Rorschach SG

17. September 2019 07:04; Akt: 17.09.2019 07:17 Print

Porschefahrer gibt Gas, weil er sich bedroht fühlt

Ein Rheintaler Porschefahrer (51) wurde von der Polizei auf der Autobahn beim Schnellfahren erwischt. Er habe sich verfolgt gefühlt und deshalb Gas gegeben, sagt der Mann.

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Der heute 51-jährige Rheintaler ist im Oktober 2017 mit seinem Porsche mit 160 km/h auf der Autobahn A1 zwischen Meggenhus und Rheineck erwischt worden. Auf diesem Abschnitt gilt aber die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

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Erwischt wurde er von einer zivilen Patrouille der Kantonspolizei St. Gallen. Der Porsche war den Polizisten bereits zuvor auf einem anderen Abschnitt der A1 aufgefallen. Bei einer Nachfahrt auf dem Abschnitt Meggenhus - Rheineck konnte durch ein spezielles Messgerät, das im Auto der zivilen Patrouille eingebaut ist, die Geschwindigkeit gemessen werden.

Der Beschuldigte muss sich am Mittwoch vor dem Kreisgericht Rorschach verantworten. Laut Gerichtsakten sagt er aus, dass er sich vom zivilen Fahrzeug verfolgt und bedroht gefühlt und deshalb beschleunigt habe. Nur darum sei es zur Geschwindigkeitsübertretung gekommen.

«Polizei, bitte folgen»

Zum konkreten Fall kann Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen nichts sagen. Grundsätzlich sagt er, verfügen die meisten Zivilen- und Patrouillenfahrzeuge der Kapo, die auf der Autobahn verkehren, über ein Nachfahrmessungssytem. Damit könnten während der Fahrt Geschwindigkeiten erfasst und Videos aufgezeichnet werden.

Wird ein Lenker mit übersetzter Geschwindigkeit aufgezeichnet, versuchen die Polizisten anschliessend diesen bei einer Ausfahrt von der Autobahn oder allenfalls auf eine Raststätte zu lenken. Das kann mittels Leuchtschrift «Polizei, bitte folgen» geschehen, nachdem die Polizei den Schnellfahrer überholt.

Viele Faktoren beeinflussen die Polizisten

Ob dies im aktuellen Fall passierte, kann Krüsi aus rechtlichen Gründen nicht sagen. Er fügt an: «Das machen wir üblicherweise nur, wenn es die Sicherheit zulässt.» Dabei achte man auf Strassen- und Sichtverhältnisse, die Dichte des Verkehrs und andere Verkehrsteilnehmer. «Die Nachfahrt muss verhältnismässig sein», sagt Krüsi. «Falls die Situation als zu gefährlich eingeschätzt wird, kann auch eine zweite Patrouille angefordert werden, die weiter vorne das Auto abfängt.»

Grundsätzlich werde versucht, den Fahrer unmittelbar zu stellen, um gleich vor Ort festzustellen, wer am Steuer sitzt und die Übertretung begangen hat. Sollte das nicht möglich sein, habe man immer noch das Video als Beweis. Es komme manchmal vor, dass Lenker vorläufig entwischen, weil die Polizei die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer nicht gefährden will.

Strafbefehl nicht akzeptiert

Dem Schnellfahrer wurde im November 2018 von der Staatsanwaltschaft ein Strafbefehl zugestellt. Die Staatsanwaltschaft wollte den Mann wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln und Nichtmitführens des Fahrausweises verurteilen. Als Konsequenz wäre der Mann zu einer Busse von 1800 Franken sowie einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 300 Franken verurteilt worden. Doch der Porschefahrer akzeptierte den Strafbefehl nicht, weshalb es am Mittwoch zur Gerichtsverhandlung kommt.

(jeb)