Trauerbewältigung

12. Juli 2019 04:47; Akt: 12.07.2019 04:47 Print

Polizei erklärt Angehörigen Unglück am Unfallort

Familien dürfen nach einem tragischen Verkehrsunfall meist den Unfallort besichtigen und Blumen niederlegen. Doch können solche Gedenkstätten für andere Lenker zur Gefahr werden?

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Vergangenen Sonntag wurde Ratheepan Ravindran bei einem Unfall in Waldstatt AR tödlich verletzt. Der 25-Jährige hatte die Kontrolle über seinen Töff verloren und war in einer Kurve gegen die Leitplanke geprallt. Durch den Aufprall zog er sich schwerste Verletzungen zu und verstarb noch an der Unfallstelle. Nun befinden sich dort Blumen und Kerzen, um dem gelernten Automobil-Assistenten zu gedenken. Platziert wurde der Trauerschmuck von Ratheepans Familie und das, obwohl es in der Kurve nach der Hundwilertobelbrücke kein Trottoir gibt.

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Haben Angehörige also ihr Leben riskiert, um an den Unglücksort zu pilgern? «Nein», sagt Bruder Pratheepan Ravindran. Ihm und seiner Familie sei von der Polizei angeboten wurden, die Unfallstelle zu besichtigen. «Dabei wurden wir von Polizisten begleitet. Sie erklärten uns dort auch, wie der Unfall genau geschah», erzählt er gegenüber 20 Minuten.

Keine Besichtigung bei zu gefährlicher Unfallstelle

Auf Anfrage bei der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden bestätigt man dies. «Bei uns ist es vielfach der Fall, dass man den Angehörigen eine solche Besichtigung anbietet», sagt Mediensprecher Marcel Wehrlin. Bei dieser würde man die Angehörigen darauf hinweisen, dass man so etwas nur in Begleitung der Polizei machen dürfe. Auf eigene Faust hinzugehen sei in den meisten Fällen schlicht zu gefährlich.

In den Kantonen Thurgau und St. Gallen bietet man eine Begleitung zum Unfallort nur auf Wunsch der Angehörigen an. Laut Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, versucht man dann einen einmaligen Gang zur Unfallstelle zu ermöglichen. Aber auch dabei gibt es Ausnahmefälle: «Wenn die Unfallstelle, wie im Falle des am Mittwoch tödlich verunfallten 26-jährigen Beifahrers, auf der Autobahn liegt, kann das zu einem Problem werden», so Schneider. Ob die Gefahr tragbar wäre, würden die zuständigen Polizeiposten entschieden.

«Telefongespräche sind gefährlicher als Kreuze»

Laut dem Basler Verkehrspsychologen Urs Gerhard kann es für die Angehörigen der Opfer wichtig sein, den Unfallort nochmal zu besuchen. «Für die Betroffenen kann es eine Art der Kommunikation sein, um den Hinterbliebenen nahe zu kommen und um sie zu trauern.» Dies sei aber individuell. So würden manche Betroffenen lieber zu Hause trauern, da sie sich beobachtet fühlen würden.

Und was löst der Trauerschmuck am Strassenrand bei den Autofahrern aus, könnten sie dadurch gar abgelenkt werden? «Wir denken ja beim Fahren meist an etwas», sagt dazu der Verkehrspsychologe. «Wenn wir nicht allzu tief in Gedanken versunken sind, ist dies nicht gefährlich.» Viel gefährlicher seien Telefongespräche mit und ohne Freisprechanlage, weil diese Antworten erforderten, die je nach Komplexität die Aufmerksamkeit viel stärker beeinträchtigen könnten.

Der Verkehrspsychologe hält es für möglich, dass Autofahrer wegen des Trauerschmucks sogar extra vorsichtig fahren. Dieses Verhalten habe er bei sich selbst schon beobachtet. Zudem würde es zum Nachdenken anregen.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nina88 am 12.07.2019 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trauerprozess

    Und wenn man auch ein Strassenstück kurzzeitig sperren muss, für viele Angehörige ist dies ein wichtiger Bestandteil des Trauerprozesses.

