Fälensee

05. Oktober 2018 05:48; Akt: 05.10.2018 08:37 Print

Rätsel um Fische in Bergsee beim Alpstein

Kanadische Raubfische sollen angeblich den Fälensee leer fressen. Derzeit führt der Kanton AI deshalb eine Abfisch-Aktion durch. Ein Leser-Reporter zweifelt an deren Sinn.

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Im Fälensee im Alpsteingebiet nimmt der Fischbestand seit Jahren laufend ab. Grund dafür soll der Kanadische Seesaibling sein, der die einheimischen Fische frisst. Deshalb fand diese Woche eine Abfisch-Aktion mit grossmaschigen Netzen mit Spezialisten im Bergsee statt. Auftraggeber ist der Kanton Appenzell Innerrhoden.

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Der Kanadische Seesaibling (Salvelinus namaycush), der eigentlich in nordamerikanischen Seen heimisch ist, wurde Mitte der 80er-Jahre im Fälensee ausgesetzt. Ziel war es, den Fischbestand zu erhöhen. Zu Beginn sei diese Massnahme erfolgreich gewesen, sagte Gewässerökologe Fabian Peter im April 2018 zu 20 Minuten. Er hatte den Kanton beraten. Ab 1991 seien die Fangerträge im See trotz weiteren Aussetzungen jedoch wieder auf unter 200 gefangene Fische ab dem Jahr 2011 zurückgegangen. In den 90er-Jahren waren es noch 1400 gewesen. Die Vermutung: Die Fische aus Kanada wurden gross und gefrässig.

Gestörte Wasserqualität

Laut einem Leser-Reporter ist diese Vermutung Unsinn: «Im Fälensee wurde schon seit Jahren kein solcher Kanadier mehr gefangen», sagt er. Der erfahrene Fischer und Kenner der Fischart ist überzeugt, dass nur noch sehr wenige Exemplare im Fälensee schwimmen. Das werde auch die Abfisch-Aktion zeigen. «Das bedeutet, diese Fischart kann nicht für den schlechten Fischbestand im Bergsee verantwortlich sein», so der Ostschweizer weiter.

Vielmehr vermutet er einen anderen Grund für das Fischesterben: «Die Wasserqualität und Ökologie des Sees sind massiv gestört.» Der Grund sei mit einer Dreck- und Schlammschicht überdeckt, weil der Abfluss der Alp und Käserei des Gebiets im See ende. Dort sehe er Handlungsbedarf. «Der Fälensee ist total krank und der Kanton weiss das genau.» Dennoch würden sie einen Fisch, der am Grund lebe und selbst kaum überlebe, für das Fischsterben verantwortlich machen.

Kanton hüllt sich in Schweigen

Beim Kanton wollte man sich derzeit nicht zur Abfisch-Aktion und deren Resultat äussern. Selbst ein Zwischenfazit sei nicht möglich. Die Arbeiten seien noch nicht abgeschlossen, hiess es am Donnerstagmittag, und die gefangenen Fische müssten zuerst noch untersucht werden. Danach erst werde der Kanton informieren. Auch zu den genannten Vorwürfen wollte man keine Stellung nehmen.

Wie 20 Minuten aus einer anderen verlässlichen Quelle erfahren hat, seien aber in den ersten anderthalb Tagen der Abfisch-Aktion weniger als zehn Kanadische Seesaiblinge in den Netzen hängen geblieben.

(lad)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LUZ93 am 05.10.2018 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regenbogenforelle

    Bild 2 ist eine Regenbogenforelle... und kein Seesaibling... ich weiss man muss ja nicht alles wissen das tut niemand aber wenn man schon Bilder einfügt sollte man wissen was man einfügt.

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  • Krass am 05.10.2018 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum so schweigsam?

    Wie wärs mit einer Wasserprobe? Dies bringt doch ziemlich schnell eindeutige Resultate ans Tageslicht? Somit wäre die Vermutung bestätigt oder eben nicht.....

