Eschenbach SG

19. Juli 2018 05:53; Akt: 19.07.2018 08:49 Print

Pöstler bedroht und mit Fuss in Kopf gekickt

Weil er in einer Poststelle an einen Zahlungsrückstand erinnert wurde, begann ein Mann zu randalieren. Kein Einzelfall. Auch mit Hunden haben Pöstler immer noch zu kämpfen.

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Brutale Szenen spielten sich am Morgen des 6. März dieses Jahres in der Postfiliale in Eschenbach SG ab. Es war gegen 11.30 Uhr, als ein 21-Jähriger die Filiale betrat, um einen Brief abzuholen. Dabei wurde er von einem Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass er bei einer Zahlung vom Januar 100 Franken zu wenig bezahlt habe, wie es im Strafbefehl der St. Galler Staatsanwaltschaft heisst. Davon wollte der Beschuldigte nichts wissen. Stattdessen wurde er laut und begann gegen eine Scheibe zu schlagen.

Daraufhin schaltete sich der Poststellenleiter ein, so die Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte habe beide dann als «Vollpfösten» und «Vollidioten» betitelt und wurde daraufhin gebeten, die Filiale zu verlassen. Beim Ausgang jedoch drehte sich der junge Mann ausser sich vor Wut um, stiess den Pöstler zurück und drohte ihm mehrfach: «Komm, komm, ich schlag dich nieder.» Um sich zu schützen, griff dieser sich ein gelbes Putz-Warnschild und drängte den Beschuldigten Richtung Ausgang. Daraufhin schubste ihn der Angreifer und kickte mit dem Fuss gegen dessen Kopf, so dass er nach hinten fiel. Das Opfer verlor seine Brille und begann aus der Nase zu bluten. Mit geballter Faust neigte sich der Angreifer über ihn und drohte ihm erneut.

Keine Geldstrafe wegen Sozialhilfe

Vor dem Gebäude trat er dann noch gegen eine Werbetafel, die dadurch kaputtging. Kostenpunkt: 169 Franken. Der Pöstler erlitt Prellungen, ein Hämatom im Gesicht, eine Zerrung an der Wade und Schürfwunden. Und ein Stück eines Zahns war abgebrochen.

Mittels Strafbefehl, der nun rechtskräftig ist, wurde der 21-Jährige wegen einfacher Körperverletzungen, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Beschimpfungen und geringfügigen Vermögensdelikts zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 90 Tagen verurteilt. Zudem erhielt er eine Busse von 200 Franken. Während der dreijährigen Probezeit erhält er Bewährungshilfe. Eine Geldstrafe kam laut Staatsanwaltschaft nicht in Frage, da der Mann von Sozialhilfe lebt. Zudem hat der Arbeitslose hohe Schulden und es laufen mehrere Betreibungen gegen ihn.

Keine Statistik

Bei der Post zeigt man sich betroffen ob des Vorfalls. Eine Statistik, wie oft es zu solchen Übergriffen kommt, führt das Unternehmen jedoch nicht, wie die «Zürichsee-Zeitung» schreibt. «Es kommt vor, ist in dieser Ausprägung aber eher ein Einzelfall», so Mediensprecherin Léa Wertheimer. Laut der Sprecherin werden die Postmitarbeiter präventiv geschult und sollte es zu einem Übergriff kommen, biete die Post im Nachgang Betreuung durch ein Careteam an.

Doch nicht nur mit aggressiven Kunden haben Pöstler zu kämpfen. Gemäss Wertheimer gibt es im Raum St. Gallen immer noch vier bis sechs Vorfälle jährlich, bei denen ein Pöstler von einem Hund gebissen wird. «Wenn ein Pöstler Angst hat, muss er die Post nicht zustellen», sagt Wertheimer. Der Halter bekomme dann eine entsprechende Meldung.

Und nicht nur Hunde können zum Problem werden: Nach wiederholten Krähen-Attacken auf Briefträger in Vancouver wurde die Auslieferung 2017 zeitweilig eingestellt. Es sei einfach zu gefährlich.


Die gefürchtete Krähe im Video. (Quelle: Youtube/Canuck the Crow)

In der Ortschaft Falmouth auf Cape Cod war es eine Truthahn-Gang, die dem Postboten das Leben schwermachte.


(Video: Youtube/CapeCodWave Online Magazine)

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel am 19.07.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Wenn ich einen Mann fast Spitalreif schlage bekomme ich 200.- Fr. Busse. Wenn ich auf der Autobahn zu schnell fahre kann mich das tausende Fr. Kosten. Das soll mir mal einer erklären.

