Drogentest

16. April 2015 06:15; Akt: 16.04.2015 12:04 Print

Pupillen zu langsam – Ausweis fünf Wochen weg

In Zürich kann die Polizei seit November auf blossen Verdacht hin einen Fahrausweis einziehen. Eine St. Gallerin hat das erlebt – weil ihre Pupillen «falsch» reagierten.

storybild

Bei einer Polizeikontrolle der Kantonspolizei Zürich wurde K. kontrolliert. (Symbolbild: Keystone/Walter Bieri)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nadine K.* war am 7. März um 1.30 Uhr mit ihrem Auto von Zürich auf dem Heimweg Richtung Bad Ragaz SG. «Ich hatte am Freitag Schule in Zürich bis 20 Uhr, danach war ich noch bei einem Kollegen», erzählt die 22-Jährige. Auf der Autobahn geriet sie in eine Polizeikontrolle. «Ich musste Fahrausweis und Fahrzeugausweis vorzeigen», sagt K. Dann wurde sie gefragt, ob sie Alkohol oder Drogen konsumiert habe. K. verneinte.

Dann habe der Polizist ihr mit einer Taschenlampe in die Augen geleuchtet. «Sie sagten mir, dass meine Pupillen zu wenig schnell kleiner geworden seien. Das sei verdächtig», erzählt K. Dann hätten die Polizisten ihr Auto auf Drogen durchsucht – ohne Ergebnis. Dennoch hiess es, sie müsse für eine Blut- und Urinprobe ins Spital. «Meinen Fahrausweis haben sie behalten», sagt K. Sie bekomme ihn erst wieder, wenn die Resultate von Blut- und Urinprobe da seien, habe man ihr gesagt. K. habe angeboten, einen Drogenschnelltest zu absolvieren, doch die Polizei habe abgewunken: «Der wurde abgeschafft.»

Zwei Stunden im Spital verbracht

Also gings gemeinsam ins Spital. «Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher», so K. Im Spital wurde sie gründlich befragt. «Jede erdenkliche Droge wurde einzeln abgefragt, ob ich die konsumiert hätte», so K. Dann folgten Blutentnahme, Urinprobe und weitere Tests. Das Ganze dauerte bis etwa fünf Uhr. Mit dem Zug fuhr sie später nach Hause, ihr Bruder musste das Auto in Zürich abholen.

«Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich den Fahrausweis weghaben würde», so K. Gerechnet habe sie mit ein bis zwei Tagen – immerhin habe sie sich ja nichts zuschulden kommen lassen. «Ich habe überall herumtelefoniert, wo mein Ausweis ist und wann ich den wieder bekomme, aber niemand konnte mir eine Antwort geben», erzählt K. Dabei sei sie nur schon wegen ihrer Arbeit auf den Ausweis angewiesen. So musste sie stets jemand ins Büro oder zu Sitzungen fahren.

Nach drei Wochen kamen Ergebnisse

Drei Wochen nach der Kontrolle kamen die Ergebnisse von Blut- und Urinprobe: beide negativ. Den Fahrausweis bekam sie deswegen aber noch nicht zurück. Dieser lag inzwischen beim Amt für Administrativmassnahmen. Auch dort wollte Nadine K. niemand Auskunft geben.

Die junge Frau war der Verzweiflung nahe. «Ich habe nie gegen das Gesetz verstossen, nie eine Busse eingefangen, bin nie geblitzt worden und dann das», sagt K. Es dauerte weitere zwei Wochen, bis die 22-Jährige den Fahrausweis wiederhatte. Fünf Wochen ohne Auto, nur weil ihre Pupillen nicht so reagiert haben, wie es der Beamte erwartet hatte. Ein Anrecht auf Entschädigung oder Genugtuung habe sie nicht, teilte ihr die Staatsanwaltschaft Zürich in einem Schreiben mit.

Zweijährige Versuchsphase

Im November 2014 hat die Zürcher Kantonspolizei Drogenschnelltests zur Erkennung von fahrunfähigen Lenkern abgeschafft. Seither beobachten geschulte Polizisten die Fahrzeuglenkenden und ihr Verhalten – etwa mittels eines Pupillen-Checks. Das neue Konzept habe sich in einer zweijährigen Versuchsphase bewährt und weise eine hohe Zuverlässigkeit auf, hiess es bei der Einführung. Zum vorliegenden Fall wollte sich die Kantonspolizei Zürich nicht äussern.

