Ruinen geplündert

23. Oktober 2019 16:21; Akt: 23.10.2019 16:21 Print

Raubgräber von Polizei in flagranti erwischt

In Schellenberg (FL) wurde ein Mann festgestellt, der illegale Grabungen durchführte. Die Polizei hat ihn angezeigt.

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Mit Hilfe eines Metalldetektor und einem Handspaten führte ein Mann im Gebiet der Burgruine Schellenberg illegale Grabungen durch. Er war auf der Suche nach archäologischen Gegenständen. Damit verstiess er gegen das Kulturgütergesetz. Gemäss dem Gesetz über den Schutz, die Erhaltung und die Pflege von Kulturgütern (KGG) ist das Graben nach archäologischen Objekten ohne amtliche Bewilligung und mit technischen Hilfsmitteln jeglicher Art untersagt. Dem Mann wurde sowohl der Metalldetekor wie auch der Handspaten von der Polizei abgenommen. Er wurde bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Vor rund zwei Jahren ereignete sich ein änlicher Fall. Ein Mann wurde beim Verkauf dieser Münze auffällig. Das ist eine «Louis d'or» gefunden im Kanton St.Gallen. Die Vorderseite zeigt den Kopf des französischen Königs Ludwig XV. im Profil nach links. Die Rückseite der «Louis d'or» zeigt das Doppelwappen der Könige von Frankreich und Navarra unter der Krone. Das Verfahren gegen den Verkäufer der Münze endete mit einem Strafbefehl. Gefunden hat er die Münze bei illegalen Ausgrabungen im Kanton St. Gallen. Bei Ausgrabungen im Rapperswiler Ortsteil Kempraten sind 2015 ein Tempel und drei Kalkbrennöfen aus der Römerzeit freigelegt worden. Die St.Galler Kantonsarchäologen sprechen von wertvollen Funden – im Fall des Tempels gar von einer Sensation. Das locke auch private Schatzgräber und Plünderer an. «Wir überwachen deshalb das Gelände und haben Sicherheitsmassnahmen getroffen», sagte Martin Schindler, Leiter der St. Galler Kantonsarchäologie, damals gegenüber 20 Minuten. Diese Mineralwasserflasche vom Herzogtum Nassau fand Polier Ilir Dermaku im August 2015 in einem Graben in St. Gallen. Für ihn war klar, dass er sofort die Kantonsarchäologie informiert. Im Juli 2016 hat Michael Gschwend bei der Thur in Frauenfeld diesen aussergewöhnlichen Gegenstand aus Eisen gefunden. Er postete Bilder des Gegenstands in die Facebook-Gruppe «Du bisch vo Frauefeld wenn...». Dort empfahl man ihm, den Gegenstand zum Amt für Archäologie zu bringen. Das Tat er dann auch. Laut Archäologen ist der Gegenstand über 300 Jahre alt. Laut Archäologe Urs Leuzinger sei das Objekt ursprünglich wohl auf einem organischen Objekt wie Holz oder Leder montiert gewesen. Einen Möbelknauf könne er ausschliessen. Spektakulärer Fund in Ueken AG Ende 2015: 4000 Münzen aus der Römerzeit. Ein kleiner Teil des Münzschatzes von Ueken in unrestauriertem Zustand. Restaurierung einer Münze unter dem Binokular. Die Münzen sind in einem bemerkenswert guten Zustand. Gefunden hat sie Landwirt Daniel Loosli. Als Finderlohn erhielt er 1000 Fünfliber. Im Juli 2012 hat Berufstaucher Roger Eichenberger aus Gersau im Vierwaldstättersee einen spektakulären Fund gemacht: ein 13 Meter langes Segelschiff, das immer noch mit Glas beladen ist. Das meiste Glas ist zwar zerbrochen, einige Glasfläschchen haben aber den Untergang unbeschadet überstanden. Das Wrack befindet sich in rund 70 Metern Tiefe. Die Fundstelle liegt in der Nähe von Hergiswil. Laut der Kantonsarchäologie Luzern wurde das Schiff vermutlich zwischen 1860 und 1870 gebaut. Das rund 150 Jahre alte Schiff ist mit Glas beladen. Ein unversehrtes Glasfläschchen. Im Kieswerk Eschenbach hat Peter Honauer im März 2014 im Kieswerk Eschenbach einen Stosszahn eines Mammuts gefunden. Es ist bereits sein dritter Fund. Ein Bauarbeiter fand Anfang 2001 bei Ausgrabungen im St. Galler Klosterviertel diese antike Schügaflasche aus dem Jahr 1931.

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Mit Hilfe eines Metalldetektors und eines Handspaten führte ein Mann im Gebiet der Burgruine Schellenberg illegale Grabungen durch. Er suchte das historische Gebiet aktiv nach archäologischen Gegenständen ab, wie die Landespolizei des Fürstentums Liechtenstein am Mittwoch schreibt. Die Beamten der Landespolizei stellten den Metalldetektor sowie den Handspaten sicher und verwiesen den Mann nach einer eingehenden Befragung sowie einer Spurensicherung des Waldes. Er wurde bei der Liechtensteinischen Staatsanwaltschaft wegen Verstoss gegen das KGG (Kulturgütergesetz) zur Anzeige gebracht.

