Kristallhöhlenmord

01. Juli 2019 10:00; Akt: 01.07.2019 15:27 Print

Täter suchte Machtbestätigung

von J. Büchel - Profiler Axel Petermann (66) teilte am Donnerstagabend seine Analyse zum Kristallhöhlenmord. Er geht von einem Einzeltäter mit Macht- und Dominanzansprüchen und gleichzeitigem Selbstzweifel aus.

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Im ausverkauften Saal vor über 200 Personen in Oberriet SG referierte Tatortanalytiker Axel Petermann (66) über seine Arbeit als Profiler und zum Kristallhöhlenmord (siehe Box). Die fünf Tage vor dem Vortrag hat er zusammen mit der
IG Kristallhöhlenmord, bestehend aus Privatpersonen, genutzt um den Fundort der Leichen sowie die Umgebung zu besuchen. Zudem hat er mit diversen involvierten Personen gesprochen.

Zu Beginn des Referates bestimmte Petermann das Wesen der beiden Opfer. Brigitte (†17) beschreibt er als spontan, von mittelkräftiger Statur mit klar fraulichen Zügen, unternehmungslustig und offen gegenüber Fremden. Sie habe sich damals in einer Selbstfindungsphase befunden. Innerhalb der Beziehung mit Karin war sie die tonangebende Person, die sagte, wo es durch geht. Karin (†15) hingegen sei zurückhaltend, vorsichtig und scheu gewesen, ja sogar distanziert gegenüber Fremden. Zudem wird sie mit 145 Zentimeter Körpergrösse von Petermann als eher klein beschrieben. Dazu von knabenhafter Figur mit jungenhaftem Aussehen. Die beiden seien das Gegenteil vom anderen gewesen, hätten sich aber seit Kindesbeinen gekannt und gut verstanden.


Aktzenzeichen XY hat ein Jahr nach dem Mord in der Sendung berichtet und nach Zeugen geuscht. Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Am 31. Juli 1982, als die beiden während einer mehrtägigen Velotour verschwanden, seien laut Profiler vermutlich nur wenige Stunden vergangen, bis die Mädchen nach dem Aufeinandertreffen mit dem Täter getötet wurden. Petermann geht davon aus, dass der Täter die Mädchen bei der Weggabelung zur Kristallhöhle angesprochen hatte, vielleicht eine Besichtigung der Höhle in Aussicht gestellt hatte und die spontane Brigitte sich dafür begeistern liess. «Vermutlich sind die Mädchen dann in das Auto des mutmasslichen Täters gestiegen und den Wald hoch in Richtung Kristallhöhle gefahren», sagt Petermann.

Oben angekommen sei es wohl bald zur Tötung gekommen. Diese wurde, so vermutet der Tatortanalytiker, mit einem stumpfen Gegenstand durchgeführt. Petermann erörtert am Vortrag gerichtsmedizinische Befunde. Daraus geht hervor, dass Brigitte (†17) einen Schädelbruch und ein schweres Schädelhirntraum erlitten haben könnte, ausgelöst von einem Schlag oder gegebenenfalls auch Sturz.

Opfer könnte gewürgt worden sein

Bei Karin (†15) geht Petermann ebenfalls von einem Schlag oder einem Sturz aus, zusätzlich könnte sie, wie auch Brigitte (†17), gewürgt worden sein. Hinweise auf sexuellen Missbrauch gab es bei Karin keine. Der Profiler vermutet, dass es sich bei der Tötung der damals 15-Jährigen um einen Verdeckungsmord handeln dürfte. Karin sei wohl Zeugin des Mordes an ihrer Freundin geworden sein und musste deshalb aus dem Weg geschafft werden.

Wortwörtlich aus dem Weg geschafft wurden die Leichen. Denn die Fundorte der Getöteten entsprechen laut Petermann nicht dem Tatort. «Karin (†15) wurde in einer Höhle elf Meter unterhalb des Eingangs der Kristallhöhle gefunden, Brigitte (†17) lag in der Nähe unter einer Felsplatte versteckt.» Gefunden wurden die beiden neun Wochen nach deren Verschinden von einem Wanderer, der Verwesungsgeruch wahrgenommen hatte. Durch die lange Zeit bis zum Auffinden der Körper waren diese teilweise verwest. «Brigitte wurde mit nacktem Unterkörper gefunden, Karin war gänzlich bekleidet, trug drei T-Shirts unter dem Anorak», führte Petermann am Vortrag aus.


Mit einer Puppe versuchen Mitglieder der IG Kristallhöhlenmord zusammen mit Profiler Axel Petermann nachzustellen, ob eine Einzelperson einen Körper zum Fundort der Leiche hätte transportieren können.

Täter kannte sich vor Ort aus

Die Mädchen wurden aufwendig versteckt. Für Petermann ist klar: «Die Opfer sollten nicht am Ort der Tötung gefunden werden, da sonst der Verdacht auf den Täter hätte fallen können», so der Tatortanalytiker. «Der Täter muss sich in der Gegend gut ausgekannt haben und kommt aus der Gegend», ist Petermann überzeugt. «Er konnte das Risiko, entdeckt zu werden, gut einschätzen.» Denn das sei ihm wichtig gewesen. Andere Täter lassen ihre Opfer am Tatort liegen.

