürfen Priester heiraten und Kinder kriegen.

  • Willy Wonder am 17.07.2018 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Wuhuu ziehs durch!

    Gebt dem coolsten Priester Ehre für die geilste Aktion die ich seit Langem hier gelesen habe. Ich würde auch eher Lieben als mein Leben als Priester später evtl. zu bereuen.