Baukartell-Skandal

01. Dezember 2019 08:24; Akt: 01.12.2019 08:24 Print

Quadroni will gegen Kanton Graubünden klagen

Er sei nicht korrekt behandelt worden. Nun will Whistleblower Adam Quadroni juristisch gegen den Kanton Graubünden vorgehen.

Bildstrecke im Grossformat »
Bei der Verhaftung des Whistleblowers Adam Quadroni soll die Polizei brutal vorgegangen sein. Jetzt laufen Ermittlungen. Er brachte das Baukartell im Unterengadin zu Fall: Doch es gab auch Vorwürfe gegen den Whistleblower selber. Quadroni soll laut «Blick» die Liquiditätsplanung seiner Firma Linard Quadroni SA frisiert haben, weswegen ein Treuhänder Millionen in die Firma investiert habe in der Hoffnung, sie vor dem Konkurs retten zu können. Der neue Bericht stellt Quadronis Märtyrerstatus in Frage. Bisher hiess es, Quadroni habe wegen der Aufdeckung des Kartells alles verloren: Firma, Frau und Kinder. Ein Student richtete aus Mitleid für den Mann eine Crowdfunding-Kampagne ein, die bis jetzt über eine Viertelmillion Franken Hilfsgelder sammelte. Bis 2012 sollen sich Baufirmen im Unterengadin abgesprochen haben. Das Kartell wird nun von der Weko gebüsst. Die am meisten betroffene Firma soll bis zu 5,5 Millionen Franken Sanktionen bezahlen. Das Online-Magazin «Die Republik» hat Details des Falls recherchiert. Neben den Bauunternehmern spielen auch diverse Politiker und die Kantonspolizei eine Rolle. Letztere hatte den Whistleblower mit einem Sondereinsatzkommando zwangsweise in eine Klinik eingeliefert. Involviert ist auch der BDP-Regierungsrat Jon Domenic Parolini. Er soll schon 2009 vom Kartell gewusst und nichts unternommen haben. Zur «Republik» sagt er, der Whistleblower habe ihm die Unterlagen nicht aushändigen wollen. Der WEko-Präsident Andreas Heinemann sagt zu den Absprachen: «Dass Kartelle illegal sind, ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Enthüller im Bündner Baukartell-Skandal will juristisch gegen den Kanton vorgehen, weil Behörden ihn nicht korrekt behandelt haben. Der ehemalige Unterengadiner Bauunternehmer Adam Quadroni bereite eine Staatshaftungsklage gegen den Kanton Graubünden vor, berichtet die «NZZ am Sonntag».

Im Raum stehen Schadenersatz- und Genugtuungsansprüche, die der Whistleblower Quadroni einerseits wegen inkorrekter Polizeieinsätze geltend machen will. Andererseits sei er als Bauunternehmer boykottiert worden, nachdem er sich gegen das Baukartell gewehrt hatte. Die systematische Nichtberücksichtigung habe seine Firmen ruiniert.

Die Voraussetzungen für eine Klage, dass ihm durch amtliche Tätigkeit Schaden entstand und er zudem in seiner Persönlichkeit sowie seiner körperlichen Integrität verletzt wurde, sehen Quadronis Anwälte als erfüllt an. Sie wollen nicht nur den Kanton belangen, sondern auch Staatshaftungsklagen gegen mehrere Unterengadiner Gemeinden einreichen.

Die Anwälte sehen sich in den in der vergangenen Woche veröffentlichten Untersuchungsberichten in ihrer Meinung bestärkt. Die illegalen Absprachen im Strassenbau im Unterengadin sind schweizweit der bisher grösste aufgeflogene Fall von Manipulationen auf dem Bau. So kam es bei mehreren hundert Projekten zwischen Baufirmen zu Absprachen um Preise und Aufträge. Die Wettbewerbskommission (Weko) büsste zwölf Baufirmen mit total elf Millionen Franken.

(sda)