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Gemäss dem Gesetz über den Schutz, die Erhaltung und die Pflege von Kulturgütern (KGG) ist das Graben nach archäologischen Objekten ohne amtliche Bewilligung und mit technischen Hilfsmitteln jeglicher Art untersagt. Die Raubgräber würden am Tatort nicht nur Gegenstände entwenden sondern zerstören auch Spuren und Fundzusammenhänge. Diese sind für die historischen Einordnung unbedingt nötig. Laut Angaben der Landespolizei dürfen archäologische Objekte nicht behalten werden, sondern müssen dem zuständigen Amt für Kultur gemeldet werden. Solche Funde sind nämlich Eigentum des Landes.

Die Landespolizei wird in nächster Zeit vermehrt Kontrollen in diesem Bereich durchführen.

Münzen, Medaillen und Siegelstempel

Zu ähnlichen Fällen kam es auch schon im Kanton St. Gallen. Polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass ein Mann seit einiger Zeit ohne Bewilligung systematisch Wiesen in den Kantonen St. Gallen und Thurgau mit einem Metalldetektor abgesucht hatte. Knapp zwei Dutzend wissenschaftlich wertvolle Gegenstände konnten im Lauf der Untersuchung sichergestellt werden. So etwa Münzen, Medaillen und Siegelstempel.

Aufgeflogen ist der Mann damals, weil er eine «Louis d'or» aus dem Jahr 1738, eine wertvolle französische Goldmünze, auf Ricardo anbot. Dies ist Regula Steinhauser, stellvertretende Leiterin der Kantonsarchäologie St. Gallen aufgefallen. Schon seit längerem habe sie ihn im Visier gehabt. Das Verfahren gegen den Verkäufer der Münze endete mit einem Strafbefehl.

(maw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • schock am 23.10.2019 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    darknet juhu

    wieder was gelernt. wenn ich mal was historisches finde werde ich es auf dem schwarzmarkt verkaufen. da bekomme ich zwar nur geld dafür erspart mir aber die undankbarkeit des staates und eine sinnlose anzeige.

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  • Stefano am 23.10.2019 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Na zumindest ist die schöne münze wieder im umlauf oder in einem museum anstatt im boden verloren. Ich frage mich sowieso seit längerem warum in den angrenzenden staaten immer wieder sensationelle funde gemacht werden aber bei uns nicht. Scheinbar studiert man hier lieber wirtschaft. Ja dann, viel spass im büro. Gebt doch den interessierten die lizenzen zum graben. Und bitte kostenlos ohne die übliche abzockerei.

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  • Meiser am 23.10.2019 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gesetz per se nichtig.

    Das Recht des Finders und das Recht auf Ausgrabungen ist schon so alt wie die Menschheit selbst, und damit Jahrtausende älter als die Schweiz, sowie grundsätzlich allgemeingültig. Sie könnten ebenso gut ein Gesetz erlassen, dass das Atmen verbietet. Schon eigenartig auf welch seltsame Ideen unsere Legislative manchmal kommt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.Ragen am 24.10.2019 02:29 Report Diesen Beitrag melden

    Was ich mich frage ....

    alles gut und recht, aber warum ist immer alles aus alter Zeit vergraben ? Kann das jemand nachvollziehbar erklären ?

    • Langschläfer am 24.10.2019 04:23 Report Diesen Beitrag melden

      @F.Ragen

      1. Es ist nicht alles aus alter Zeit vergraben worden. Vieles wurde aufbewahrt und gehegt und gepflegt sowohl in Privatbesitz wie auch in Kirchen sowie in Museen und Schlössern in öffentlicher Hand. 2. Wurde etwas verloren und nicht wiedergefunden oder liegengelassen, wuchs mit der Zeit die Humusschicht darüber stetig an. 3. Wollte jemand etwas verstecken, war das Vergraben die einfachste Lösung. Starb der letzte Mensch, der um das Vergrabene wusste, ohne jemand über das Vergrabene zu unterrichten, so blieb es vergraben.

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  • Z.Orro am 24.10.2019 01:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gold kann man immer einschmelzen

    und Käufer für Gold lassen sich überall finden.

  • Ganjaflash am 23.10.2019 23:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Der Gerechte am 23.10.2019 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WOW... hinter Gitter mit Ihm

    Der absoluter Wahnsinn... Der Polizei ging mit dem Alteisensammler ein wirklich bedeutungsvoller Krimineller ins Netz. Super gemacht Jungs.

  • ennirdregniF am 23.10.2019 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Geschäftszweig

    Der Staat illegalisiet dies, da sie eigene Männer haben welche danach suchen und sie dann alles haben können nicht das ihnen jemand zuvorkommt.

    • k.d. am 23.10.2019 21:37 Report Diesen Beitrag melden

      @ennirdregniF

      Die Kantone bzw. auch Lichtenstein hat zwar eigene ArchäologInnen, die diese Grabungen wissenschaftlich korrekt durchführen und dokumentieren, aber behalten darf und tut keiner von ihnen etwas! Und verkaufen schon gar nicht!

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