Rentner zu Polizisten

22. Mai 2019 18:04; Akt: 23.05.2019 08:04 Print

«Solches Gesindel brauchen wir nicht!»

Am Dienstag musste sich ein 73-Jähriger vor dem Bezirksgericht Weinfelden TG verantworten. Grund: Er hielt zwei Polizisten für Betrüger und wollte ihnen seinen Namen nicht sagen.

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«Ich muss in meiner Wohnung nicht sagen, wie ich heisse», äusserte sich der 73-Jährige laut der «Thurgauer Zeitung» am Dienstag vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Dort erscheinen musste er, weil eines nachts gegen halb zwei vor seiner Tür zwei Polizisten standen und er diesen seinen Namen nicht nennen wollte.

Da er mit seiner Frau zu Hause war und TV geschaut habe, sei ihm die Begründung des Besuchs – eine Ruhestörung – nicht plausibel erschienen. Der Mann gab zwar an, den Fernseher aufgrund seines schlechten Gehörs etwas lauter eingestellt zu haben, beteuerte aber, dass sich noch nie jemand darüber beschwert habe.

Der Rentner glaubte, dass es sich bei den Polizisten um Betrüger handelte. Er habe sie deshalb aufgefordert, sich vorzustellen oder auszuweisen. Schliesslich lese er fast jeden Tag in der Zeitung von solchen Fällen. Zudem hätten die beiden Polizisten keine «richtige Uniform», sondern eine Art «Übergewändli» getragen. Dass es sich dabei allerdings wirklich um die Uniform der Kantonspolizei Thurgau handelte, habe er nicht gewusst.

«Solches Gesindel brauchen wir nicht!»

Wenige Minuten später verliessen die Polizisten das Grundstück wieder. Wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, rief ihnen der Rentner dabei nach: «Solches Gesindel brauchen wir nicht!»

Die Polizisten nahmen den Besuch anders wahr. Sie seien sich sicher, dass sie sich gleich am Anfang vorgestellt hätten. Dennoch habe der Mann penetrant weiter nach ihren Namen gefragt. Daher hätten sie nur noch auf ihre Namensschilder an der Uniform gezeigt. Der Rentner gab an, dass er diese nicht habe lesen können.

Das Bezirksgericht sprach den Mann am Dienstag frei. Die Richter glaubten ihm, dass er die Namen nicht gehört habe. Laut dem Gerichtspräsidenten Pascal Schmid war alles wohl nur ein grosses Missverständnis.

Unter 117 nachprüfen

Das Verhalten des Rentners verwundert nicht. Ostschweizer Kantonspolizeien hatten in der Vergangenheit mehrfach vor falschen Beamten gewarnt. Kapo-Sprecher Matthias Graf: «Das Phänomen mit den falschen Polizisten kann zu Unsicherheiten bei der Bevölkerung führen.» Vorsicht sei deshalb durchaus geboten.

Doch wie kann man echte von falschen Polizisten unterscheiden? Das sicherste Merkmal sei wohl die Uniform, so der Mediensprecher. Aber auch ein Streifenwagen und der persönliche Dienstausweis, den auch zivile Polizisten ständig bei sich tragen, seien gute Hinweise. Graf sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen die Echtheit der Polizisten angezweifelt worden sei. «Diese konnten aber alle geklärt werden.» Bei bestehender Unsicherheit rät Graf zur Überprüfung: «Lieber einmal zu viel bei der 117 anrufen als einmal zu wenig.»

(juu)