Mord an Bank-Chef

07. April 2014 15:58; Akt: 07.04.2014 18:32 Print

Polizei findet Abschiedsbrief am Rhein

Die Polizei geht davon aus, dass sich der mutmassliche Mörder des Bank-CEOs das Leben genommen hat. Die Ermittler fanden persönliche Gegenstände am Flussufer.

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An einer Pressekonferenz teilte die Polizei mit, dass der gesuchte Jürgen Hermann wohl Selbstmord begangen hat. Seine persönlichen Sachen sind am Rheinufer in Ruggell gefunden worden. Es handelt sich dabei um Kleidung und um seinen Reisepass. Im Pass fand die Polizei Notizen, die als Geständnis und Abschiedsbrief gewertet werden können.

Auch die Spur, welche die eingesetzten Hunde aufnahmen, endet am Fluss. Die Leiche wurde allerdings bis jetzt noch nicht gefunden. Die Polizei setzt die Fahndung fort.

Bank-Chef erschossen

Am Montagmorgen gegen 7.30 Uhr ist in einer Tiefgarage der Bank Frick in Balzers FL der 48-jährige Bank-CEO Jürgen Frick erschossen worden. Laut Polizeiangaben folgte der mutmassliche Schütze Jürgen Hermann seinem Opfer zu Fuss durch das offene Garagentor in die Tiefgarage der Bank Frick. Das Opfer war am Montag nach sieben Uhr auf dem Weg zur Arbeit und mit dem Auto in die Tiefgarage der Bank Frick in Balzers gefahren.

Nachdem das Opfer parkiert hatte und aus dem Auto ausgestiegen war, schoss der Täter drei Mal mit einer Neun-Millimeter-Waffe. Gefunden wurde das Opfer kurz vor 7.30 Uhr von einem anderen Bankangestellten.

Beim Tatverdächtigen handelt es sich um den Liechtensteiner Jürgen Hermann. «Er ist nach polizeilichen Erkenntnissen bewaffnet und gefährlich», heisst es in der Mitteilung weiter. Beim Antreffen des Tatverdächtigen gelte äusserste Vorsicht.

Fluchtfahrzeug gefunden

Das Fluchtfahrzeug – ein weiss/grauer Smart– wurde danach in Ruggell gefunden, teilt die Polizei nach dem Mittag mit. Jürgen Hermann machte sich mittlerweile via seine Homepage über die Fahndung nach ihm lustig: «catch me if you can, dead or alive, reward 200'000'000 CHF («fang mich, wenn du kannst»), steht da.

Unterschrieben ist mit «Sheriff von Nottingham». Dieser Sheriff war der Gegenspieler von Robin Hood. Jürgen Hermann sah sich in den letzten Jahren als «Robin Hood von Liechtenstein».

Kein Unbekannter

Jürgen Hermann ist im Ländle kein Unbekannter. 2004 ging seine Fondsgesellschaft Konkurs. Hermann machte dafür unter anderem die Bank Frick sowie das frühere Amt für Finanzdienstleistungen verantwortlich. In der Folge klagte er das Land Liechtenstein auf 200 Millionen Franken Schadenersatz ein.

2010 machte Hermann in einem Schreiben an alle Liechtensteiner Haushalte seinen Fall publik. Gerne stellte er sich fortan als Robin Hood des Liechtensteiner Finanzplatzes dar. Gleichzeitig bot er Investoren Beteiligungen an einem allfälligen Prozesserfolg an.

Doch seine Chancen standen schlecht: In sämtlichen bisherigen Verfahrensdurchgängen wurden Hermanns Forderungen abgewiesen. Wurde er nun zum Gewalttäter? Bekannte beschreiben den Flüchtigen als «genialen Tüftler», aber auch als «aufbrausenden und rechthaberischen Narzissten».

Wer Hinweise zu Hermanns Aufenthaltsort machen kann, wird gebeten, sich mit der Polizei (+423/ 236 71 11) in Verbindung zu setzen.

(eli/woz/sda)