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  • Zoboll am 19.07.2018 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu Faul

    21 Jahre alt, arbeitslos, hohe Schulden, lebt von der Sozialhilfe... was für ein "Steckbrief". Wenn ein so junger Mensch wirklich arbeiten will, dann findet sich auch etwas, vielleicht nicht den Traumjob, aber den haben wohl die wenigsten. Für mich tönt das ganz nach einem Arbeitsverweigerer, der glaubt er habe das Anrecht darauf, von der Gesellschaft ausgehalten zu werden. Solche Leute sollte man zu sozialen Arbeitsstunden verurteilen, damit sie mal lernen, was Arbeit ist.

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  • C.Käser am 19.07.2018 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Lese ich richtig?

    "leichte. Körperverletzung" und "bedingte "bedingte Freiheitsstrafe"? Wäre das Opfer nicht Postfilialenleiter sondern Staatsanwalt oder Richter so würde wohl ein deutlich höheres und eher angemessenes Strafmass ausgesprochen worden. Sorry, aber so ein A....loch darf einfach nicht frei herumlaufen - und das erst recht nicht in der acht so friedlichen und angeblich korrekten Schweiz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • problem gelösst am 19.07.2018 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pöstler und hund

    Unser Pöstler hat immer Hundeguetzli dabei und die Hunde lieben ihn.

  • Kain Spam am 19.07.2018 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    In den Wäldern...

    In den Wäldern verrottet massenweise Holz weil es sich nicht lohnt das zu Brennholz zu verarbeiten. Das wäre doch mal ein Kandidat für eine solche Arbeit. Da kann er seine Agressionen ausleben ohne Schaden anzurichten. Und die Gemeinde hat durch den Verkauf des ofenfertigen Holzes erst noch Einnamen...

  • Bill the Blue Whale am 19.07.2018 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Rechtsprechung

    Ein Tritt gegen den Kopf ist eine "leichte Körperverletzung"? Ernsthaft jetzt? Ging Carlos in Rente und muss nun vom nächsten, nicht gesellschaftsfähigen Brutaloschmarotzer ersetzt werden? Gegen das Gesicht und den Kopf zu treten, kann sehr schnell zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen - wenn das als "leicht" klassifiziert wird, braucht man für schwere Körperveletzungen wohl bestimmte Werkzeuge...Dampfwalzen zum Beispiel.

    • Basler am 19.07.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

      Strafgesetzbuch

      Gemäss SR Art. 122 ist es keine schwere Körperverletzung. Denn weder der Strafbestand der bleibenden Schäden noch die lebensgefährliche Bedrohung ist nicht gegeben. Wir wissen nicht, wie stark der Kick war oder wie der Pöstler aussah.

    • Carlos am 19.07.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      @ Bill the Blue Whale

      Durchaus möglich, dass ein Tritt gegen den Kopf nur eine leichte (oder sogar keine) Verletzung zur Folge hat. Allerdings kann ein Tritt gegen den Kopf lebensbedrohend sein und sollte darum als Tötungsversuch bewertet werden, mit entsprechender Strafe. Die verhängte bedingte Strafe ist ein schlechter Scherz.

    • Bill the Blue Whale am 19.07.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Basler

      Hier eine wilde Idee für Sie: Ändern wir doch den Gesetzestext dahingehend, dass gegen Köpfe zu treten generell als schwere Körperveletzung klassifiziert wird. Revolutionär, ich weiss! Wir wissen auch nicht, wie hart der Täter zutreten WOLLTE - vielleicht lebt der Pöstler bloss wegen einer kleinen Lageveränderung seines Kopfes noch. Womöglich wäre ab und zu im Zweifel für den gesunden Menschenverstand Recht zu sprechen. Wenn ein Telefon 3x mehr kostet als ein Tritt gegen den Kopf eines Mitmenschen, läuft einiges extrem falsch im Land.

    • User79 am 19.07.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

      Strafbestand erfüllt.

      Ich denke nicht, dass er noch Milchzähne hat, die nachwachsen. Somit ist ein abgebrochener Zahn ein bleibender Schaden.

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  • thurgauer am 19.07.2018 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    normale Zustände

    Na das scheint ja im Kanton SG zur Tagesordnung zu gehören. War er allenfalls mit dem E-bike da?

  • Peter M am 19.07.2018 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Da Frage ich mich

    Die Poststelle ist mit verglasten Schaltern ausgestattet. Warum rief man nicht einfach die Polizei? Name des Täter war ja der Angestellten bekannt.

    • Chris am 19.07.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter M

      Weil es halt noch Leute mit Zivilcourage gibt wie z.B. den Poststellenleiter. Ist euch App-Verwöhnten kein Begriff aber kann man googlen.

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