  • engel als schwester am 12.07.2019 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    uns hat's geholfen

    Unsere kleine Schwester verunglückte vor 32ig Jahren tödlich mit dem Töff. Nach einem Jahr fuhren wir zur Unfallstelle, es war das Beste zur Trauerbewältigung getan zu haben. Heute würde ich es auch viel früher machen, bin sicher es hilft vielen und wenn nötig in Begleitung der Polizei. Passed uf!

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  • heb der Sorg am 12.07.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schwarze Flagge

    Es gab mal eine Zeit, da wurde bei Verkehrs Todesfällen eine schwarze Flagge mit Blumen am Unfallort aufgestellt. War in den 60igern. Und es gab nicht wenige.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cornelia am 12.07.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht störend...

    Jeder Mensch verarbeitet einen solchen Verlust auf seine Art und Weise. Mich stört es nicht wenn Trauerflor am Strassenrand steht, schlimmer ist: Wenn Wahlen in einer Gemeinde sind, diesen Schilderwall und Kopfsalat am Strassenrand. Ich denke dass diese Werbung eher einen Automobilisten ablenkt als eine Kerze mit Blumen. Die jenigen die in diesen Komentaren solch gefühllose Zeilen schreiben, wünsche Ihnen nie eine solchen Verlust. Denn Hinterbliebenen mein herzliches Beileid.

    • Cleo am 12.07.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cornelia

      Fasst jeder hat schon einmal einen geliebten Menschen verloren. Unfall, Krebs, Alt usw. Mich stören die jahrelang gepflegten, mit Foto/Kränzen/Kerzen/Stofftiere etc. Mahnmale auf den Strassen trotzdem. Sorry aber geht auch in Littering

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  • S.Müller am 12.07.2019 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit dem Unfall bei Gossau SG?

    Aber mal ehrlich, warum wird über diesen Unfall soviel darüber geschrieben? Es gibt viel Unfälle mit Autos und auch mit Motoräder. Leider passieren so schreckliche Momenten. Es ist aber zu 90% Leichtsinn... Vor oder in einer Kurve sollte ein Überholverbot sein. Da man nur sehr schlecht oder gar nicht sieht, ob Gegenverkehr kommt. Man muss auch der Faktor Geschwindigkeit beachten. Hald lieber nicht Drängeln und der Vorherfahrende nicht Nötigen. Das ist schon mal einen Schritt in die richtige Richtung.

  • Alice am 12.07.2019 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Morgen/Abend?

    Die Blumen nützen den Toten nichts,auch die Blumen haben ein Leben,Ich traure für meine drei Brüder und für unsere Liebe Mutter mit dem Herzen,darum geht nie im Streit auseinander ,ihr wisst nie wie der Tag endet

  • Penumbra Noctis am 12.07.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Blumen am Wegesrand

    An der Strasse zwischen Schlieren und Uitikon gibt es eine Kurve, dort liegen konstant, jahrein jahraus, Blumen. Die, welche dadurch zum Nachdenken angeregt werden sollten koennen das gar nicht zur Kenntnis nehmen, weil die sowieso schon viel zu schnell daherkommen - und dann einen Abflug in den Wald machen.

  • Su,E am 12.07.2019 12:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschied

    Mein Bruder ist durch ein Unfall um das Leben gekommen,es würde uns gesagt das er ganz blau verfärbt ist und ist besser wir halten ihn wie vorher in Erinnerung,aber ich bereue es so konnte ich nie Abschied nehmen ,für mich wäre es besser gewesen am Sarg noch einmal Bruders Hände zu halten,

    • Claudia am 12.07.2019 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Nie mehr

      Glaub mir es war richtig so. Ich habe unserem kleinen Nachbarsjungen 8 Jahre, der von einem Schulbus zu Tode gefahren wurde, am Sarg meine letzte Ehre gegeben. Es sind genau diese Bilder die Du nie mehr wegbekommst und so wie der Junge war schnell ins Vergesse geraten!

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