Bei der Kantonspolizei St. Gallen setzt man bei Kontrollen weiterhin auf Drogenschnelltests. Man beobachte aber, welche Erfahrungen die Zürcher Kollegen mit dem neuen Konzept machen, so Sprecher Gian Andrea Rezzoli. «Wir prüfen, ob das Konzept allenfalls auch in St. Gallen übernommen werden soll. Noch ist aber nichts spruchreif», so Rezzoli.

*Name der Redaktion bekannt

(taw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MB am 16.04.2015 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Ich habe mich beim Lesen in die Situation der jungen Frau versetzt - und bin innerlich richtig wütend geworden! Wenn es sich wirklich so abgespielt hat, dann kann man nur den Kopf schütteln. Das darf nicht sein!

    einklappen einklappen
  • Sebastian Tellenbach am 16.04.2015 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsstaat ?

    In Zürich scheint die Sonne? Wenn das die ganze Geschichte ist, dann gute Nacht, Rechtsstaat !!!

    einklappen einklappen
  • Dani AG am 16.04.2015 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Was wie bitte? "Geschulte" Polizisten prüfen die Pupillen? Und danach können sie folgenlos derartige Massnahmen veranlassen? Gehts eigentlich noch. Entweder man macht einen seriösen Schnelltest oder man lässt es einfach ganz sein. 5 Wochen Billet einfach mal so weg, wegen so einem unfähigen Polizisten, das geht gar nicht!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 21.04.2015 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich aber leider wahr...

    Ist einem Kollegen von mir genau so passiert! Ein zusätzlicher durch den Hausarzt durchgeführter Bluttest welcher innert kürze Ausgewertet wurde, wurde von der Polizei aberkannt und er musste 4 Wochen auf das ofizielle Resutat warten. Trotz allen Anschuldigungen stand die Firma hinter ihm und machte sich bei Polizei und Strassenverkehrsamt für die schnelle Wiedererlangung des Ausweises stark. Jedoch alles erfolglos...Trotz 2 negativem Bluttest wurde er im nachhinein noch zu einem "Idiotentest" vorgeladen welcher zusätzlich seine Fahrtüchtigkeit klären sollte. Entschuldigung? - Fehlanzeige!

  • MacMike am 18.04.2015 00:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schäusslicher Machtmissbrauch

    Eine unglaubliche Geschichte über das Schweizer Verkehrsrecht! Die Fahrerlaubnis wird entzogen wegen verdacht auf Medikamentenmissbrauch (Medikamente wurden rechtmässig eingenommen und beim Verkehrsamt vor Prüfungsantritt angegeben und abgesegnet). Danach eine Tortur mit dem Strassenverkehrsamt, mit der Verkehrspolizei Zürich, mit verschiedenen Ärzten und schlussendlich mit dem Amtsarzt der dann eine eindeutige Fahreignung attestiert. Zwischenzeitlich musste dann ich notfallmässig ins Spital auf Grund eines Schubverdacht, der sich dann doch nicht bestätigt hat. Danach bekam ich den Fahra

  • Ritschi am 17.04.2015 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An die jetzt so grosse Töne spucken...

    Im Kanton Zürich wurden bis anhin Drogenschnelltests 'Drugwipe' durchgeführt, mit mässigem Erfolg. Die Zuverlässigkeit liess zu wünschen übrig. Aus dem EU Raum, namentlich Deutschland, gab es stimmen, die sagten, dass diese Methode viel zuverlässiger sei. Statistiken belegen dies....was ist nun besser ? Minimale Fehlschläge ? Grosse Streuungen ? Oder alles Quatsch aus Deutschland ?

  • Pendler FF am 17.04.2015 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schadenersatz ohne wenn und aber

    die verantwortlichen Personen, nicht Aemter resp. wir Steuerzahler, sollen Schadenersatz leisten. Z.B. Amtsmissbrauch ... Dann hört diese Willkür blitzartig auf, wetten?

  • Hans Meier am 17.04.2015 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arm dran

    Kann mir nicht vorstellen das es den übrigen Polizeibeamten gefällt was sie hier zu lesen bekommen. Arm dran wer sich an solchen Aufgaben bestätigt fühlt und denk er habe was Gutes zum Wohl der Gemeinschaft getan. Noch ärmer dran die Frau die Wochen kein Ausweis hatte und den Job wegen dem verliehren kann.