Kantonsgericht St. Gallen

28. August 2018 17:33; Akt: 28.08.2018 17:33 Print

Pumpgun-Schütze soll elf Jahre ins Gefängnis

Tag zwei im Berufungsprozess um den Überfall auf die Hanfhalle in Altstätten. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den Haupttäter elf Jahre Gefängnis und eine stationäre Massnahme.

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Zu Beginn des zweiten Prozesstages ging es um einen weiteren
Überfall in einer Wohnung im Kanton Aargau. Bei der Straftat, die
sich rund vier Monate nach dem Überfall auf die Hanfplantage in
Altstätten ereignete, waren drei der sieben Beschuldigten dabei.

Strittig war, ob und wie viel Gewalt die Bande in der Wohnung
angewendet hatte. Deshalb waren fünf Personen vorgeladen, die durch das Gericht befragt werden sollten. Zwei blieben der Vorladung fern, unter den drei anderen befand sich der Wohnungsbesitzer.

Seine ehemalige Freundin habe von einem der Angreifer einen
heftigen Schlag erhalten, durch die sie eine Platzwunde erlitten
habe, sagte der Zeuge. Er sei froh, dass die Männer nach wenigen
Minuten mit Drogen und Bargeld abgezogen seien. Die anderen beiden befragten Personen gaben an, es sei beim Überfall ihres Wissens keine Gewalt angewendet worden.

Genugtuung für verletzte Bewacher

Auf die Befragung folgte das Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Sie
forderte für vier der sieben Beschuldigten, die am Überfall auf die
Hanfplantage in Altstätten beteiligt waren, höhere Strafen.

Für den Haupttäter, der die beiden Bewacher der Anlage mit Schüssen schwer verletzt hatte, sah sie elf Jahre Gefängnis als angemessene Sanktion. Das Kreisgericht Rheintal hatte 10,5 Jahre gesprochen.

Die Vorinstanz hatte auch eine stationäre Massnahme für den
42-jährigen Chauffeur aus Zürich angeordnet. Diese sei zu
bestätigen, betonte der Staatsanwalt. Laut Gutachten habe der
ehemalige Posträuber eine Persönlichkeitsstörung und sei stark
rückfallgefährdet.

Seine Behauptung, er habe für den Überfall eigentlich
Gummigeschosse in die Waffe laden wollen, jedoch die Munition
verwechselt, sei nicht glaubwürdig.

Für drei weitere Beschuldigte verlangte der Staatsanwalt ebenfalls
höhere Strafen, als sie die Vorinstanz verhängt hatte. Zudem seien
sechs der sieben Beschuldigten solidarisch zu verpflichten, den mit Schüssen verletzten Bewachern Genugtuungsummen zu zahlen. Diese wurde von den Anwälten der Privatkläger mit 175'000 und 60'000 Franken beziffert.

Deutlich tiefere Strafe gefordert

Der Hauptangeklagte war mit zwei Verteidigern an der
Berufungsverhandlung vertreten. Der eine stellte den Antrag, sein
Mandant sei vom Vorwurf der mehrfachen versuchten Tötung und
anderer Vorwürfe freizusprechen. Er sei unter anderem der schweren Körperverletzung schuldig zu erklären.

Als Sanktion sah er eine Freiheitsstrafe von fünf oder höchstens
sieben Jahre als gerechtfertigt. Von der Anordnung einer
stationären therapeutischen Massnahme sei abzusehen.

Der Verteidiger sprach in seinem Plädoyer die Aussage des
Beschuldigte an, er habe die Munition verwechselt und eigentlich
nicht scharfe Munition, sondern Gummigeschosse laden wollen. Dies sei keine Schutzbehauptung, sondern entspreche den Tatsachen. Sämtliche Beschuldigten seien davon ausgegangen, die Waffe enthalte nicht tödliche Geschosse.

Der Prozess wird voraussichtlich nur drei statt vier Tage lang
dauern. Am Mittwoch stehen die restlichen Plädoyers der
Verteidigung, die zweiten Vorträge und die Schlussworte der
Beschuldigten auf dem Programm. Die Urteile des Kantonsgerichts St. Gallen werden erst in einigen Tagen schriftlich erwartet.

(sda)