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  • Stefan am 05.10.2018 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher

    Früher als noch mehr Dreck in die Bäche gelangte (Käserei, Metzgerei,...) hatte es vielmehr Fische. Damals hatten sie halt noch zufressen und nicht nur Algen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blabla Blablablabla am 05.10.2018 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht wieder nur um das liebe Geld

    Wer im Herbst seine gierige Tiefkühltruhe via Fischen und Jagen rabiat füllen will, rastet regelmassig aus in dieser mit Tierblut verschmierten Jahreszeit. (Lösungsmodell: Fischzucht Blausee-Mitholz.)

  • Ralf Gerber am 05.10.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Besatzfische

    Ich frage mich warum Ausländische Fischarten auf der einen Seite bekämpft werden und auf der andern Seite tonnenweise in See geworfen werden. Ein Wägitalersee oder Lungernsee hat tausende von Besitzfische drin. Ist wenn die Fische ohne bringen der Naturschutz überflüssig? Irgendwie unverständlich.

    • A.H. am 05.10.2018 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ralf Gerber

      Sowohl der Wäggi als auch der Lungern-See sind sogenannte Put and take Gewässer, das heisst die Fische( in diesen Fällen Regenbogenforellen) werden in fangfähiger grösse besetzt um so einen viel grösseren Bestand zu erreichen( keine Jungfische vorhanden) . Dadurch ist es viel einfacher die Fische zu fangen. Und auch im Lungerensee wurde mit dem erstmaligen Besatz der Forellen die Schohnzeit für den Hecht aufgehoben(grösster Raubfisch in dem See), denn der könnte ja die eingekauften Forellen fressen.

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  • kk8000 am 05.10.2018 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unlogisch!

    Warum holt man fremde Fische und setzt sie aus. Versteh ich echt nicht. Und nacher wieder versuchen auszurotten...

  • Arada am 05.10.2018 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schonmass

    Tiere, Flora und Fauna die hier nicht Einheimisch sind sollten alles andere als geschützt werden Auch Wolf und Bär) In Graubünden hat die Namaycust ein seht hohes Schonmass. Warum ist mir unbegreiflich. Jammern nützt jetzt auch nichts. Das Schlamassel haben wir jetzt.

    • Ruedida am 05.10.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      Regengogenforelle

      Arada hat es genau auf den Punkt gebracht. Die Regenbogenforelle ist auch nicht einheimisch, wird aber Massenweise in Graubünden ausgesetzt. Komische Sache.

    • Mici am 05.10.2018 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arada

      Keine ahnung!!! Der wolf und der bär sind in der schweiz heimisch!!! Waren vor ihnen hier! Der Namaycush ist wie die regenbogenforelle und der bachsaibling von amerika eingeführt worden, passt sich optimal an da nicht sooo heikel. Die heimischen fische wie die bach/seeforelle und der heimische seesaibling haben in dem see keine zukunft da zu warm und zu wenig sauerstoff!

    • Beobachter am 05.10.2018 12:36 Report Diesen Beitrag melden

      Wolf + Bär

      Ja - aber nicht in einem Land (eigentlicht Stadt mit Bergen) das auf 12 Millionen Bewohner abzielt!! Da sind die Probleme vorprogrammiert und gut finden das nur Leute die in einem warmen Büro sitzen können und sich nicht mit den Folgen für UNSERE Tierwelt / Nutztiere (die über 140 Jahre keine solchen Raubtiere kannte und sich darum auch nicht anpassen konnten) auseinandersetzten , die Kosten + Aufwand tragen und auch nicht davon Leben müssen !!!

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  • Marcus am 05.10.2018 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht auch Sauerstoffmangel in groß

    Es könnte auch sein, dass die Fische in großer Tiefe laichen, der Laich dann auf die Schlammschicht fällt. Über dieser Schlammschicht herrscht dann ein geringer Sauerstoffgehalt, infolge des biologischen Abbauprozesses durch den übermäßigen Eintrag von Abwasser durch die Käserei und somit stirbt die Fischbrut an Sauerstoffmangel.