Den Täter beschreibt der Profiler als einen Mann mit dominierenden Macht- und Dominanzansprüchen, jedoch mit Zweifeln an seiner Macht. «Zudem vermutlich sexuell eher inkompetent und nicht in der Lage, eine Beziehung zu einem passenden Sexualpartner zu unterhalten», so der Profiler. Mehr noch: Petermann traut dem Täter auch zu, sich sexuell an bewusstlosen oder widerstandunfähigen Opfer zu vergehen.

Gab es einen Helfer?

Einen konkreten Tatverdächtigen will Petermann nicht nennen. Den Fall zu lösen, ohne alle Akten zu kennen, sei schwierig. Der Profiler bekam keine Akteneinsicht. Zur Klärung bleibe die Hoffnung, dass der Täter sein Gewissen erleichtern wolle und reinen Tisch mache. Oder ein möglicher Helfer des Täters. Denn unklar bleibt, wie schwer die Felsplatte war, mit welcher das Grab von Brigitte zugedeckt war. Petermann vermutet, dass die Platte ohne Hilfsmittel oder helfende Hände nicht zum Grabplatz hätte gebracht werden können. Es wäre denkbar, dass es einen Helfer oder gar Mittäter gibt.

Der Täter und allenfalls Helfer müssen rechtlich keine Konsequenzen fürchten, wenn sie sich zu erkennen geben. Mord verjährt in der Schweiz nach 30 Jahren. Der Kristallhöhlenmord liegt bald 37 Jahre zurück.


Profiler Axel Petermann im Interview. Video: mwa

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WOMEN'S FEET LOVER am 30.06.2019 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzänderung"MORD DARF NICHT VERJÄHREN"

    Wie kann es eigentlich sein,das Mord verjährt?

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  • OJ Simpson am 30.06.2019 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mord kann verjähren???

    Das ist sowas von daneben! Mord sollte niemals verjähren.

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  • Cheshire cat am 30.06.2019 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Verjährung

    Es gibt Taten, die nicht verjähren dürfen. Da müsste die Schweiz noch einmal über die Bücher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MENSCH VERGIB UNS am 01.07.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Man muss auch loslassen können-

    MORD muss verjähren, wie lang soll der ein Mord gesühnt werden 100 Jahre? Oder Generationen.? Die Justiz hat genügend zu tun mit aktuellen Fällen.! Und wer sagt welcher Fall ist bedeutsam.? Versucht eure Emotionen in den Griff zu bekommen. Leider ist das ganze nur zu menschlich!

  • divinemothertree am 01.07.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisches Gefühl

    Wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass damals etwas vertuscht wurde? Ich bin mir ganz sicher, die Polizisten oder die Bevölkerung vom Dorf wissen doch mehr? Wer wird hier gedeckt und warum bis heute noch? Oder ist es wirklich, warum auch immer, so schwierig diesen Fall zu lösen? Ich glaube hier wurde vielen nicht zugehört und die Ermittler haben viele Fehler gemacht, vielleicht zu Gunsten des Täters oder einfach so... geht's auch jemandem so? Für die Familie und Angehörige muss es einfach schrecklich sein, allein deswegen soll Mord nie verjähren dürfen.

  • Brumm am 01.07.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mord verjährt nie

    Bin letztens durch einen Wald gelaufen wo vor Jahrzehnten ein junges Mädchen bestialisch ermordet wurde. Obwohl schon so lange her war mein erster Gedanke: Ich bin Single und habe keine Verpflichtungen, nichts zu verlieren, wenn er vor mir steht werde ich ihm das Gleiche antun. Mord verjährt nie.

  • C.Käser am 01.07.2019 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz pur

    Mord verjährt, Vermögensdelikte jedoch nicht. Na? In welch einem Land leben wir? Für unsere Justiz darf man sich getrost schämen.

  • Gerry am 01.07.2019 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Profiler oder Fantast

    Offenbar gehts hier darum Geld mit den Opfern zu machen. Irgendwelche Spekulationen an Vorträgen zu halten für die die Besucher Eintritt bezahlen und das alles ohne einen einzigen Beweis, ist für mich Scharlatanerie. Da hätte man auch Mike Shiva befragen können, ich würde darauf wetten, der wäre zum selben Schluss gekommen.

    • Godslayer am 01.07.2019 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Tatsache - keinen Schuldigen

      ich bin eher der Meinung, dass die Polizei-Arbeit nicht intensiv genug gemacht wurde, weil man irgendeinem nicht auf die Füsse treten wollte. Kann mir gut vorstellen, dass sie damals den Fokus auf Auswärtige oder Randständige gesetzt haben. War auch eine Art des Profiling. Die Machen keine Probleme und sind einfach zu vernehmen. Aber wenn man einen Einheimischen beschuldigt, wird das eben unangenehm wenn man sich im Dorf kennt. Auch Polizisten lassen sich von Fassaden blenden.

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